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Heinz Wraneschitz

Storage: It`s Political, Stupid!

Eine Art Speicher-Feature von Heinz Wraneschitz

Mehrere gestapelte Lithium-Ionen-Rundzellen in schwarzen Halterahmen – Innenansicht eines Batteriemoduls
LiIon-Akkus schauen innen anders aus als man von außen denkt – die Technik ist aber nicht das ungelöste Speicherproblem. [Foto: Heinz Wraneschitz]

Das ungelöste Problem der elektrischen Energietechnik ist der Speicher!“ Was Prof. Horst Küch vor 45 Jahren an der Ohm-Hochschule Nürnberg nachhaltig postulierte, müsste technisch spätestens mit der Massenproduktion von Lithium-Ionen-Akkus (LiIon) gelöst gewesen sein. Könnte man zumindest meinen. Denn seit die teuren, schweren, und vor allem deshalb hauptsächlich im stationären Bereich eingesetzten Bleibatterien nicht mehr „State Of The Art“ sind, lassen sich heute eigentlich alle mitdenkenden Käufer:innen von Solarstromanlagen auf Hausdächern gleich einen passenden Stromspeicher (meist) in den Keller stellen. Denn warum nachts einige Kilowattstunden (kWh) Graustrom zukaufen, wenn eigener Solarstrom im Sommer tagsüber im Überfluss vorhanden ist und nur gegen Mini-Vergütung ins Netz abgegeben werden kann? Zudem: Womöglich gibt’s ja künftig gar keine Vergütung mehr. Wer weiß schon, was im Kopf der aktuellen Bundeswirtschaftsministerin vorgeht?

Deutschland einig Speicherland (?)

LiIon-Akkus können tatsächlich sogar auch größere Strommengen im Megawattstunden-Bereich (MWh) aufnehmen, über einige Zeit speichern und bei Bedarf mit Leistungen vieler Megawatt (MW) wieder ans Netz abgeben. Deutschland ist hier aktuell europaweit mit etwa 3 GW Speichervolumen führend, Italien folgt mit etwa 2 GW. Und gerade diese Nutzungsart verbreitet sich immer mehr. Wie, wo und wann, das weiß mein Kollege Jörg Sutter ausführlich zu berichten.  

Wenn also die Technik bei der Stromspeicherei inzwischen kein ungelöstes Problem mehr darstellt: Warum diskutieren gerade wir Deutschen über zu hohe Strompreise (die tatsächlich seit Jahren sinken), abgeregelte (und nach EEG-Vorgaben trotzdem vergütete) Stromüberschüsse oder „Dunkelflauten“, in denen uns fossile Kraftwerke oder gar Frankreichs Atommeiler versorgen müssen – wie zumindest behauptet wird?

Batterielösungen weiter als gedacht

Immer wiederkehrende Vorwürfe sind lange geklärt. Beispiele: „Wohin mit dem Batterieschrott?“ – in die Wiederverwertung oder reparieren. „Batterieleistung reicht nicht“ – digitalen Zwilling nutzen. „The battery market is ready to fortify Germany’s energy security“ (auf Deutsch: „Der Batteriemarkt ist bereit, Deutschlands Energiesicherheit zu stärken“): Davon ist nicht nur die Initiative Klimaneutrales Deutschland überzeugt.

Das aktuelle Problem hat schwarze Haare…

Aber tatsächlich ist das Speicherproblem nur auf technisch-technologischer Seite gelöst. Denn gerade seit der Übernahme der Bundesregierung durch Schwarz-Rot im Jahr 2025 und die Installation der inzwischen von weiten Kreisen als absolute Fehlbesetzung für die Leitung eines Energieministeriums erkannten Gasfännin Katherina Reiche (CDU) ist an allen Ecken und Enden der Republik zu erkennen: Wir haben ein immer mehr erodierendes, politisches Speicherproblem in diesem, unserem (Deutsch-)Lande.

