Ein nicht nur meinungsgeprägter Statusbericht von Heinz Wraneschitz

In einem Punkt hat Bayerns Energie- und Wirtschaftsminister grundsätzlich recht: „Die E-Auto-Prämie nutzt vor allem der ausländischen Konkurrenz.“ Doch dass daran vor allem Menschen wie Minister Hubert Aiwanger schuld sind, das bemerkt er nicht. Denn vor allem wegen der ständigen Forderungen von ihm und anderen pseudo-technologieoffenen Politiker:innen nach „Ende des (nie existierenden) Verbrennerverbots“ konnten hiesige „Auto-Nieten in Nadelstreifen“ sich auf ihrer egoistischen Einstellung ausruhen: Lieber nicht in E-Mobilität investieren – und so durch die aktuellen Gewinne ihre eigenen Erfolgsprämien hochhalten. Nach uns die Sintflut – oder besser formuliert: „Wenn wir selber rausfliegen, dann mit millionenhohen Abfindungen.“ Die Mitarbeitenden von VW, Porsche, Audi, BMW, Mercedes und Co sind diesen Managern (männlich) ohnehin offensichtlich völlig schnurz. Gerne jammern sie stattdessen über chinesische Erfolge.
Lieber aber sollten sich beide Gruppen – politisch Verantwortliche wie oft als „Unternehmer“ bezeichnete, überbezahlte Angestellte – die Empfehlungen qualifizierter Unabhängiger zu Herzen nehmen. Zum Beispiel von Alois Gmeiner, dem Präsidenten von Ethik pro Austria: „Nein. Wir waren nicht zu nett zu China. China war zu nett zu uns. Denn China hat über Jahrzehnte genau das getan, was der Westen – und seine hochbezahlten, selbstverliebten Wirtschaftskapitäne – von ihm verlangt haben: China hat gearbeitet, geschraubt, geklebt, produziert. Billig, zuverlässig, im Hintergrund. China war die Werkbank des Westens. Und der Westen – wir – waren zufrieden mit dem braven Chinamann. Aber jetzt erwachen wir aus den süßen Träumen.“
Oder jene vom TÜV-Verband. Der gibt alle paar Jahre eine Mobilitätsstudie heraus – die mit Jahrgang 2026 wurde am Dienstag, 25. August öffentlich gemacht.
Diejenigen, die nicht lesen wollen (aus welchen Gründen auch immer), können sogar hören und sehen, was Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verband e.V., insbesondere zum zweitwichtigsten Mobilitätstrend gegenüber der Presse ausgeführt hat. Denn laut Bühler ist nach dem allgemein herrschenden Wunsch, den öffentlichen Nah- und Fernverkehr vordergründig auszubauen, den Deutschen die E-Mobilität äußerst wichtig. Für deren Ausbau habe es zwar „politisch ambitionierte Ziele gegeben. Doch nun herrscht Enttäuschung, dass die Geschwindigkeit nicht Schritt hält“, erklärt Bühler im via Youtube aufrufbaren Video (ab Minute 15).
Und was der TÜV-Geschäftsführer anprangert, ist im Prinzip dasselbe, was nicht nur die DGS – wie hier in den DGS-News – seit vielen Jahren immer wieder fordern: „Es darf keinen politischen Zickzackkurs mehr geben, sondern verlässliche Rahmenbedingungen. Das ist der Handlungsauftrag an die Politik.“
E-Autos vor dem Massenmarkt – fast ohne „uns“
Denn auch das steht für den TÜV-Verband laut Joachim Bühler fest: „Elektro-Autos stehen vor dem Durchbruch im Massenmarkt. Und zwar neue wie gebrauchte, die kommen aus dem Nischendasein raus.“ Dazu passt, was das Fachmagazin „Kfz-Betrieb“ kürzlich herausgefunden hat: „Gebrauchte E-Autos waren lange Verlustbringer für Händler. Jetzt sind sie beliebt. Die hohen Spritpreise treiben Konsumenten zum E-Auto, auch zum gebrauchten. Das führt dazu, dass nun die Mehrheit der Händler Erträge mit den Fahrzeugen erzielt und offen für Zukauf und Inzahlungnahme ist.“
Auch wenn es laut TÜV natürlich immer noch Hemmnisse gebe, gerade bei dem Kuddelmuddel an den Ladesäulen, zum Beispiel durch oft undurchsichtige Bezahlsysteme. Hier lautet des Verbands Forderung: „Wir müssen Ladelust statt Ladefrust erzeugen“ – dann könne sich der Wandel von Verbrenner- auf E-Mobilität noch einmal schneller vollziehen.
