Kommentar und Aufruf der DGS

Am Freitag, 09.10.2026, demonstriert ein breites Bündnis aus Erneuerbaren-Branche und Zivilgesellschaft vor dem Bundestag gegen EEG-Novelle und Netzpaket. Die DGS gehört zu den Erstunterzeichnenden des Aufrufs. Unsere Bitte an Mitglieder, Leserinnen und Leser: Kommen Sie nach Berlin.
Im Juli hat das Bundeskabinett die Entwürfe für eine EEG-Novelle und ein Netzpaket beschlossen. Nun liegen sie beim Bundestag und damit bei Abgeordneten, die sie noch verändern können. Genau hier setzt die Demonstration „Erneuerbare Energien: Ausbauen statt Ausbremsen“ an. Aufgerufen hat der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) gemeinsam mit Campact, Unternehmen, Fachverbänden und Umweltorganisationen.
Die DGS trägt diesen Aufruf als Erstunterzeichnerin mit. Die geplanten Gesetze treffen genau die Menschen, für die wir uns seit 1975 einsetzen: Hausbesitzer:innen, Mieter:innen, Handwerksbetriebe, Energiegenossenschaften und Kommunen, die die Energiewende vor Ort umsetzen.
Was auf dem Spiel steht
Die Entwürfe greifen Grundpfeiler der dezentralen Energiewende an. Geplant sind unter anderem eine pauschale Begrenzung der Einspeiseleistung für kleine wie große Anlagen und eine Pflicht zur Direktvermarktung auch für kleine PV-Anlagen, obwohl es dafür weder einen funktionierenden Markt noch automatisierte Prozesse gibt. Die feste Einspeisevergütung für Anlagen bis 25 kWp soll ganz entfallen.
„Wir können niemandem erklären, warum eine solare Kilowattstunde aus einer Anlage mit 25,2 kWp einen Marktwert haben soll, dieselbe Kilowattstunde aus einer kleineren Anlage für die Gesellschaft aber wertlos sein soll“, sagt Jörg Sutter, Solarexperte bei der DGS. „Das ist eine Ohrfeige für Hausbesitzer:innen.“
Hinzu kommt das Netzpaket: Statt Netzanschlussverfahren endlich transparent und bundesweit einheitlich zu gestalten, droht das Gegenteil. Auch junge Modelle wie Energy Sharing und die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung geraten durch die Gesetzentwürfe ebenso wie durch die laufenden Festlegungsverfahren der Bundesnetzagentur (MiSpeL, AgNes) unter Druck.
Laut Bündnis Erneuerbare Energien hat die Unsicherheit die Investitionsbereitschaft bereits einbrechen lassen, Arbeitsplätze sind gefährdet. In der EE-Branche arbeiten inzwischen mehr als 436.000 Menschen, allein in der Solarbranche sind es über 100.000.
Bezahlbar, sicher, vor Ort
Strom und Wärme müssen günstiger werden, und zwar mit den Erneuerbaren, nicht gegen sie. Wer teures fossiles Gas ersetzt und lokale Selbstversorgung ermöglicht, entlastet Haushalte und Betriebe.
„Das BMWE und Ministerin Reiche brauchen dringend Nachhilfe in Sachen kluger, kostenoptimierter Energiepolitik“, sagt DGS-Präsident Frank Späte. „Statt neuer Gaskraftwerke oder Mini-AKWs braucht Deutschland eine Forcierung des lange schon notwendigen Netzausbaus in Verbindung mit netzdienlichen Speichern und einem intelligenten Energiemanagement. Die derzeitige Rückwärtsrolle entbehrt jeder Vernunft.“
Dezentralität ist zudem eine Frage der Sicherheit. „Wer nur auf wenige Großkraftwerke setzt, macht sich verwundbar“, sagt Lena Kehl, 2. Vizepräsidentin der DGS. „Dezentrale Energieversorgung schafft Resilienz und macht kritische Infrastruktur krisenfester.“ Sie fordert mehr Marktanreize für Photovoltaik und Strafzahlungen an Netzbetreiber bei verschlepptem Netzausbau.
„Mieter:innen wenden sich in wachsender Zahl eigenen Lösungen wie Stecker-Solargeräten und Energiegenossenschaften zu. Das politische Berlin ist für viele Menschen mittlerweile sehr weit weg “, sagt Torsten Lütten, 1. Vizepräsident der DGS. „Der Autoritätsverlust der Bundesregierung schadet der Demokratie.“
Vom Appell auf die Straße
Im März haben die DGS, der Solarenergie-Förderverein (SFV) und das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) einen Appell initiiert, den mehr als 440 Organisationen aus der Bürgerenergie unterzeichnet haben. Zusammen mit einem offenen Brief wurde er Wirtschaftsministerin Katherina Reiche übergeben (zur Pressemitteilung). DGS-Präsident Frank Späte warnte damals, das Netzpaket würde die Energiewende „brutal abwürgen“.
Eine Antwort blieb aus. Stattdessen gingen die Pläne weitgehend unverändert in die Ressortabstimmung. Die DGS rief deshalb im April 2026 zur Teilnahme an Großdemonstrationen in Berlin, Hamburg, Köln und München auf (zum Demo-Aufruf vom April).
Am 09.10.26 stehen nun Unternehmen, Branchenverbände, Bürgerenergie und Umweltverbände gemeinsam vor dem Reichstag, während der Bundestag über die Entwürfe berät.
Kommen Sie nach Berlin
Demonstration „Erneuerbare Energien: Ausbauen statt Ausbremsen“
Wann: Freitag, 09.10.2026, 14 Uhr
Wo: Berlin, Reichstagswiese
Alle Infos: buendnis-erneuerbare-energien.de
Unterstützen Sie die Demo z.B. mit einer gemeinsamen Anreise über Ihre DGS-Sektion oder Ihren Landesverband. Nehmen Sie Kolleg:innen, Kund:innen und Familie mit. Nutzen und verbreiten Sie die Share-Grafiken und Mobi-Pakete des Bündnisses.
Fotos von Ihrer Teilnahme nehmen wir gern unter newskoordination@dgs.de entgegen.
Der Beitrag gibt die Position der DGS wieder. Die DGS ist Erstunterzeichnerin des Demo-Aufrufs.
DGS Treffpunkt:
Wir treffen uns am 09.10.26 um 14 Uhr Paul-Löbe-Allee Ecke Annemarie-Renger-Str. (Nahe U-Bahnhof Bundestag). Vielleicht sehen wir uns da?