Gerade jene selbsternannte „Nicht-Gaslobbyistin“ Reiche tut nämlich alles, Stromspeicher auszubremsen, indem sie überdimensioniert Erdgaskraftwerke in die Landschaft setzen lassen will. Dass sie damit die Stromkosten weiter in die Höhe treiben wird – offensichtlich kein Problem für Reiche: Sie, die ansonsten Vergütungen für Erneuerbare streichen will, scheint unbedingt ihr Füllhorn über die Gaskonzerne ausschütten zu wollen. Und Länderenergieminister wie Wasserstofffän Hubert „Hubsi“ Aiwanger (Bayern, Freie Wähler) unterstützten sie dabei nach besten Kräften – wenn auch wohl nicht finanziell.

Speicher gibt’s auch andere…

Doch – und das wird oft vergessen: Stromspeicher gibt es auch andere als solche mit Lithium-Ionen- oder Redox-Flow-Technologie. So sind allein die elektrochemischen Reaktionen in vielfältig nutzbarer Art verfügbar, wie ein aktueller „Trendbericht“ fast schon poetisch offenlegt: „Erst wenn Elektronen zu Molekülen werden, entsteht Versorgungssicherheit. Wasserstoff, Ammoniak und E-Fuels übernehmen dabei die Rolle von Speicher, Energieträger und Chemierohstoff zugleich.“

Denn ja: im Einzelfall mögen E-Fuels für Anwendungen geeignet sein, die nicht auf Strom umzurüsten sind; hier fallen mir zum Beispiel Großflugzeuge ein. Und Wasserstoff – wohlgemerkt „Grüner“, mit Erneuerbarem Strom produzierter: Der ist natürlich wichtig für den Ersatz fossiler Energie für die Herstellung von Stahl oder Zement. Denn Deutschland will ja 2045 CO2-neutral sein – verfassungsgerichtlich abgesichert.

Wasser als Stromspeicher

Und dann wären da noch die oft vergessenen Stromspeichermöglichkeiten in Pumpspeichern oder aufgestauten Flüssen. So wird aktuell im fränkischen Happurg nach jahrzehntelangem Zögern – endlich! – ein Speicherbecken saniert, damit die Turbinen und Pumpen voraussichtlich 2028 wieder 160 MW Strom aus dem Netz nehmen und auch wieder abgeben können. Speicherinhalt: 850 MWh.

Eine andere, ohne weiteren Eingriff in die Natur realisierbare Stromspeichermöglichkeit: Das Potenzial von Flusskraftwerken beispielsweise. Wenige abgelassene Stau-Zentimeter Wasser könnten gigantische Energiemengen ins Netz pumpen und so die wenigen echten „Dunkelflauten“ erhellen.

Biogas – für die Grundlast zu schade

Nicht zu vergessen: Biogas-Kraftwerke. Die sollten nicht mehr zur Produktion von Grundlast dienen, sondern Strom dann abgeben, wenn Bedarf im Netz besteht. Doch die so genannte Überbauung – größere Gas- und Wärme-Speicher, dazu zusätzliche Blockheizkraftwerke – ist teuer. Außerdem reichen die Ausschreibungsmengen der Bundesnetzagentur für mehrtausend dieser Anlagen bei weitem nicht aus. Und ohne EEG-Förderung keine Überbauung.

Doch noch einmal zum Anfang: Was LiIon-Stromspeicher im Verteilnetz besonders auszeichnet ist die Chance, dem lange versäumten Ausbau von 20- oder 110-kV-Netzen schnell zu entgegnen und so mehr Ökostrom nutzen zu können, statt ihn abzuregeln. Doch dann müssen diese Großspeicher auch „netzdienlich“ errichtet werden; inzwischen gibt es dafür erste Beispiele.

Solche technischen Ansätze machen Hoffnung – wenn sie auch erst 45 Jahre nach Prof. Horst Küchs Feststellung kommen: „Das ungelöste Problem der elektrischen Energietechnik ist der Speicher.“ Aber wann löst sich endlich das politische Speicherproblem?