Ein Veranstaltungsbericht von Jörg Sutter

Anfang Oktober hat das Handelsblatt nach Düsseldorf zur Konferenz „Energiespeicher 2026“ geladen. Unser PV-Experte Jörg Sutter war dabei und hat hier einige Einschätzungen der Wirtschaft zum kommenden Ausbau der Batteriespeicher mitgebracht. Wie schaut der Speichermarkt auf die Möglichkeiten in Zukunft? Überwiegt die Skepsis oder die Zuversicht?
Die Handelsblatt Group hat vor einigen Jahren einen Neubau im Düsseldorfer Norden bezogen mit dem Vorteil, dass mit der sogenannten „Townhall“ eine ansprechende Veranstaltungsräumlichkeit zur Verfügung steht. Dort wurde am 6. und 7. Oktober über die Zukunft des Speicher-Business diskutiert. Die Veranstaltung fiel zeitlich in eine spannende Woche, wurde doch gerade tags zuvor das neue EEG 2027 erstmals im Bundestag behandelt; die erste politische Debatte des Netzpakets stand kurz bevor.
In einer ersten Einführung bekannte sich Christoph Müller, seit 2024 CEO beim Netzbetreiber Amprion, zur Batterietechnik: „Batterien sind ein Eckpfeiler für den Erfolg der Energiewende“. Er verwies auf die PV-Entwicklung, die in den vergangenen Jahren vor allem in der Kostenentwicklung immer unterschätzt wurde, ein Effekt, der durch den starken Preisrutsch auch bei den Batterien zu beobachten ist. Und das Stromsystem braucht mehr Flexibilität. Doch neben der grundsätzlich positiven Meinung stellte er auch eine Mahnung: „Speicherbatterien werden die Stromversorgung in ihrem Mechanismus auf den Kopf stellen“. Er betonte, dass wir uns aktuell energiewirtschaftlich noch nicht in einem eingeschwungenen Zustand befinden, sondern auf einem Transformationsweg, der gemeinsam (also mit Politik, Speicherbranche und Netzbetreibern) gegangen werden muss.
Die Übertragungsnetzbetreiber Amprion, 50Hertz, TransnetBW und TenneT tragen die Verantwortung für die Systemstabilität, deren bisherige Regeln jetzt durch Batterien gesprengt werden.
Besonders die letzten Minuten vor Echtzeit sind dabei problematisch, denn für ein stabiles System müssen Erzeugung und Verbrauch möglichst genau im Gleichgewicht stehen. Bisher haben die trägen Massen der Großkraftwerke das System beherrscht, genauso die trägen Reaktionen des Stromverbrauchs in der Industrie. Heute ändert sich die Stromerzeugung wetterbedingt in wenigen Sekunden, gleichzeitig wird mit Batterien auch die Stromabnahme in Gewerbe und Industrie in wenigen Sekunden geändert, zum Beispiel bei Preissprüngen am Strommarkt, auf die Batterien dann reagieren.
„Eine erfolgreiche Energiewende braucht Batterien“, so Christoph Müller, aber er deutete auch an, dass für die Systemsicherheit auch Einschränkungen der Batteriebetreiber nötig sind. Bereits heute werden Batterien von den Netzbetreibern teilweise nur angeschlossen, wenn zuvor vertraglich festgelegt wird, dass das Laden und Entladen in „Rampen“, also einem definiert langsamen Anstieg der Lade- oder Entladeleistung, erfolgt. Das ist natürlich eine Einschränkung und ein Ärgernis für den Batteriebetreiber, aber aus Sicht der Systemstabilität eben notwendig.
In einer zweiten Anmerkung betonte Müller den Dreiklang der sicheren, bezahlbaren und klimaneutralen Stromversorgung, die allgemein anerkannt das Ziel ist. Er plädierte dafür, die Kosten des Gesamtsystems im Blick zu behalten und Änderungen an Rahmenbedingungen sorgfältig zu prüfen, da Fehlanreize von Batterien auch schnell ausgenutzt werden können.
Der dritte Aspekt, auf den Müller einging, bezog sich auf die Verantwortung von allen in der Debatte um die Stromversorgung. Aus seiner Sicht muss diskutiert werden, was technisch möglich ist, wie anfallende Kosten verteilt werden und auch wie die Wirtschaftlichkeiten aussehen sollen und dürfen. Der Hintergrund dieser Aussagen ist sicherlich auch in den Forderungen zu finden, die Netze schneller auszubauen, um mehr Speicher anzuschließen. Gleichzeitig sollen politisch ja die Kosten des Energiesystems begrenzt bleiben.

In einem zweiten Eröffnungsbeitrag ordnete Jens Dennhardt, Strategiedirektor von RWE Generation SE, also der Energieerzeugungseinheit des RWE-Konzerns, die Bedeutung der Batteriespeicher aus seiner Sicht ein. Auch er sah einen steigenden Bedarf an Flexibilität, wies aber darauf hin, dass Batterien nur kurzzeitig, also „intraday“, Flexibilität liefern können und längerfristige Lösungen wie H2-Gaskraftwerke für längere Dunkelflauten trotzdem notwendig bleiben. Die Krux aktuell: Batterien sind ohne weitere Förderungen wirtschaftlich, die geplanten H2-fähigen Gaskraftwerke nicht. Er betonte auch, dass die Flexibilität derzeit abnimmt: Waren im Jahr 2019 noch 110 Gigawatt an steuerbarer Kapazität im System, werden es bis 2030 perspektivisch nur noch 70 GW sein. Aus seiner Sicht ist auch unbedingt eine Beschleunigung bei den Netzanschlüssen notwendig. So können Rechenzentrumsbetreiber, die sich heute rund um Frankfurt ansiedeln möchten, erst in zehn Jahren einen Netzanschluss zugesichert bekommen, was die Expansion und wirtschaftliche Entwicklung massiv hemmt.
Schon aus diesen ersten beiden Vorträgen der Veranstaltung wurde klar, dass Batteriespeicher in der Energiewirtschaft angekommen sind und weiter ausgebaut werden, aber dass zukünftig weitere Einschränkungen für den Betrieb aus Rücksicht auf das Stromsystem notwendig sein werden. Auch in den weiteren Beiträgen wurden Randbedingungen und Zukunftschancen der Batterien positiv bewertet. In der kommenden Ausgabe der SONNENENERGIE wird ein ausführlicher Bericht über die gesamte Tagung zu lesen sein.