„Überraschung!“
Dennoch: Schon heute erklären nur noch 35 Prozent der Befragten, sie wollen sich künftig einen Verbrenner anschaffen. „Alternative Antriebe sind ganz klar auf dem Vormarsch“ – ob reines E-, Hybrid- oder (zu vier Prozent) H2-Fahrzeug. „Die Indizien verdichten sich, dass E-Mobilität in Deutschland vor dem Durchbruch steht. Die Kaufbereitschaft ist angekommen. Das ist eine Überraschung“, gibt der TÜV-Geschäftsführer unumwunden zu.
Ist bei Lkw fahrerlos und elektrisch die Zukunft?
Zumindest einige Hoffnungsschimmer gibt es trotzdem auch in unseren Sphären. Aber wohl hauptsächlich bei Nutzfahrzeugen. FRYTE und SMATRICS, letzteres gemeinsame Tochter der Energiekonzerne EnBW und Verbund (Österreich), wollen es schaffen, die Ladeinfrastruktur für E-Lkw in die Routenplanung von Logistikunternehmen zu integrieren.
Nicht hierzulande, sondern in Nordamerika könnten bald 500 Tesla-Lkw im Amazon-Auftrag die Straßen elektrisch befahren: Wahrscheinlich ohne Fahrer (wie schon von Tesla vor zehn Jahren angekündigt). Auf jeden Fall geht laut Carsten Nallinger von „kfz-betrieb“ der allgemeine Trend zumindest in die Richtung E-Laster: Die können nämlich bis 2031 steuerbefreit hiesige Straßen nutzen. Doch auch „fahrerlos“ sei schon deshalb interessant, weil in Europa aktuell eine halbe Million Lkw-Fahrer:innen fehlen, in Deutschland allein über 100.000, so Nallinger. Kein Wunder also, dass mit DAF Trucks ein europäischer Hersteller mit Einride zusammenarbeiten will, einem Stockholmer Anbieter für Fahrerlos-E-Laster.
Achja, dann wäre da auch noch Voltempo aus Großbritannien. Die wollen ebenfalls – wie schon Einride seit Jahren – einen Laster elektrisch ohne Fahrer:in über Europas Straßen fahren lassen. Statt Führerhaus mehr Stauraum – und damit mehr Transporterlöse. Aber nicht bei uns, wo man lieber über erlaubte Fahrzeuglängen philosophiert. Denn weil der 15,60 Meter lange Voltempo-Lkw aus einem Stück besteht, dürfte er in Deutschland nicht an den Start gehen: Hier liegt nämlich die Grenze eines Lkw bei 12 Metern. Und nur bis zu einer Strecke von 100 Kilometern dürfte ein „Überhang“ hinten hinausragen… Und auch wenn der bayerische Hersteller MAN Trucks schon vor zwei Jahren herausposaunte, „Der fahrerlose Truck wird Realität!“: Viel mehr als der „Grundstein für die Serienentwicklung autonomer LKW“ ist aus dem „ATLAS-L4“ offenbar bisher nicht geworden. Womöglich, weil der ganz oben erwähnte Energieminister Aiwanger sich eher für Lkw mit Wasserstoffantrieb interessiert und deren Beschaffung schon wieder mit 15 Mio. Euro fördert. Warum sollte da eine Firma auf autonome Elektro-Laster setzen? Die vom TÜV-Verband geforderte politische Verlässlichkeit sieht jedenfalls anders aus. Ob bei Personenwagen oder Nutzfahrzeugen.
