Eine Beschreibung von Jörg Sutter

[Foto: Jörg Sutter]
Eine Spedition beschafft sich große Batteriespeicher. Das wäre eigentlich keine Meldung wert, wenn es sich dabei nicht um eines der größten Logistikunternehmen in Deutschland handeln würde und um Speicher mit insgesamt 15,6 Megawattstunden Kapazität, wie hier berichtet wird. Doch es geht um eine Blaupause: Der Einsatz eines großen Batteriespeichers kann für viele Unternehmen eine lohnende Investition sein. Doch einfach einen Container in den Hof stellen – damit ist es nicht getan.
Viele Unternehmen haben heute die gleichen Herausforderungen: Wegen der hohen Stromkosten die eigene Stromerzeugung mit PV steigern, den Fuhrpark elektrifizieren und das ganze unter schlechten Voraussetzungen, denn oft genug ist kaum zusätzliche Netzkapazität vom lokalen Netzbetreiber dafür zu bekommen.
Da bietet sich die Investition in einen Batteriespeicher an, der – eine sorgfältige Planung vorausgesetzt – viele Herausforderungen auf einmal lösen kann. Ein Interessent muss aber auch manchen regulatorischen Aspekt im Auge behalten, sonst könnten böse Diskussionen mit Behörden oder der Versicherung die Folge sein, doch dazu weiter unten.
Möglichkeiten von gewerblichen Großspeichern
Zuerst einmal sollen die Möglichkeiten geschildert werden, die bei einem gewerblichen Großspeicher nutzbar sind – und das sind viele, immer vorausgesetzt, dass das jeweilige Gerät und deren Software das auch technisch „kann“ und dass es im Einzelfall auch Sinn macht. Je nach Betriebsstruktur, Stromverbrauchsverhalten und vielen anderen Rahmenbedingungen kann es auch Sinn machen, auf einige Möglichkeiten zu verzichten und die Lösung eher technisch schlank zu halten.
Eigenversorgung
Ein Batteriespeicher wird oft in erster Linie gemeinsam oder als Nachrüstung zu einer PV-Anlage beschafft, um die selbst nutzbare Strommenge zu erhöhen. Gerade sehr große PV-Anlagen erzeugen im Sommer oft mehr Strom über die Mittagszeit als benötigt wird – und für die Einspeisung gibt es je nach Marktwert dann oftmals kein Geld mehr. Also: Tagsüber Strom Speichern und in der zweiten Werksschicht dann selbst verbrauchen.
Spitzenlastkappung
Je nach Stromverbrauch kann mit einem Speicher hier sehr viel Geld gespart werden. Treten regelmäßig Stromverbrauchsspitzen auf, die über vereinbarten Leistungswerten liegen, so muss ein Unternehmen tief in die Tasche greifen, das könnten mehrere Tausend Euro pro Jahr sein. Ein Speicher kann den Verbrauch glätten und diese Kosten reduzieren.
Zuverlässigkeit
Prinzipiell haben wir ja in Deutschland ein sehr zuverlässiges Stromnetz, aber in einzelnen Momenten eben dann doch nicht. Mit vielen Speichern kann eine Notstromfunktion genutzt werden, die Stromschwankungen des Netzes glättet und bei Komplettausfall helfen kann, kritische Prozesse und die EDV aufrecht zu halten.
Elektrofahrzeuge
Immer mehr Lademöglichkeiten auch bei Unternehmen stoßen an die Grenzen des Stromnetzes: Es sollen zwei 350 kW-Schnelllader für die Geschäftsführung und Kunden errichtet werden, aber das öffentliche Stromnetz hat nur noch wenig Reserve. Ein Stromspeicher kann hier Ladespitzen abfangen und hohe Ladeleistungen ermöglichen, auch wenn das Stromnetz schwach ist.
