Ein Bericht von Frank Späte, Präsident der DGS
Nachdem letzte Woche im ersten Teil die Lage des Landes und die Solarszene in Indien vorgestellt wurden, beschäftigt sich der zweite Teil mit den Themen Bildung und dem Verhältnis Indien – Deutschland.
Bildung
Indien ist ein bildungshungriges Land! Es ist in der Gesellschaft tief verwurzelt, dass eine gute Bildung der Schlüssel zu „einem besseren Leben“ ist. Daher geht nahezu jeder bzw. jede in die Schule und, wenn möglich später auch auf die Hochschule, falls das finanziell irgendwie gestemmt werden kann, denn Bildung kostet in Indien. Dabei werfen die Familien zusammen und es gibt auch staatliche Unterstützungsprogramme für die Ärmeren.
Der Hochschulbereich: Es gibt, wie in vielen Ländern auf der Welt, ein großes Gefälle in der Qualität. Die Spitzenplätze im Ranking belegen die Indian Institutes of Technology (IIT) und dann gibt es verschiedene Ranking-Listen. Sie spielen bei der Auswahl der Hochschule durchaus eine Rolle und, je höher gerankt, desto schwieriger die Zulassungsprüfungen, aber desto leichter später der Einstieg ins Berufsleben.
Die Rajagiri School of Engineering and Technology (RSET), an der ich kürzlich ein Semester gelehrt und gearbeitet habe, liegt im Ranking der Colleges in Kerala seit Jahren weit vorne und hat einen sehr guten Ruf, so dass die Bewerberzahlen sehr hoch sind. An Colleges werden hauptsächlich Bachelor-Studiengänge angeboten. In Indien sind diese nicht so spezialisiert wie in Deutschland. Es gibt weitestgehend z.B. das klassische Maschinenbau- oder Elektrotechnik-Studium, aber nicht „Erneuerbare Energien“. D.h., die Bacheloranten sind wenig spezialisiert. Hinzu kommt, dass sich die Studiengänge in den letzten Jahren in Richtung InformationsTechnologien (IT) entwickelt haben. Für seine IT-Kompetenz ist Indien ja auch sehr bekannt.
Erneuerbare Energien werden als Master-Studiengänge angeboten, aber, meines Wissens nach, auch noch nicht flächendeckend. Jedenfalls besteht bei einem solch „explodierenden“ Markt ein erheblicher Bedarf an Aus-, Fort-, und Weiterbildung. Während meiner Zeit am RSET habe ich gemeinsam mit einem indischen Kollegen ein Wahlfach „Renewable and Clean Energy Technologies“ durchgeführt und außerdem die ersten „Rajagiri Solar Days“ initiiert, um für die Erneuerbaren Energien zu werben und zu sensibilisieren.

Sie bestanden aus einem Hackathon, „Arkathon“ (Arka = Sonne in Sanskrit) genannt, in dem mehrere Studierenden-Teams innerhalb von 36 Stunden ein kleines Solarmobil entwickelt und gebaut haben, das ausschließlich mit Sonnenenergie angetrieben wurde. Danach sind sie in einem Wettbewerb gegeneinander angetreten. Das entspricht den seit Jahren bekannten Wettbewerben, die vom „SolarMobil Deutschland g.V.“ und anderen Einrichtungen an verschiedenen Orten in Deutschland veranstaltet werden.



Am zweiten Tag der Rajagiri Solar Days wurde ein Kongress mit dem Titel „Innovations in Solar Energy: an Indo-German Perspective“ veranstaltet. Die Themen der Vorträge waren u.a. Innovationen in Unternehmen, die Entwicklung des Solarmarkts in Indien, aktuelle Herausforderungen bei der Energiewende in Indien und in Deutschland.

Wie auf den Fotos zu sehen, war die DGS einer der Mitveranstalter ebenso wie das indische Pendant SESI, die Solar Energy Society of India, deren Präsident ebenfalls teilnahm.
Die Rajagiri Solar Days sollen nun jedes Jahr stattfinden.
Verhältnis Indien – Deutschland
Das Verhältnis zwischen Indien und Deutschland ist traditionell gut und wurde in den letzten Jahren durch viele Kooperationen, z.B. in der Wirtschaft und im Hochschulbereich, und neue Verträge zwischen den Ländern, zuletzt das Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU, nochmal deutlich intensiviert. Das zeigt sich u.a. an der deutlichen Zunahme der Zuwanderung indischer Fachkräfte nach Deutschland, insbesondere im Gesundheitswesen, aber auch an den Hochschulen in MINT-Fächern. Viele der Abgänger bleiben, zumindest für ein paar Jahre, in Deutschland und arbeiten z.B. als Ingenieure in der deutschen Wirtschaft.
Deutschland genießt in Indien einen sehr guten Ruf. Überall schießen Sprachschulen aus dem Boden, in denen Deutsch angeboten wird. Deutschlehrer werden dringend gesucht.
Insofern war es nur konsequent, dass auf der Intersolar Indien Fokusland war, denn es gibt ganz viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Solarbereich, angefangen von Know-How-Transfer über die gemeinsame Entwicklung von neuen Produkten, den Aufbau von Produktionen bis hin zum Verkauf von Produkten und der Ausbildung von Fachkräften. Somit war die Intersolar ein weiterer Baustein in der Weiterentwicklung der deutsch-indischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien.
Insgesamt sehr vielversprechend – es bleibt spannend!
