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Heinz Wraneschitz

Großspeicherboom – eine gefährliche Illusion?

Webinareindrücke von Heinz Wraneschitz

Schafe grasen auf einer Wiese zwischen den Reihen einer Freiflächen-Solaranlage; die Rückseite der PV-Module zeigt nach links, die spiegelnde Vorderseite nach rechts, im Hintergrund ein Waldrand.
Schafe können den Überschussstrom nicht fressen. Ein Co-Location-Speicher könnte auch dieser PV-Anlage helfen, Abregelungen zu vermeiden. [Foto: Heinz Wraneschitz]

„Seit drei Jahren reden wir von einer Batteriewelle, aber die Projekte kommen nicht. Wer jetzt ans Netz geht, hat noch gute Chancen. Aber irgendwann werden sich die Batterien kannibalisieren“, erklärt Jan Bauer vom Stromhändler EnBW voller Überzeugung. Was er sagt, müsste all jene erschrecken, die sich aktuell Gedanken machen, ob und wo sie größere Stromspeicher auf die Grüne Wiese oder in die Nähe von Wind- oder Solarkraftwerken aufzustellen planen. Denn Bauer ist Sales Manager beim „Virtuellen Kraftwerk“ des Energiekonzerns, der sich inzwischen zum zweitgrößten Direktvermarkter in Deutschland entwickelt hat, nicht nur für Ökostrom.

Im „Virtuellen Kraftwerk“ können Betreiber auch Stromspeicher vermarkten lassen. Im zuletzt am 7. Juli 2026 angebotenen Webinar „Weniger abregeln, mehr Sicherheit – Fixpreis-Lösungen für Ihre Co-Location-Speichern auch“ war zu erfahren, wie und was dabei möglich ist. Und eben auch: was nicht.

Vielen Betreibern von Ökostromkraftwerken geht es darum, den erzeugbaren Strom auch tatsächlich ins Netz zu bringen. Denn vor allem durch die altbekannten Probleme des ungenügenden Verteilnetzausbaus kann gerade die an sonnigen Mittagszeiten theoretisch verfügbare Strommenge oft nicht ins Netz eingespeist werden – Abregelung durch den Netzbetreiber ist die Folge. Dazu kommen noch Abregelungen durch die Direktvermarkter: Das passiert, wenn die Börsenstrompreise am Spotmarkt ins Negative fallen. Und diese Zeiträume nehmen seit Jahren zu.

Mit Co-Location-Speichern gegen Abregelung wappnen

Dagegen könnten „Co-Location-Speicher“ helfen, also Batterien, die in Zusammenwirken mit den Erzeugungsanlagen den nicht ins Netz abzugebenden Strom aufnehmen und dann wieder abgeben, wenn Bedarf herrscht – also gerade in Hochpreiszeiten an der Börse. Damit könnten sie auch einem durch §§ 51 und 51a im EEG 2025 aufkommendem Problem entgegenwirken: diese Gesetzesregelung stellt Zeitgrenzen für Negativ-Börsenpreise auf, nach deren Überschreitung der abgeregelte Strom nicht mehr die durch das EEG eigentlich zustehende Vergütung bezahlt wird. Tritt diese Regelung bei Anlagen mit Inbetriebnahmezeitpunkt bis 2014 erst nach sechs Negativstunden auf, so schmilzt diese Stundenzahl je nach späterem Inbetriebnahmejahr ab. Bei Anlagen, die vor 2027 ans Netz gehen, gibt’s schon bei mehr als 60 Minuten Börsen-Negativpreis keine EEG-Vergütung für abgeregelten Strom mehr.

„Und bei Inbetriebnahme ab 2027 trifft diese Regelung sofort ab Negativpreis zu“, nennt Jan Bauer den wohl wichtigsten Grund, warum er für echte Grünstrombatterien in Co-Location wirbt. Denn: „Auch Grünstrom aus Speichern ist EEG-förderfähig.“ Bei durch das EEG nicht geförderten Anlagen könnten ebenfalls Abschaltzeiten reduziert und der Strom zu Hochpreiszeiten vermarktet werden, ergänzt er.

Auf den richtigen Netzanschlusspunkt kommt es an

In beiden Fällen müsse darauf geachtet werden, dass die Einspeisung am Netzanschlusspunkt gemessen werde, nicht nur die Erzeugung. Dafür sei ein klarer Netzanschlussvertrag mit dem örtlichen Verteilnetzbetreiber (VNB) unbedingt notwendig.

„Diesen Netzanschlusspunkt haben wir (wie alle anderen Direktvermarkter; d. Red.) nicht in der Hand“, stellte der EnBW-Mann ausdrücklich klar; „das Messkonzept macht der VNB“. Doch wenn das geklärt sei, stünden einer Direktvermarktung von Speicherstrom höchstens noch „Fallstricke wie Restriktionen der VNB entgegen“, ergänzte Bauer. Damit meinte er „Ausschlussstunden für die Einspeisung oder lange Hochlauframpen“; es sei natürlich schlecht, wenn die Batterieleistung erst nach einer halben Stunde Hochlauf abgegeben werden könne, während die Börsenwerte in 15-Minuten-Takten wechseln. Zudem sei unbedingt eine individuelle Dimensionierung von Co-Location-Batterien zu empfehlen: Dabei hülfen die Direktvermarkter dank der bei ihnen vorhandenen Szenarien.  

Und auch zur anfangs erwähnten Batteriewelle äußerte er sich nochmals: Es seien jede Menge Speicher beantragt, doch gebaut wurden bislang davon recht wenige. Da Co-Location ja nicht nur die Netzanschlussprobleme reduzieren könnten, seien sie aktuell sehr interessant. Auch die Banken würden dank der kalkulierbaren Mehrerlöse das Modell positiv sehen, so Bauer.

Doch auf eine Voraussetzung ging er nicht ein: Wann lässt das Baurecht eine Errichtung auf oder neben dem Kraftwerksgelände zu?