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Jörg Sutter

20 % Wachstum pro Jahr bei C&I-Batteriespeichern

Eine Beschreibung von Jörg Sutter

Konferenz zu C&I-Batteriespeichern in Frankfurt: Referentin vor zwei Leinwänden mit Folien von Aurora Energy Research, im Vordergrund das Publikum an Tischreihen
Internationale Batteriekonferenz in Frankfurt [Foto: wes wei, ECV International]

Wenige Bereiche unserer Wirtschaft können derzeit solche Wachstumszahlen präsentieren – und das schon seit geraumer Zeit und auch als Prognose für die kommenden Jahre. Es geht um den Markt für C&I-Batteriespeicher, also Stromspeicher für Gewerbe (commercial) und Industrie (industry). Bei einer internationalen Batteriekonferenz in Frankfurt in dieser Woche wurde deutlich, woher der Bedarf kommt und wo die Herausforderungen für Speicherprojekte in Europa liegen. Die DGS war mit dabei.

Als Auftakt der zweitägigen Tagung wurden von Gaetan Masson, CEO vom Becquerel Institute aus Belgien, aktuelle Marktzahlen präsentiert. Dabei wurde klar: Trotz Marktwachstum reichen reine Batteriespeicher nicht aus, um das EU-Ziel von 750 GWh Speicherkapazität bis 2030 zu erreichen. Dafür sind zusätzlich rund 10 Mio. Elektrofahrzeuge in Europa nötig, die bidirektional ihren Strom auch an das Stromnetz als Flexibilität abgeben können. Der Vorteil dabei: Hier schlagen keine eigenen Investitionskosten zu Buche, denn die Batterie wird ja bereits mit dem Fahrzeug angeschafft. Eine Prognose für die kommenden Jahre stellte Anne Geschke von Aurora Energy Research vor: Einem Wachstum des Stromverbrauchs in Europa stehen nur minimale weitere Preissenkungen der Speicher gegenüber, die ja in den vergangenen Jahren massiv günstiger geworden sind.

Eine konkrete Umsetzung der Energiewende stellte dann Nicholas Wyss mit einem Kollegen von der DHL New Energy vor: Der Logistikkonzern stellt sich selbst um mit dem Bau von PV und Speichern an den Logistikstandorten, und elektrifiziert seine Flotte. Und damit sind nicht nur die Zustellfahrzeuge gemeint, die in Deutschland schon fast zur Hälfte elektrisch fahren: Auch die deutsche E-Truck-Flotte wird noch in diesem Jahr von 30 auf über 60 Fahrzeuge verdoppelt. Doch aus aktueller Sicht ist bei einem Anteil von 30 % bei den E-Trucks Schluss: Entweder stehen an den Logistik-Standorten nicht ausreichend Flächen für Ladeinfrastruktur zur Verfügung oder die Abläufe sind so zeitkritisch, dass Ladepausen nicht möglich sind. DHL ist aber auch als Dienstleister von der Energiewende betroffen, denn der Konzern transportiert auch Batterien, zum Beispiel per Schiff oder Flugzeug aus Asien nach Europa, was wegen der Sicherheitsanforderungen anspruchsvoll ist. Die Logistik von gebrauchten oder defekten Batterien bezeichnete er als „kritisch und herausfordernd“.

Eddie Qi vom Hersteller Longi betonte in seinem Vortrag „Behind the battery“, dass sich der Blick, vor allem bei C&I-Speicherprojekten, derzeit wandelt: Die Batterien selbst zeigen technisch nur wenig Unterschiede zwischen den Herstellern und werden austauschbar. Mehr gefragt heute und in Zukunft: eine gute Systemeinbindung bei Kund:innen, flexible Möglichkeiten zur späteren Erweiterung und eine genaue Planung mit Analyse der Möglichkeiten, für die der Batteriespeicher bei Kund:innen dann konkret genutzt werden soll.

