Eine Marktbeobachtung von Andreas Horn

Der Irankrieg zieht weiterhin die Energiepreise nach oben: Der Gaspreis ist gegenüber dem Vormonat erneut um 22 % gestiegen und hat auch den Strompreis um 14 % nach oben getrieben. Der Marktwert Solar profitiert von einem Anstieg um +29 % gegenüber dem Vormonat und erreicht stolze 8,177 Cent/kWh.
Derweil hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) die Energy-Charts um eine neue Funktion ergänzt: einen Strompreissimulator, der den Effekt von Batteriespeichern zeigt. Eine tolle Ergänzung für ein besseres Verständnis der Preisentwicklung auf den Energiemärkten!
Hinweis: Die Monatsmarktwerte, Zubauzahlen, Erzeugungszahlen etc. sind übersichtlich in der DGS-Marktwertübersicht zusammengestellt (siehe auch die vorherigen Beiträge).
Aufgrund der gegenüber dem Vorjahr um 134 % gestiegenen Gaspreise (75,93 €/MWh gegenüber 32,52 €/MWh) sind auch die Börsenstrompreise gestiegen – aber „nur“ um +73 % gegenüber dem Vorjahr (14,482 Ct/kWh gegenüber 8,351 Ct/kWh). Sonne und Wind haben den Strompreisanstieg deutlich gedämpft. Der Solar- und Windstrom wurde durch den teuren Fossilstrom jedoch ebenfalls teurer gehandelt und führte daher zu deutlich höheren Erlösen an der Börse: +90 % für Solarstrom (Marktwert 8,177 Ct/kWh) und rund +75 % für Windstrom (onshore 10,940 Ct/kWh, offshore 11,974 Ct/kWh). Die Capture Rate für Solar lag bei 56 % – genau wie in den Vorjahren.
Die Bestätigung für Solar-Fans: Ohne den kostensenkenden Beitrag von Sonne und Wind läge der Börsenstrompreis derzeit bei rund 20 Cent/kWh (gepunktete Linie im Titelbild) – WIR machen Strom billig!
Was passiert nun, wenn mehr Batteriespeicher am Markt handeln? Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat am 1. Oktober 2026 auf seiner Plattform Energy-Charts.info einen Preissimulator veröffentlicht, der diese Frage mit echten Marktdaten beantwortet. Das Werkzeug nimmt die tatsächlichen Kauf- und Verkaufsgebote der täglichen Day-Ahead-Auktion an der EPEX SPOT und fügt eine frei wählbare Anzahl von Batteriespeichern hinzu. Nutzer:innen sehen für jede Viertelstunde, wie sich der Börsenstrompreis verändert hätte, wie die Batterien laden und entladen und welchen Ladestand sie haben.
„Über die Wirkung von Batteriespeichern auf den Strompreis wird viel diskutiert, meist mit Modellen für die Zukunft. Unser Simulator setzt bei den real getätigten Geboten tagesaktuell an. Jede und jeder kann damit nachvollziehen, was mehr Speicher am Markt bewirkt hätten“, erklärt Leonhard Gandhi, Projektleiter für die Energy-Charts am Fraunhofer ISE. Herzstück ist ein interaktives Diagramm für jede Woche. Drei Einstellungen lassen sich frei kombinieren: Batterieleistung (0 bis 20 Gigawatt), Speicherdauer (zwei bis sechs Stunden) und Marktszenario (mit oder ohne Reaktion der Kraftwerke über Blockgebote sowie mit oder ohne grenzüberschreitenden Stromhandel). Die Batterien arbeiten mit einem Wirkungsgrad von 86 % und berücksichtigen Alterungskosten. Alle Ergebnisse liegen in Viertelstundenauflösung vor und können heruntergeladen werden. Die Methodik ist ausführlich beschrieben im zugehörigen Methodenpapier (auf Englisch).

Eine Auswertung für das Jahr 2025 im Szenario mit Blockgeboten und ohne grenzüberschreitenden Stromhandel zeigt die Wirkung deutlich: Mit 20 GW Batterien bei 2 Stunden Speicherdauer (40 GWh Kapazität) sinkt der mittlere tägliche Preisunterschied zwischen der teuersten und der billigsten Viertelstunde von 130 auf 53 Euro pro MWh (–60 %). Die Stunden mit Preisen über 200 Euro/MWh fallen von 169 auf 20, die negativen Preisstunden von 575 auf 271. Der Marktwert von Solarstrom steigt um 35 % von 45,08 auf 61,02 Euro/MWh. Am teuersten Tag des Jahres 2025 (20. Januar) hätte die Flotte die Abendspitze von 583 auf 221 Euro/MWh gedrückt.
„Speicher glätten den Preis, aber sie erzeugen keinen Strom. Der Simulator zeigt beides sehr klar und damit auch, dass wir Speicher und gesicherte Leistung zusammen denken müssen“, betont Gandhi. Der Simulator ist eine Was-wäre-wenn-Rechnung auf Basis realer Gebote, keine Prognose. Er berücksichtigt nicht Intraday-Handel, Systemdienstleistungen oder Netzengpässe.
Mit dem neuen Strompreissimulator bringt das ISE ein nützliches Werkzeug, um zukünftige Strompreisentwicklungen besser abschätzen zu können. Wirtschaftlichkeitsberechnungen werden dadurch zuverlässiger. Und für die Politik ist das ein weiterer Beleg, dass der massive Ausbau von Batteriespeichern Energie billiger macht und daher keinesfalls ausgebremst werden darf, sondern beschleunigt werden muss.
Weitere Details in der Pressemitteilung: Datenplattform »Energy-Charts« startet Preissimulator.
