Eine Zusammenfassung von Jörg Sutter

Wie geht es mit dem Batteriemarkt in Europa weiter? Diese spannende Frage versucht ein aktueller Bericht von Solar Power Europe zu beantworten, der in München auf der Intersolar präsentiert wurde – in der Erstellung unterstützt durch „The smarter E Europe“. Dieser Beitrag soll die wesentlichen Ergebnisse der Marktprognose für den Zeitraum 2026 bis 2030 zusammenfassen.
Während wir in Deutschland über die verpassten Chancen von großen Batteriespeichern beim Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG) diskutieren (und der Speicherverband BVES eine Beschwerde bei der EU-Kommission angekündigt hat), kennt Resteuropa solche Diskussionen nicht.
Batteriespeicher können helfen, noch größere Mengen an erneuerbaren Strommengen zum richtigen Zeitpunkt an die Verbraucher weiterzugeben, gleichzeitig können sie die Netze stabilisieren und – gerade bei Anlagen in Gewerbe und Industrie – weitere Aufgaben übernehmen. Flexibilisierung wird dringend benötigt – das wurde auch aktuell wieder deutlich. In den vergangenen Tagen mit massiver Solarstrahlung und praktisch keinem Wind hatten die Börsenstrompreise am frühen Abend neue Spitzenwerte erreicht – am 24. Juni einen neuen Rekordwert von über 66 Cent pro Kilowattstunde.
Marktvolumen steigt
Der Batteriemarkt in Europa hat im vergangenen Jahr 2025 ein Volumen von 36 Gigawattstunden (GWh) an Neuinstallationen, damit überschritt die Gesamtkapazität den Wert von 100 GWh. Gleichzeitig wurden die Großspeicher („utility scale“) das größte Marktsegment. Das könnte auch in Deutschland so bleiben – einige Beispiele dazu unten. Das Heimspeicher-Segment hat sich in mehreren Märkten aber abgekühlt.
Stolze 48 % betrug der Zuwachs von 2024 auf 2025 und ähnlich soll es weitergehen: Für das Jahr 2030 wird mit einer geschätzten Gesamtkapazität von 580 GWh gerechnet, fast das sechsfache wie heute. Die größten Ländermärkte sind Deutschland (jedoch nur mit 2 % Wachstum gegenüber 2024), Großbritannien und Italien, gefolgt von der Ukraine und Bulgarien.
In der Prognose hat Solar Power Europe mehrere Szenarien angesetzt, das Jahreswachstum wird von 2029 auf 2030 auf Werte zwischen 99 und 179 GWh, das mittlere Szenario geht von einem Jahreszubau von 138 GWh aus (s. Grafik).

Doch ob dieses enorme Wachstum wirklich erreicht werden kann? Solar Power Europe legte im vergangenen November einen Batterie-Aktionsplan vor, mit dem die hauptsächlichen Hemmnisse angegangen werden sollten. Dort stehen zum einen Netzanschluß-Genehmigungen und der Netzzugang, die Belohnung von Speichern, die netzstabilisierend betrieben werden und auch der diskriminierungsfreie Marktzugang über alle Energiemärkte. Bessere Investitionsbedingungen und stabile Rahmenbedingungen werden angemahnt – vor allem, um Projektfinanzierungen sicherstellen zu können. Als weiteren Punkt werden vom Verband fehlende Harmonisierung technischer Vorgaben und unterschiedliche Bedingungen für Marktzugang in den verschiedenen europäischen Ländern genannt.
Doch trotz dieser nicht-optimalen Randbedingungen: Die Strompreise in den Haushalten in Europa liegen noch immer im Schnitt 35 % höher als im Jahr 2021, was den Markt für Batterien antreibt. Und noch ein weiterer interessanter Aspekt: Nachdem auf der Intersolar in der vergangenen Woche erste Natrium-Batterien vorgestellt wurden, wird in dem Battery Outlook prognostiziert, dass bis zum Jahr 2028 die Natriumzellen auch preisgleich zu LFP-Batterien werden. Wir können gespannt sein, wie sich das entwickeln wird.

Neue Speicherprojekte angekündigt – auch in Deutschland
Der große Marktanteil der Großspeicher könnte auch zukünftig bestehen bleiben, wenn man die aktuellen Ankündigungen zu neuen Großprojekten ansieht: So baut die EnBW im badischen Philippsburg bis kommendes Jahr einen Speicher mit 400 MW und 800 MWh, in Sachsen-Anhalt hat in diesen Tagen der Bau eines 1.000 MW-Speichers begonnen, der insgesamt enorme 5.700 MWh Speichervolumen haben soll. Auf 15 Hektar altem Industriegelände sollen 1.100 Batteriecontainer aufgestellt werden, direkt neben einem Umspannwerk des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz.
Der „European Battery Market Outlook 2026-2030“ kann in englischer Sprache hier kostenfrei als pdf heruntergeladen werden.
