Smarte Energie-Messe-Eindrücke von Heinz Wraneschitz

Die Mega-Messe The smarter E Europe 2026: Nach drei Tagen ist alles vorbei – wie in jedem Jahr. Am Donnerstagabend ging am Münchner Ausstellungsgelände diese mutierte, einst überschaubare, fast familiäre Regenerativ-Show Intersolar zu Ende. Mit den Erneuerbaren Energien ist das anders: Die gehen nie zu Ende, sondern können(s) immer und überall, Tag und Nacht, Sommer wie Winter, am Äquator oder an den Polen. Und natürlich im mitteleuropäischen Deutschland. Aber nur, wenn die Politik es zulässt und wirklich will.
Jedenfalls wollten die Messe-Organisator:innen von Solar Promotion und ihre Partner der großen Sonderschau genau dieses Können von „Renewables 24/7“ unter Beweis stellen. Auch DGS-Präsident Prof. Frank Späte stand dabei als einer der Protagonist:innen im Blick. Beziehungsweise in einer „Pro-24/7“-Reihe mit Messeveranstalter Markus Elsässer, BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig, Claudius da Costa Gomez vom Fachverband Biogas oder dem bekannten Autoren und Energieexperten Tim Meyer. Bekennende Energie-Politiker:innen waren dabei nicht vertreten.

Doch vielleicht waren die ja am Lesen. Denn am Dienstagvormittag hatte sich das Messeteam zum Showstart einen ganz besonderen Spannungsaufbau in drei Schritten ausgedacht.
Erster Akt: Rückblick
Natürlich stand am Anfang die Begrüßung durch Messegründer Elsässer. Der blickte auf deren inzwischen 35-jährige Erfolgsgeschichte mit Start in Offenburg über Freiburg bis nach München zurück. Wobei die eigentliche Gründung bereits 50 Jahre her war: die „Sonnentage“ in Sasbach 1976. Erst 1991 folgte die „Solar“ in Pforzheim, die wirkliche Vorläufermesse der heutigen Intersolar. Die wuchs und wuchs.
Heute ist sie, seit fast 20 Jahren bereits in München angesiedelt, wiederum nur noch eine von vier Teilmessen von „SmarterE Europe“. Und auch hier stoßen die Veranstalter inzwischen an Grenzen: „19 Hallen belegt, alle Flächen vergeben – die Aussteller haben mehr Quadratmeter belegt“, deshalb seien mit 2662 ein paar weniger als 2025, erläuterte Elsässer. Und diese Firmen kommen nur noch gut zu einem Drittel aus Deutschland – der Rest aus der halben Welt. Die Besucher:innen – 100.000 wurden wieder erwartet – ebenso. Dazu nehmen etwa 2600 Menschen an den vier parallelen Kongressen teil. Und: Selbst ein „Hydrogen Dialogue“ lief diesmal nebenbei mit – da wollte natürlich Wasserstofffan Hubert Aiwanger dabei sein…

„Wir stehen für Erneuerbare Energieversorgung 24/7 – das haben wir seit 35 Jahren verfolgt, immer versucht, diese Vision umzusetzen. Das geht nur sektorübergreifend“, stellte der Messechef heraus. Aber dass EE 24/7 erreicht werden könne – „sicher, zuverlässig, wirtschaftlich“ – das werde in der Sonderschau anschaulich bewiesen.
Zweiter Akt: Status Quo
Jarand Rystad, Chef der unabhängigen norwegischen Beratungsfirma Rystad Energy, blickte über Deutschland hinaus in die Welt: Seine „Global Market Perspective“ stellte die Aussichten für die Energiewende sehr optimistisch dar. „Unsere Vorhersagen von 2022 wurden weit übertroffen, gerade beim wichtigsten Teil Photovoltaik.“ Etwas schlechter sehe es bei Wind Onshore und Offshore aus; ziemlich schlecht bei Biotreibstoffen. „Und Wasserstoff wird 2030 50 Prozent unter den Erwartungen liegen.“ Stattdessen boomen Stromspeicher: Er rechne für 2030 mit doppelt so viel Kapazität wie 2022 vorhergesagt. „Und warum sind PV und Speicher so erfolgreich? Wegen der massiven Kostensenkungen. Die anderen sind hochgegangen im Preis“, stellte er mit aktuellen Zahlen dar.

