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DGS-Fachausschuss Solarthermie – Erneuerbare Wärme

Solarthermie ist zu gut, um ignoriert zu werden

Solarthermie zur erneuerbare Wärmenutzung [Foto: Jörg Sutter]

Die Wärmewende stockt – nicht weil es an Technologie mangelt, sondern weil eine der effizientesten verfügbaren Lösungen noch immer zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Mehr als die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs entfällt auf Wärme, doch der Anteil erneuerbarer Energien im Wärmesektor lag zuletzt gerade einmal bei 19 Prozent (siehe untenstehende Grafik). Solarthermie könnte hier deutlich mehr leisten – wenn Politik, Planung und Öffentlichkeit die Technologie endlich ernst nehmen würden.

Lediglich 19 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs für Wärme und Kälte wird durch erneuerbare Energien gedeckt [Grafik: Umweltbundesamt auf Basis AGEE-Stat]

Dabei ist Solarthermie alles andere als neu oder unausgereift. Doch in der öffentlichen und medialen Debatte steht sie häufig im Schatten der Photovoltaik – obwohl sie auf gleicher Fläche zwei- bis dreimal mehr Energie für die Wärmeversorgung liefert und sich mit nahezu jedem Heizsystem kombinieren lässt. Strom und Wärme schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Wer beides zusammendenkt, kommt an Solarthermie nicht vorbei.

Der DGS-Fachausschuss Solarthermie – Erneuerbare Wärme (FASTEW) hat deshalb zehn zentrale Argumente zusammengestellt, die zeigen, warum Solarthermie ein unverzichtbarer Bestandteil der Wärmewende ist. Im Gespräch mit Andreas Wöll, 1. Vorsitzender des Fachausschusses, erläutert er, was hinter den Punkten steckt.

Interview mit Andreas Wöll

Welche Gründe könnte es dafür geben, dass die Solarthermie aktuell noch immer stiefmütterlich behandelt wird?

Solarthermie hat ein Kommunikationsproblem – kein Technologieproblem. Während Photovoltaik Strom erzeugt, der sich auf dem Smartphone verfolgen, einspeisen und vermarkten lässt, produziert Solarthermie etwas deutlich Unspektakuläreres: Wärme. Dabei wird oft vergessen, dass Wärme in Deutschland mehr als die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs ausmacht. Wer die Energiewende ernst meint, muss deshalb zwangsläufig auch die Wärmewende ernst nehmen.

Hinzu kommt, dass politische Debatten, Förderprogramme und Medienberichterstattung in den vergangenen Jahren stark auf Stromerzeugung fokussiert waren. Solarthermie verschwindet dabei häufig im Schatten der Photovoltaik, obwohl sie auf derselben Fläche zwei- bis dreimal so viel nutzbare Solarenergie ernten kann, wenn Wärme benötigt wird.

Ein weiterer Grund liegt in der Systembetrachtung: Der Nutzen einer Solarthermieanlage zeigt sich oft erst im Zusammenspiel mit Speichertechnik, Wärmepumpen oder Wärmenetzen. Solche Zusammenhänge sind komplexer zu erklären als die einfache Botschaft „Sonne rein, Strom raus“.

Anders formuliert: Solarthermie ist der zuverlässige Leistungsträger im Hintergrund – während Photovoltaik oft den Applaus auf der Bühne bekommt.

Die 10 Punkte stellen einige Aspekte heraus, die für die Nutzung von Solarthermie sprechen. Was bzw. wen sollen Sie damit erreichen?

Unser Ziel ist es, den Blick auf die Wärmewende zu erweitern. Das Papier richtet sich an politische Entscheidungsträger, Kommunen, Energieversorger, Wohnungswirtschaft, Planer, Handwerk und Gebäudeeigentümer gleichermaßen.

Wir möchten daran erinnern, dass es bei der Energiewende nicht nur um Strom geht. Heizung, Warmwasser und Prozesswärme verursachen einen erheblichen Teil unseres Energieverbrauchs und unserer CO₂-Emissionen. Gleichzeitig steht mit der Solarthermie eine ausgereifte, heimische und sofort verfügbare Technologie bereit, die bislang deutlich unter ihren Möglichkeiten eingesetzt wird.