Kostenoptimierung
Wird Strom am Markt mit variablen Strompreisen eingekauft, kann ein Speicher hier die Stromkosten optimieren: Wenn am Vortag feststeht wie die viertelstündlichen Bezugspreise am nächsten Tag sind, kann ein Energiemanagement einen optimierten Einkaufsfahrplan erstellen – und den Speicher aktiv als Puffer nutzen.
Stromhandel
Ein richtig großer Speicher kann – vor allem in den Wintermonaten – zu einer weiteren Einnahmequelle werden – wenn auch „Trading“ als Funktion genutzt wird, also Strom (zu günstigen Zeiten) am Markt eingekauft und gespeichert wird. Zu einem späteren Zeitpunkt wird dieser Strom dann teurer verkauft; der Handel trägt zu Umsatz und Gewinn des Unternehmens bei.

[Foto: Jörg Sutter]
Viele Möglichkeiten – doch auf was ist zu achten?
Die folgenden Punkte sollten zu Beginn eines Großspeicherprojektes unbedingt berücksichtigt werden:
- Nutzung
Wie soll der Speicher heute genutzt werden, welche der oben genannten Möglichkeiten sollen genutzt werden? Und welche kommen vielleicht in Zukunft noch mit dazu?
Dazu ist es meist notwendig, einen Planer einzuschalten und vor allem den Stromverbrauch des Betriebes im Detail zu analysieren. Auch für die Wirtschaftlichkeit des Speichers ist das eine zentrale Frage. - grün oder grau?
Speicher unterscheiden sich in „grüne“ (die nur mit erneuerbarem Strom gefüllt werden) und Misch- oder Graustromspeicher, in die auch Strom aus dem Netz eingespeichert wird. Diese Entscheidung hat Auswirkungen auf Genehmigung und die Anmeldung des Speichers beim Netzbetreiber. - Genehmigung notwendig?
Braucht der Batteriespeicher eine Baugenehmigung? Diese Frage muss ein Fachmann im Einzelfall beantworten, gemeinsam mit vielen anderen rechtlichen Frage (dazu siehe auch die DGS-News aus der letzten Woche hier). Zu unterschiedlich sind die Landesbauordnungen der sechzehn Bundesländer, auch der Einbau eines Speichers in ein bestehende Gebäude kann eine Nutzungsänderung auslösen – und damit die Pflicht, das per Antrag von der Behörde genehmigen zu lassen. - Netzbetreiber
Mit dem Netzbetreiber muss frühzeitig Kontakt aufgenommen werden – je nach Nutzungsart und Netzanbindung braucht der Speicher eigene Anschlusskapazität am Stromnetz oder auch nicht. Ohne Zusage des Netzbetreibers geht nichts. - Brandschutz und Versicherung
Der Unternehmensversicherer muss unbedingt eingebunden werden: Standort, Brandschutzkonzept und technische Schutzmaßnahmen sind im Vorfeld abzustimmen. - Bundesnetzagentur
Für den zukünftigen Betrieb von Speichern ist es auch wichtig zu wissen, dass die diskutierte vorzeitige Abschaffung der Befreiung von Netzentgelten bei Batteriespeichern aktuell von der Bundesnetzagentur vom Tisch genommen wurde. Auch Speicher, die in den kommenden Jahren gebaut werden, werden diesen wirtschaftlichen Vorteil nutzen können.
Die Nutzungsmöglichkeiten und auch die wichtigen Aspekte sind an dieser Stelle nur verkürzt dargestellt, die Qualität von Planung und Produkten, die Erweiterungsmöglichkeit und Flexibilität in der Zukunft und vieles mehr muss vor einer Investition ins Kalkül gezogen werden. Empfohlen werden kann dafür ein Messebesuch auf der SmarterE vom 23.-25. Juni in München, wo neben der Intersolar (dort auch der Stand der DGS A4.660) die ees als Messe für Speichertechnik rund 5 Messehallen füllt und viel Expertise auch für Großspeicher vor Ort sein wird.
