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Heinz Wraneschitz

Über den Sinn der Kommunalen Wärmeplanung

Ein Aha-Erlebnisbericht von Heinz Wraneschitz

Das Bundes-Wärmeplanungsgesetz verpflichtet selbst Kommunen mit weniger als 10.000 Einwohner:innen, bis Ende 2028 ein „vereinfachtes Verfahren zur Wärmeplanung“ zu durchlaufen – so steht es in dessen §22. Das Ziel für alle Kommunen steht in §31 der offiziell „Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze“ – abgekürzt WPG – genannten Vorgabe: Die vollständige Klimaneutralität in Wärmenetzen bis zum Jahr 2045.

Jetzt gibt es natürlich nicht nur Großstädte, die recht einfach in einem einzigen Verfahren eine einheitliche „Kommunale Wärmeplanung“ (KWP) durchziehen können: Gerade am flachen Land mit Dörfern, die noch dazu viele in der Fläche liegende Gemeindeteile mit nur wenigen Häusern oder Gehöften haben, ist Einheitlichkeit schwer herzustellen. Sprich: Die KWP könnte teuer werden, wenn jede noch so kleine Kommune ein eigenes KWP-Projekt aufsetzen würde.

Ein Beispiel aus dem Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim (NEA) in Mittelfranken zeigt dieses Problem recht deutlich. In den 38 unter dem Autokennzeichen NEA versammelten Städte, Märkte und Gemeinden wohnen gerade mal 100.767 Menschen, im Schnitt also gerade mal gut 2.600. Damit wenigstens die Planung auf überkommunaler Ebene stattfinden kann, gibt es hier so genannte Kommunale Allianzen (KA).

Eine davon ist die KA Aurach-Zenn: Sieben Kommunen, die größte davon, der Markt Emskirchen, zählt zurzeit 5.837 Bürger:innen. Und – kaum zu glauben: Dort liegt bereits seit März 2026 eine komplette Kommunale Wärmeplanung vor.

Gemeinsames Vorgehen – auch wegen der Kosten

Diese siebte Allianzgemeinde war also nicht im Boot, als dieser Tage die anderen sechs Gemeinderatsgremien der KA Aurach-Zenn – manchmal „Konvoi“ genannt – ganz unüblich zu einer gemeinsamen Ratssitzung zusammentraten. Gewichtiger Anlass des Treffens: Die erste Präsentation im Zuge der zusammen beauftragten Kommunalen Wärmeplanung.

Der große Saal des Markt Erlbacher Bürgerhauses war fast überfüllt, als Romina Hafner und Franziska Mehrbach von den beauftragten Firmen Energy Effizienz GmbH und Naturstrom AG die Bestands- und Potenzialanalysen für Hagenbüchach, Markt Erlbach, Neuhof/Zenn, Obernzenn, Trautskirchen und Wilhelmsdorf präsentierten, informierte die Sitzungsleiterin, Markt Erlbachs 2. Bürgermeisterin Christina Nüssel (CSU) über den Grund.

Vier Personen im Gespräch bei einer Veranstaltung in einem Fachwerkgebäude. Eine Frau mit Namensschild und Blazer spricht engagiert, umgeben von drei weiteren Teilnehmenden. Auf dem Tisch im Vordergrund ein aufgeklappter Laptop.
Erklärungsversuche: Beraterin Romina Hafner diskutiert mit Gemeinderatsmitgliedern. [Foto: Heinz Wraneschitz]

Doch auch in diesen sechs Kommunen war man in der Vergangenheit nicht untätig: Überall wurde die Energiewende bereits eingeleitet. Was Naturstrom-Mitarbeiterin Mehrbach einerseits lobend herausstellte: „Hier in der Region werden ja schon viele Potenziale genutzt, gerade Wind und Solar.“ Dennoch sei die Aufstellung der weiteren Kommunalen Wärmeplanung (KWP) unumgänglich. Denn am Ende gehe es darum, das gesetzliche Ziel „Klimaneutralität bis 2045“ zu erreichen, also weniger CO2 in die Luft zu blasen.

Wie ist das Ziel zu erreichen?

Doch warum ist dafür KWP so wichtig? Der Strom stamme deutschlandweit bereits über die Hälfte aus nachhaltiger Erzeugung. Und auch wenn der Verkehr – dort sind aktuell gerade mal acht Prozent der Antriebsstoffe Erneuerbar – überhaupt nicht unter die KWP fällt: Zurzeit werden in der Bundesrepublik lediglich 19 Prozent der Wärme nicht fossil gewonnen. Das stellte Energieingenieurin Romina Hafner anhand offizieller Energiestatistik-Daten dar.