Unser Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieser Technologie wieder stärker ins Bewusstsein zu rufen – vom Einfamilienhaus über die Industrie bis hin zu großskaligen Fernwärmesystemen. Wir treten für einen technologieoffenen Ansatz ein, bei dem die unterschiedlichen erneuerbaren Energien komplementär genutzt werden und jeweils dort zum Einsatz kommen, wo sie technisch, wirtschaftlich und systemisch den größten Nutzen stiften.

Kurz gesagt: Wir wollen erreichen, dass Solarthermie künftig nicht mehr als Nischenlösung betrachtet wird, sondern als selbstverständlicher Bestandteil einer klimaneutralen Wärmeversorgung.

Solarthermie und Photovoltaik scheinen laut dem Papier das perfekte Team zu sein. Wieso ergänzen sich die beiden Technologien so gut?

Ziel dieses Papiers ist nicht, einen Technologiewettbewerb zu befördern, sondern die Diskussion auf eine sachliche Grundlage zu stellen. Photovoltaik und Solarthermie stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern übernehmen unterschiedliche Aufgaben innerhalb eines gemeinsamen Energiesystems. Beide nutzen dieselbe Quelle – die Sonne –, jedoch mit jeweils spezifischen Stärken und Anwendungsfeldern. Entscheidend ist daher nicht die Gegenüberstellung, sondern das Zusammenspiel beider Technologien und die daraus entstehenden Synergieeffekte.

Photovoltaik erzeugt Strom, Solarthermie erzeugt Wärme. Beides wird in Gebäuden benötigt. Während Photovoltaik die elektrische Versorgung unterstützt, deckt Solarthermie direkt den Bedarf für Warmwasser und Heizung. Da die Umwandlung von Sonnenstrahlung in Wärme deutlich effizienter erfolgt als die Umwandlung in Strom, erzielt Solarthermie pro Quadratmeter besonders hohe Energieerträge.

Besonders spannend wird die Kombination mit Wärmepumpen. Solarthermie übernimmt im Sommer häufig nahezu die komplette Warmwasserbereitung. Die Wärmepumpe kann pausieren oder deutlich effizienter arbeiten, was Strom spart und die Lebensdauer erhöht.

Die Frage sollte deshalb oft nicht „Solarthermie oder Photovoltaik?“ lauten, sondern „Wie nutzen wir die verfügbare Dachfläche optimal?“. In vielen Fällen entsteht die beste Lösung gerade durch die intelligente Kombination beider Systeme.

Oder etwas salopp formuliert: Photovoltaik und Solarthermie sind keine Konkurrenten – sie spielen lediglich auf unterschiedlichen Positionen in derselben Mannschaft.

Die Selbstversorgung im eigenen Zuhause scheint durch die Solarthermie ein Stück weit realistischer zu werden. Können Sie und die Rolle der Solarthermie im Bereich Wohnen ein wenig näherbringen?

Im Wohngebäudebereich ist Solarthermie vor allem deshalb interessant, weil sie direkt dort ansetzt, wo der größte Energiebedarf entsteht: bei Heizung und Warmwasser.

Bereits vergleichsweise kleine Anlagen können einen erheblichen Teil des jährlichen Warmwasserbedarfs decken. In gut gedämmten Gebäuden, in denen der Heizenergiebedarf sinkt, gewinnt die Warmwasserbereitung sogar zunehmend an Bedeutung. Genau hier spielt Solarthermie ihre Stärken aus. Für die reine Warmwasserbereitung genügen oft schon wenige Quadratmeter Kollektorfläche.

Besonders wertvoll ist die Technologie im Gebäudebestand. Nicht jedes Haus kann sofort umfassend saniert oder direkt auf eine Wärmepumpe umgestellt werden. Solarthermie bietet hier eine pragmatische Möglichkeit, den Verbrauch fossiler Energien und die CO₂-Emissionen kurzfristig zu senken. Sie wird deshalb häufig als eine Art „Brücke“ zur vollständigen Wärmewende betrachtet.

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Vorteil: Die Sonne liefert ihren Brennstoff kostenlos. Wer einen Teil seiner Wärme direkt vom Dach bezieht, macht sich unabhängiger von den Preisentwicklungen bei Öl, Gas oder Strom.

Und für viele Hausbesitzer ist genau das die vielleicht schönste Eigenschaft der Solarthermie: Die Sonne schickt auch morgen wieder Wärme – aber garantiert keine Rechnung.

Das Dokument mit den 10 Punkten des DGS-Fachausschusses Solarthermie – Erneuerbare Wärme können Sie hier lesen.