Ein Interview mit Frederic Hirschmüller von Wencke Bagger
Viele Kommunen haben ihre Wärmeplanung abgeschlossen oder arbeiten noch daran. Danach beginnt die eigentliche Arbeit: Wo lohnt sich ein Wärmenetz, wo eine dezentrale Versorgung mit Wärmepumpen? Genau hier setzt das Forschungsprojekt OpenPlan 2.0 an: Der DGS-Landesverband Berlin Brandenburg entwickelt gemeinsam mit dem Fraunhofer IFAM und dem Reiner Lemoine Institut ein kostenfreies Open-Source-Werkzeug weiter, mit dem sich lokale Energiesysteme für Quartiere, Gewerbehöfe und Industriestandorte per Drag-and-Drop modellieren, Szenarien vergleichen und technisch-wirtschaftlich bewerten lassen – auch ohne Programmierkenntnisse. Die Berechnungen basieren auf dem offenen Energiemodellierungs-Framework oemof. OpenPlan ersetzt nicht die kommunale Wärmeplanung, sondern unterstützt dabei, Maßnahmen daraus für die Umsetzung zu prüfen.
Beim kostenfreien Online-Stakeholder-Workshop am 18. November 2026 von 13 bis 16 Uhr stellt das Projektteam neue Funktionen vor: die Modellierung von Wärmenetzen, weitere Anwendungsfälle der kommunalen Wärmeplanung, die Erstellung von Verbrauchs- und Erzeugungszeitreihen sowie eine Einführung in oemof-eesyPlan. Eingeladen sind insbesondere Kommunen, Planungsbüros, Stadtwerke, Energieagenturen und Forschende.

[Bild: eigene Darstellung]
Interview mit Frederic Hirschmüller, Geschäftsführer des DGS-Landesverbands Berlin Brandenburg.
Fragen und redaktionelle Bearbeitung: Wencke Bagger.
Große Kommunen mussten ihren Wärmeplan bis Ende Juni 2026 vorlegen, kleinere arbeiten noch daran. Wo setzt OpenPlan in diesem Prozess an, und welche Vorteile hat es gegenüber klassischen Planungswerkzeugen?
Nicht bei der Erstellung des Wärmeplans, sondern im anschließenden Umsetzungsprozess. Die dort entwickelten Maßnahmen lassen sich mit dem Tool in Energiesystemmodelle überführen, wirtschaftlich grob abschätzen und miteinander vergleichen. So lässt sich etwa prüfen, ob sich für ein Gebiet eine Machbarkeitsstudie für ein Wärmenetz lohnt oder ob von Beginn an eine dezentrale Versorgung sinnvoller ist. Weil keine Lizenzkosten anfallen, können Kommunen erste Modelle selbst erstellen und an ein Planungsbüro übergeben, das ebenfalls ohne Lizenzen damit weiterarbeiten kann. Das erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Planungsbüros und Stadtwerken.
Gemeinsam mit energielenker und dem Öko-Zentrum NRW wird das Tool an konkreten Planungsaufgaben erprobt. Können Sie ein Beispiel beschreiben, und wo musste das Tool weiterentwickelt werden?
Beide Praxispartner erstellen Wärmepläne für Gemeinden. Gemeinsam haben wir untersucht, wie sich erste Maßnahmen daraus in Modelle überführen lassen. Dabei zeigte sich: Oft liegt für ein Gebiet nur der Wärmeverbrauch eines ganzen Jahres vor; Tages- und Jahresverläufe fehlen. Deshalb haben wir das Tool erweitert: Auf Grundlage des Jahresverbrauchs, eines ausgewählten Verbrauchstyps, etwa Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus oder Büro, sowie von Wetterdaten, beispielsweise Testreferenzjahren des Deutschen Wetterdienstes, erzeugt es mithilfe von Standardlastprofilen eine stündlich aufgelöste Wärmebedarfszeitreihe. Vergleichbare Funktionen gibt es für die Erzeugung von Photovoltaik- und Windkraftanlagen.

[Bild: eigene Darstellung]
Die DGS ist vor allem für Solarenergie bekannt. Warum engagiert sich die DGS Berlin Brandenburg in der Strom- und Wärmeplanung, und wie ergänzt sie sich mit Fraunhofer IFAM und Reiner Lemoine Institut?