Aber woher soll die nicht fossil erzeugte Wärme in diesen ländlichen Gemeinden mit den unzähligen Ortsteilen kommen? So ist beispielsweise Markt Erlbach mit 33 Gemeindeteilen gesegnet. Genau dafür wollten die beiden Fachfrauen an diesem Abend die „planerische Orientierungsgrundlage für einen komplexen, dynamischen Prozess“ legen. Dazu haben sie einerseits vorliegende Daten analysiert: Nutzertypen – 96 % Prozent Privathaushalte, nur drei Prozent Gewerbe und Industrie. Baualtersklassen – über zwei Drittel wurden bis 1990 gebaut, also bevor Wärmeschutzverordnungen erlassen wurden. Energieträger – hier haben die Konvoi-Orte bereits zur Hälfte auf Nachhaltigkeit umgestellt, nur 33 % heizen mit Öl, Erdgas spielt mit zwei Prozent kaum eine Rolle. Womit klar wurde: in der Allianz ist man bei der Wärmewende wesentlich weiter als im deutschen Durchschnitt.

Andererseits gelte es auch hier, den Gesamtwärmebedarf von aktuell 187 Gigawattstunden (GWh) bis 2045 alleine durch Sanierungsmaßnahmen um 27 % zu senken, stellte Romina Hafner grundsätzlich heraus. Ein hehres Ziel, denn gezwungen werden könne dazu niemand, gab sie zu.

Um zudem weg von den noch genutzten fossilen Brennstoffen zu kommen, nannte sie nicht das theoretische, sondern jenes „technische Potenzial, das unter Einbeziehung der rechtlichen Rahmenbedingungen und technologischen Möglichkeiten nutzbar ist“.

Von Neuem und Altem

Die wenigsten Anwesenden hatten wohl vorher etwas von „Seethermie“ gehört: Dafür werden in ortsnahe Gewässer Kollektoren gelegt, die das Wasser maximal 3 Kelvin kälter machen. Über ein kaltes Nahwärmenetz – Vorlauftemperatur etwa 25 °C – und Wärmepumpen in den Gebäuden werde ein sehr hoher Nutzungsfaktor erzielt. Die Möglichkeiten dafür sind zwar nur punktuell, aber fast überall vorhanden.

Von Agrothermie – großflächige Wärmekollektoren, die gut zwei Meter unter der Ackeroberfläche vergraben sind – gibt es bislang nur wenige ausgeführte Anlagen. Dennoch haben laut Analyse die drei nördöstlichen Kommunen Wilhermsdorf, Hagenbüchach und Markt Erlbach dafür „geeignete“ Flächen. Bedingte Eignung wurde jedoch für Äcker überall testiert.

Großflächige Solarkollektoren einer Freiflächenanlage auf einer Wiese, mit sichtbaren Anschlussrohren und Absperrventilen. Im Hintergrund Windräder und Hochspannungsmasten unter bewölktem Himmel.
Die Dörfer sind oft der verpflichtenden KWP voraus, wie hier eine der größten Nahwärme-Solarthermieanlagen Bayerns in Markt Erlbach-Eschenbach. [Foto: Heinz Wraneschitz]

Ebenfalls nur diese drei Orte haben „geeignete“ Möglichkeiten, Freiflächen-Solarthermie aufzustellen. „Bedingt“ sei das dagegen überall möglich. Dafür könnten die beiden im Hauptort Markt Erlbach und im Ortsteil Eschenbach bereits vorhandenen Systeme beispielgebend sein.

Da künftig mehr Strom gebraucht werden dürfte, um die effektiv arbeitenden Einzel-Wärmepumpen anzutreiben, wurden auch die Potenziale für Freiflächen- oder weiter landwirtschaftlich nutzbare Agri-Photovoltaik untersucht und gefunden. Das Potenzial für Oberflächennahe Geothermie – bekannt als Grundwasser-Wärmepumpen – scheint dagegen überall gleichermaßen gegeben.

Was bringt`s wirklich?

So richtig zufrieden wirkten am Ende die wenigsten Anwesenden. Claudia Wust (CSU), die Ortschefin von Neuhof, nannte einen Grund: „Die KWP wurde uns gesetzlich auferlegt.“ Dabei ist sie selbst „Feuer und Flamme, dass vor Ort etwas passiert. Schauen sie nur auf die Windräder oder auf die Nahwärmenetze in Neuselingsbach und Neukatterbach. Auch in Adelsdorf kommt eines“, verwies sie auf bereits Umgesetztes. Doch benannte sie ein Problem, das alle Kommunen der Allianz haben: Anders als Großstädte sind diese zersiedelt. Und wie sollen die Leute „Lust auf Energiewende bekommen, wenn Energieberatungen vor Ort fehlen?“ Genau die aber seien in der KWP nicht vorgesehen.

Doch jetzt geht es erst einmal weiter im KWP-Ablauf mit der ersten öffentlichen Veranstaltung am 16. Juli für die Bürger:innen sowie einem „Zielszenario-Workshop“ am gleichen Tag. Bei dem sollen „Eignungsgebiete mit den externen Fachakteuren definiert“ werden, so Romina Hafner. Denn: „Heute wurden nur Zwischenergebnisse vorgestellt – wir sind noch lange nicht am Ende.“

Doch was danach mit den Ergebnissen passiert? Das bleibt eine der großen offenen Fragen beim gesetzlich verpflichtenden Prozess der Kommunalen Wärmeplanung am Land.