Ein Bericht von Heinz Wraneschitz

95 Prozent der Hauseigentümer:innen, die zuletzt auf eine Wärmepumpe umgestellt haben, sind „mindestens zufrieden bis sehr zufrieden mit der Heiztechnologie“. Das hat dieser Tage eine von der unabhängigen Energieberatungsorganisation co2online, dem Öko-Institut und dem Institut für Energie- und Umweltforschung ifeu verantwortete Umfrage ergeben. Kein Wunder, wenn die Gänge auf der Chillventa 2026 in Nürnberg „sehr, sehr voll“ sind, wie die Messeleitung erfreut feststellt.
Sie hat sich in den vergangenen fast zwei Jahrzehnten immer mehr auch zum Schaufenster für klimaschonende Wärmetechnologien entwickelt, die offiziell „Weltleitmesse der Kältetechnik“ genannte Veranstaltung. Speziell Wärmepumpen (WP) spielen dort inzwischen eine ganz wichtige Rolle.
In einer „WP-Lounge“ genannten Sonderpräsentation zeigt das AIT Austrian Institute of Technology „aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse aus diesem Bereich“. Die wird ergänzt um eine „Startup Area“ und eine „Innovation Corner“. Sie merken schon, Internationalität ist hier Trumpf. Denn die deutschen Anbieter sind mit 266 heuer in der Minderheit auf der Messe: 1160 Stände gibt es, Aussteller aus über 50 Ländern sind vertreten.
Wer war da – und wer nicht?
OK: Viessmann war natürlich da; Bosch/Buderus hat gezeigt, wie WP und Haustechnik insgesamt intelligent vernetzt werden können; der japanische Konzern Panasonic, der seit 50 Jahren in Europa auch Klimatechnik anbietet, war ebenfalls mit einem Großstand dabei. Doch einige bekannte hiesige WP-Hersteller waren gar nicht zu finden: Alpha Innotec, Kermi, Vaillant, Weishaupt – um nur ein paar zu nennen.
Auch nicht Stiebel Eltron. Dabei hatte erst fast zeitgleich zur Messe Kai Schiefelbein, der Chef dieser Firma und stellvertretender Vorstandschef des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP), in einem Interview drastische Worte verwendet: „China greift nach Deutschlands Wärmepumpenmarkt.“ Aber vielleicht geht’s ja den deutschen Anbietern ohnehin prächtig und haben es nicht mehr nötig. Möglich aber auch: Die Messe wendet sich eher an industrielle Anwender:innen denn an Planer:innen von Privathäusern. „Bei Wärmepumpen geht es hier vor allem um große, ab etwa 5 bis 50 MW“, bestätigt man von Messeseite. Und so ist deshalb – womöglich wegen der guten Umsätze im Wohnungsbereich – auf dem Messestand des hiesigen Bundesverbands zu hören: „Es läuft.“
Auch der Europäische Wärmepumpenverband EHPA berichtet von steigender Nachfrage: Allein der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Hormus-Krieg gegen den Iran habe zu einer Erhöhung des WP-Absatzes um 11 Prozent geführt.
Ausländische Anbieter zeigen deutliche Präsenz
Haben es die Hersteller aus dem ferneren Ausland also nötiger, Präsenz in Deutschland zu zeigen? Der Zuwachs derer aus Indien und China war jedenfalls gegenüber 2024 jeweils 38 Prozent, berichtet Messemitarbeiter Mario Bethke. Sprich: Schiefelbeins China-Einschätzung ist wohl nihct so falsch. Aber nicht nur wegen mehr China-Ständen hat „die Chillventa ein anderes Level als die Jahre zuvor“, wie Bertold Brackemeier erklärt, der Marketingleiter der Schau. Und nicht nur „WP werden immer wichtiger. Auch die Klimatisierung von Rechenzentren steht immer mehr im Blick“, stellt Brackemeier heraus.
Dieses Thema habe man in Nürnberg vor fast zwei Jahrzehnten erstmals auf der parallel zur Messe laufenden Tagung bearbeitet. „In den vergangenen zwei Jahren hat es sich verdoppelt“, berichtet Rainer Jakobs, der die Begleitveranstaltungen mitorganisiert: „Rechenzentren sind inzwischen auch in der Politik an einer Topstelle angekommen.“ Wichtig ist übrigens auch die IT-Sicherheit von Klimatechnik: Der Cyberangriff auf die Anlagen eines französischen Einkaufszentrums hat da wohl die Augen endlich geöffnet.
Von Anfang an – und auch auf der 10. Chillventa weiterhin stark im Blick – ist die Diskussion um möglichst klimaneutralste Kältemittel für Klimaanlagen jeder Form. Inzwischen gibt es sogar Firmen wie Magnotherm, die „Kühlung ohne Kältemittel“ anbieten – aber beileibe nicht alle.
Kreislaufwirtschaft spart Rohstoffe
Deshalb beschäftigt sich auch die IEA, die Internationale Energieagentur, damit, die Kreislaufwirtschaft und sogar die Wiederverwendung von Kältemitteln voranzutreiben. Karl-Anders Weiß arbeitet beim Fraunhofer-Solarinstitut ISE in Freiburg. Er ist der deutsche Koordinator einer IEA-Gruppe, die das dafür passende Grundlagenpapier mit Namen „IEA HPT Annex 65“ erarbeitet.

„Der Markt, der Materialbedarf, die Verantwortung bei den Rohstoffen wächst“, sagt Weiß und nennt Gründe, warum gerade bei der Kreislaufwirtschaft die internationale Zusammenarbeit wichtig sei: „Sonst regelt der Preis den Markt.“ Soll wohl heißen: Wenn das Material für WP teurer wird, geht’s mit den Verkaufszahlen wieder bergab.
Das aber wäre fatal, wenn man den Worten von Sarah Maston folgt. Die Präsidentin des internationalen Branchenverbands ASHRAE stellt nämlich klar: „Das Klimagas CO2 bis 2050 auf null bringen bedeutet: Das gilt auch für bestehende Gebäude.“ In diesem Zusammenhang darf ein oft unterbelichteter WP-Aspekt aber nicht vergessen werden: „Wussten Sie schon, dass die Wärmepumpe einen Herbstputz mag?“, fragte dieser Tage die Verbraucherzentrale NRW. Nicht ohne Eigennutz: Sie brachte gleich noch ihre eigenen Beratungsangebote zu WPs für Private ins Spiel. Denn gerade bei deren Klientel – also im bestehenden Wohnungsbestand – ist nach überwiegender Meinung von Fachwelt und Politik die Wärmepumpe die optimale Ersatzlösung für Kohle-, Öl- oder Gasheizungen. Aber beileibe nicht nur dort, wie auf der Chillventa deutlich zu sehen ist. Und immer günstigere WP-Stromtarife (selbst für Menschen ohne PV am Dach) werden wohl ein Übriges tun…
