Gemeinsamer Appell für Planungssicherheit in der dezentralen Energiewende – Netzpaket muss grundsätzlich überarbeitet werden.
Drei Verbände warnen: Entwurf Netzpaket gefährdet dezentrale Energiewende – Appell zur Mitzeichnung gestartet
Berlin, 20.02.2026 – Das Bündnis Bürgerenergie e.V. (BBEn), die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS) und der Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV) warnen gemeinsam vor gravierenden Folgen des bekannt gewordenen Entwurfs zum sogenannten „Netzpaket“. In einem heute veröffentlichten Appell fordern die drei bundesweit tätigen Verbände gemeinsam eine grundlegende Überarbeitung des Entwurfs und rufen weitere Organisationen ausdrücklich zur Mitzeichnung auf.
Der Entwurf greift nach Einschätzung der Verbände zentrale Grundprinzipien des bestehenden Systems an – insbesondere Einspeisevorrang und verlässliche Netzanschlussregeln.
Damit werde die Planungs- und Finanzierungssicherheit von Millionen dezentraler Investitionen in Photovoltaik, Speicher und gemeinschaftliche Projekte infrage gestellt.
Besonders betroffen wären Bürgerenergiegenossenschaften, kommunale Initiativen, Stadtwerke, landwirtschaftliche Betriebe, Handwerksunternehmen sowie Mieterstrom- und Quartiersprojekte.
„Eine starke Energiewende braucht starke lokale Akteure“, heißt es im gemeinsamen Appell. Und weiter: „Die vorgesehenen Regelungen sind in ihrer derzeitigen Form nicht tragfähig. Willkürliche Netzabregelungen, zusätzliche Investitionsrisiken und neue Kosten gefährden Bürgerenergie und damit die Energiewende von unten sowie die deutschen Klimaziele.“
Drei zentrale Kritikpunkte
Die Verbände benennen drei Regelungsvorschläge als besonders problematisch:
- Redispatch-Vorbehalt: Netzbetreiber könnten Gebiete als „kapazitätslimitiert“ ausweisen und Abregelungen über Jahre entschädigungsfrei stellen, wodurch Netzrisiken einseitig auf Anlagenbetreiber verlagert und zugleich Anreize zum zügigen Netzausbau geschwächt würden.
- Entzug genehmigter Netzanschlusskapazitäten: Netzbetreiber sollen bereits zugesagte Anschlusskapazitäten unter bestimmten Bedingungen wieder entziehen können, was die Verlässlichkeit langfristiger Projekt- und Finanzierungsplanung grundlegend infrage stellt.
- Baukostenzuschüsse: Anlagen- und Speicherbetreiber sollen stärker an Netzausbaukosten beteiligt werden können, wodurch Investitionen verteuert und insbesondere kleinere, regionale und gemeinschaftlich getragene Projekte strukturell benachteiligt würden.
Diese Maßnahmen verschieben nach Ansicht der Verbände Netzrisiken auf dezentrale Akteure und schwächen damit genau jene Projekte, die die Energiewende vor Ort tragen.
Das Bundesministerium verweist darauf, Ausbau der Erneuerbaren, Netzinfrastruktur und Digitalisierung künftig besser aufeinander abstimmen zu wollen. Die unterzeichnenden Organisationen sehen jedoch in der vorliegenden Ausgestaltung eine strukturelle Verschiebung von Investitionsrisiken zulasten dezentraler Akteure.
Aufruf zur Mitzeichnung
Die drei Verbände laden weitere Vereine, Initiativen, Unternehmen, Kommunen, Genossenschaften und regionale Zusammenschlüsse ausdrücklich ein, den Appell mitzuzeichnen.
Eine Mitgliedschaft in einem der Verbände ist nicht erforderlich.
Mitzeichnende Organisationen werden fortlaufend veröffentlicht. Ziel ist es, deutlich zu machen, dass Planungssicherheit und die Stärkung dezentraler, gemeinschaftlich getragener Energieprojekte ein breites Anliegen von Zivilgesellschaft, Wirtschaft und lokalen Energiewende-Akteuren sind.
Die Möglichkeit der Mitzeichnung ist einige Zeit offen. Das Papier mit Nennung aller Zeichner wird anschließend dem Bundeswirtschaftsministerium überreicht.
Mitzeichnung
- per E-Mail an: zentrale@sfv.de
- Betreff: „Netzpaket – Wir zeichnen den Appell mit“
- Angabe von Organisation, Website, Ansprechperson
Der vollständige Appell steht online und als PDF zur Verfügung.
Weitere Informationen, gemeinsame Erklärung und Appell:
https://www.dgs.de/netzpaket-dezentrale-energiewende
Appell als PDF: https://www.dgs.de/wp-content/uploads/2026/02/Netzpaket-gefaehrdet-dezentrale-Energiewende_gemeinsamer-Apell_260220_FINAL.pdf
Liste der Mitzeichner: https://www.sfv.de/apell-netzpaket#anchor-menu-point-2-3 (Auflistung ab Mo., 23.02.26)
Über die DGS:
Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) e.V. wurde 1975 gegründet und hat aktuell rund 3.500 individuelle Mitglieder und Firmenmitglieder. Sie ist die deutsche Sektion der International Solar Energy Society (ISES). Die DGS setzt sich für 100 Prozent Erneuerbare Energien und die Steigerung der Energieeffizienz ein. Dabei versteht sie sich als Mittlerin zwischen Wissenschaft, Ingenieur:innen und Handwerk, Anwender:innen und allen anderen Beteiligten an dieser Transformation.
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