Ein erneuerbares Energiesystem funktioniert nur, wenn verschiedene Technologien gemeinsam betrachtet werden. Deshalb begleiten wir seit Jahren auch Projekte zu Wärmepumpen, Biomasse oder Windenergie. Im Projekt verstehen wir uns als Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis: Fraunhofer IFAM und RLI, die maßgeblich an oemof mitgearbeitet haben, entwickeln Methoden und Software. Wir bringen Praxispartner ein, die das Tool an eigenen Aufgaben testen, und geben deren Rückmeldungen systematisch in die Entwicklung.
OpenPlan ist kostenlos und offen lizenziert, mit oemof-eesyPlan lassen sich sogar eigene Komponenten einbinden. Warum ist diese Offenheit wichtig, und wie geht es nach dem Ende der Förderung 2027 weiter?
Alle Beteiligten können mit demselben Werkzeug arbeiten und Ergebnisse nachvollziehen. Forschungseinrichtungen können den Quellcode prüfen, validieren und weiterentwickeln, sodass neue Erkenntnisse direkt in die Praxis fließen. Die Grundlagen des Tools reichen bis 2014 zurück, als die Entwicklung von oemof begann. Wir gehen davon aus, dass OpenPlan in weiteren Projekten fortgeführt wird; entsprechende Anträge sind in Arbeit. Für Wartung und Support planen wir zusätzlich kostenpflichtige Service- und Schulungsangebote. Das Tool selbst soll aber dauerhaft kostenlos und offen bleiben.
Beim Workshop am 18. November geht es unter anderem um Wärmenetze. Welche Herausforderungen lösen die neuen Funktionen, und warum lohnt sich die Live-Teilnahme?
Die neue Funktion hilft in der frühen Vorplanung bei der Frage, ob sich ein Wärmenetz grundsätzlich lohnen könnte, und vergleicht es überschlägig mit einer dezentralen Versorgung. Detaillierte Netzauslegungen mit Rohrdurchmessern oder Pumpen leistet OpenPlan nicht. Dafür gibt es spezialisierte Open-Source-Werkzeuge wie F|Heat der FH Münster, die OpenPlan ergänzt. Auch außerhalb der Wärmeplanung bleibt das Tool einsetzbar, beispielsweise um an einem Industriestandort die Versorgung mit Photovoltaik und Batteriespeicher zu untersuchen. Live-Teilnehmende sehen Funktionen, die noch in Arbeit sind, und können durch das interaktive Format direkt Feedback geben. So fließen ihre Anforderungen in die weitere Entwicklung ein. Das ist Forschung für alle zum Mitmachen!
FAQ zu OpenPlan 2.0 auf einen Blick
Von September 2024 bis August 2027, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im 8. Energieforschungsprogramm.
Das OpenPlan Tool ist online zugänglich und kann über die OpenPlan-Webseite aufgerufen werden: Zum OpenPlan Tool
Dort finden sich außerdem weiterführende Informationen zu den Funktionen und Anwendungsfällen des Tools.
Für die Arbeit mit dem OpenPlan Tool stehen verschiedene frei zugängliche Materialien zur Verfügung. Dazu gehören ein Handbuch, Video-Tutorials, Anwendungsbeispiele und der Quellcode auf GitHub.
Handbuch
Video-Tutorials
Anwendungsbeispiele
GitHub-Repository
Ja. Die DGS Berlin Brandenburg bietet Schulungen und Webinare zur Einführung in die Bedienung des OpenPlan Tools an. In den Veranstaltungen werden die grundlegenden Funktionen anhand praxisnaher Beispiele und Übungen vermittelt.
Interessierte können sich über das GitHub-Repository über den aktuellen Entwicklungsstand informieren, Rückmeldungen geben oder eigene Ideen und Weiterentwicklungen einbringen. Auch für Organisationen, die gemeinsam mit dem OpenPlan-Team neue Funktionalitäten entwickeln möchten, besteht die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme über das Formular auf unserer Projektwebseite oder über unsere E-Mail-Adresse openplan@dgs-berlin.de.