Doch auch das immer wieder vorgetragene Stöhnen über hohe Strompreise konterte er: „Weil Deutschland noch zu wenig Speicher hat, sind die Preise vor allem nachts extrem hoch“ – Ausbau also unbedingt notwendig, wie auch „Ausgleich über Grenzen hinweg. Gerade in England steigt die Speicherkapazität gerade massiv“, so Rystad.
Dritter Akt: Transformation
Charlotte Senkspiel, eine der Fraunhofer-ISE-Hauptautor:innen der brandaktuellen Studie „Kostenoptimale Transformation des Energiesystems bis 2045“, machte gleich zu Beginn ihres Vortrags klar: „Die kalten Dunkelflauten machen nur etwa ein Prozent im Jahr aus. Ja, dafür brauchen wir noch 100 Gigawatt Kraftwerke, das können wir nicht auf Speicher verlagern.“ Und für genau deren Betrieb „ist die saisonale Speicherung von Wasserstoff der Schlüssel“. Hierfür also H2 – sonst aber möglichst Elektrifizierung. Denn ja, diese echte Regenerativ-Energiewende koste in Deutschland zwischen 210 und 270 Mrd. Euro pro Jahr. „Doch da sind auch die neuen Investitionen schon mit drin. Mehrkosten gerade mal 54 Mrd. Euro jährlich“ haben die ISE-Forschenden berechnet. Von immer mehr Menschen in Lohn und Brot bei der „Green Economy“ ganz zu schweigen.

Zudem stellte Senkpiel heraus: „Diese Energiewende erhöht die Versorgungssicherheit und die Resilienz. Denn die Importabhängigkeit sinkt stark wegen 50 Prozent heimischer Erzeugung.“ Das Gegenteil sehe man brandaktuell dank der Kriege in der Ukraine und am Golf. Doch sie machte auch klar: „Entscheidend für die Realisierung der Energiewende sind die politischen Weichenstellungen.“
Die zu bemerkende Gegenrevolution aus der Berliner Bundesregierung erwähnte die Wissenschaftlerin mit keinem Wort. Doch jene Gegenrevoluzzerin war auch nicht auf der Messe. Vielleicht las sie ja gerade die ISE-Studie?
Schlussakkord: Es bewegt sich was
Eigentlich müsste schon diese neue Veröffentlichung genügen, um auch die letzten Nicht-rechts-und-links-ganz-außen-Politiker:innen vom Sinn einer dringenden Umstellung auf „Renewable 24/7“ zu überzeugen. Doch vor der Möglichkeit, auf der Messe nach den Werkzeugen dafür zu suchen, setzte der Bundesverband BSW Solar den Schlussakkord auf seiner – ebenfalls schon seit Jahrzehnten üblichen – Start-Pressekonferenz.
Der BSW-Solar-Geschäftsführer für Internationales, David Wedepohl berichtete von der „weltweiten PV-Erfolgsgeschichte, die man sich vor zehn Jahren nicht vorgestellt hat: Eine Verzehnfachung der PV-Erzeugung, drei Terawatt (3.000 Gigawatt GW) PV-Installationen. Und 2025 wurden neue 315 GWh Speicher installiert“, nannte er aktuelle Zahlen. Gleichzeitig seien die Solar-Investitionskosten pro installiertem GW in den vergangenen zehn Jahren von 3 Mrd. USD auf 0,7 Mrd. US-Dollar gesunken; gegenüber 2015 wurde aber im Jahr 2025 die dreifache Geldsumme in PV investiert. Selbst in den USA gehe es trotz Trumps dortiger Gegenrevolution steil regenerativ nach oben, hob Wedepohl hervor – denn auch dort sei „die Entwicklung von den volatilen Fossilenergie-Preisen getrieben. Dagegen schwankt die Solarstromerzeugung berechenbar – denn wir können speichern! Das ist krisenfest in kritischen Zeiten.“
Auf der Überholspur
BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig ist zwar sichtlich stolz, dass PV in Deutschland inzwischen mehr Strom als Erdgas oder Braunkohle produziert. Trotzdem sei die Entwicklung gespalten: Im Privatsektor seien wegen der unklaren politischen Zielsetzungen die Haus-Installationen rückläufig. Dagegen gebe es „einen Schub bei Freiflächen-PV: 2025 wurden 8,4 GW zugebaut, 30 Prozent mehr als 2024“. Was er auch erwähnte: Bei den neuen Dachanlagen wurden im vergangenen Jahr bereits jede Vierte „förderfrei“ errichtet, auf der Freifläche war es immerhin jedes 20ste GW.
„Spare, spare, PV baue“
Und nicht zuletzt ist da der Kosten-Sparfaktor: „Rund sechs Millionen Solarstromanlagen sind mittlerweile in Deutschland installiert. Die haben dem Land in den vergangenen sechs Jahren einen volkswirtschaftlichen Nutzen in dreistelliger Milliardenhöhe gebracht“, hat der BSW errechnet.
Trotz aller bereits erwähnten, versuchten Gegenrevolutionen von oberster energiepolitischer Seite. Vielleicht, weil die Menschen inzwischen an der eigenen Tasche spüren, was internationale Konflikte bei der Fossil-Energie bewirken?
Jedenfalls erwarten laut einer vom BSW Solar beauftragten Befragung drei Viertel der Deutschen einen leichten bis starken Anstieg der Nachfrage nach PV-Dachanlagen, im Gewerbesegment tun das immerhin noch 44 Prozent. Wohl unter anderem auch deshalb hat sich nach Körnigs Meinung „die Geschäftserwartung der Photovoltaik-Branche etwas aufgehellt“.
Dies wiederum war am Besucheransturm und an der Stimmung in den Hallen zu spüren.