Neue Anforderungen an die Speicherhersteller zeigte Slavomir Seeman von Huawei Digital Power auf: Batteriespeicher und deren Wechselrichter müssen zukünftig nicht nur dem Netz folgen wie bisher und auf Spannungs- und Frequenzänderungen stabil reagieren. Wegen des Wegfalls der konventionellen Kraftwerke müssen erneuerbare Energieanlagen und auch Batteriespeicher immer mehr netzbildende und netzstabilisierende Funktionen vom Hersteller einprogrammiert bekommen. Neue europäische Gridcode-Vorgaben werden das zukünftig verbindlich fordern – mit einem Rattenschwanz an neuen Prüfungen, Zertifizierungen und vielem mehr.

Simon Steffgen vom BVES vor einer Folie, die Batteriespeicher als Schweizer Taschenmesser mit Funktionen wie Frequenzregelung, Notstrom und Sektorkopplung zeigt
Simon Steffgen vom Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) nannte Batteriespeicher ein „Schweizer Taschenmesser“ [Foto: Jörg Sutter]

Als „Schweizer Taschenmesser“ stellte Simon Steffgen vom Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) die Batteriespeicher dar (siehe Bild 2): Erhöhung des Eigenverbrauchs bei EE-Anlagen, Notstrom- und Backup-Funktionen, netzdienliche Maßnahmen oder Peak-Shaving im Gewerbe zur Stromkostensenkung sind nur einige Anwendungen, mit denen Batteriespeicher aufwarten können.

Doch bei allen Vorteilen kamen auch die konkreten Schwierigkeiten bei der Umsetzung von gewerblichen Speicherprojekten klar zur Sprache: Michael Lippert vom Batteriehersteller Saft wies darauf hin, dass ein klassischer gewerblicher Energiemanager meist mit Energiespeichern bisher keine Erfahrung hat, ebenso wenig mit Energiehandel am Strommarkt oder den Anforderungen von Netzbetreibern. Die Kenntnis dieser Arbeitsweisen kann einem Speicherprojekt aber zu einer optimalen Fahrweise und zu Mehrerlösen verhelfen. Am zweiten Konferenztag zählte Fabian Bierdel, Senior Manager bei EY, eine Reihe von Ursachen auf, die heute zum Scheitern von Speicherprojekten führen: Diese reichen im Spektrum von technischen Problemen, falschen Verbrauchs- und Nutzungsannahmen über regulatorische Änderungen bis zu Fragen von steuerlichen und buchhalterischen Bewertungen. Auch können fehlende klare Garantien, undefinierte Schnittstellen und Verantwortlichkeiten oder fehlende Versicherungen schnell dazu führen, dass ein Batterieprojekt schlicht nicht finanzierbar („bankable“) wird.

Jörg Sutter von der DGS hält auf der Batteriekonferenz in Frankfurt einen Vortrag über PV-Anlagen mit Batteriespeichern
Der Autor bei seiner Präsentation zur Kombination von PV-Anlagen mit Batteriespeichern in Deutschland. [Foto: wes wei, ECV International]

Auch der Autor durfte als Vertreter der DGS am ersten Tag in einem Vortrag die Einsatzbereiche von Batterien bei PV-Anlagen in Deutschland vorstellen und den Bogen zu den neuen und kommenden regulatorischen Vorgaben spannen – vom kommenden EEG 2027 über die Forderungen des Netzpakets bis zu den neuen flexiblen Möglichkeiten, die seit Anfang Oktober durch die MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur auf dem Tisch liegen (Bild 3). Wer Interesse an diesem Vortrag hat, erhält das PDF gerne auf Anfrage per Mail an sutter@dgs.de.

So weit einige interessante Aspekte der Veranstaltung. Ein nächstes „European C&I Energy Storage and Management Summit“ ist vom Veranstalter, der ECV International aus Singapur, für das kommende Jahr geplant; Ort in Europa und Termin stehen aktuell aber noch nicht fest.