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Redaktionsteam DGS-News

Weihnachts-Büchertipps (Teil 1)

Ein Buch zu schenken mag antiquiert sein, aber ist dennoch eine gute Möglichkeit Wissen weiterzugeben. Wir wollen Ihnen daher in den nächsten Wochen vor Weihnachten ein paar Bücher vorstellen, die allesamt in diesem Jahr in der SONNENENERGIE vorgestellt wurden. Wir beschränken uns dabei auf die höher benoteten Bücher. Sie finden alle Rezensionen auch auf unserer Homepage unter www.dgs.de/presse/buchvorstellungen, sie werden dort immer im Nachgang veröffentlicht.

Beispielhafte Buchbesprechungen aus der SONNENENERGIE 1|22

Energierevolution jetzt! (Cornelia und Volker Quaschning)

Jedes Kapitel ist mit einer Frage überschrieben: „Wieviel PV und Windkraft brauchen wir?“, „Ist das Elektroauto ein Klimasünder?“ oder „Wie geht Fliegen in der Klimakrise?“. Dazu gibt es jeweils klare und verständliche Antworten auf Grundlage der wissenschaftlichen Fakten. Und das letzte Kapitel erklärt schließlich, warum – trotz des Bewusstseins bei vielen – das Handeln fürs Klima so schwierig ist. Und auch weshalb es sich trotzdem lohnt, immer wieder davon zu erzählen, wie toll die Welt sein wird, wenn die Klimakrise gestoppt ist. Es ist zu spüren: Die Autoren leben den Klimaschutz und überzeugen aus Überzeugung. Das Autorenpaar hat drei Kinder, denen sie eine lebenswerte Zukunft bieten möchten: „Es lohnt sich, aufzubrechen und den Weg in die neue bessere Zukunft zu gehen“. Eine Pflichtlektüre und Motivationsquelle zugleich. 4,5 Sterne, Besprechung von Jörg Sutter.

Klima und Gesellschaft in Europa (Pfister, Wanner)

Die beiden Autoren sind keine Unbekannten: Pfister (Jg. 1944) und ehemals Professor für u.a. Umweltgeschichte an der Uni Bern, forscht seit über 30 Jahren zu Wetter Klima und Gesellschaft. Wanner (Jg. 1945) war Professor für Klimatologie und Geographie ebenfalls in Bern. Beide haben mehrfach zusammen publiziert. Insofern sind die Lesererwartungen für das Buch hoch – und sie werden übertroffen. Nach einer Einführung in die Grundlagen des Klimasystems sowie zwei thematischen Exkursionen folgt ein historischer Abriss der Klimawissenschaft sowie ein Überblick der Rekonstruktionsmethoden historischer Klimata. Anschließend werden das Klima der einzelnen Jahrhunderte je nach Jahreszeiten aufgeschlüsselt, sowie besondere Phänomene durch Einschübe und Grafiken erläutert. Die überragende Qualität der hier dargebotenen Forschung zeigt sich nicht nur in der schieren Faktenfülle, sondern auch durch die kluge Beschränkung auf einen Kontinent und einen langen, aber nicht zu langen Zeitraum. 4,5 Sterne, Besprechung von Götz Warnke.

Nachhaltige Mobilität für alle (Hennicke, Koska, Rasch, Reutter, Seifried u.a.)

Kann ein Buch, das (als Download unter www.oekom.de) nichts kostet, etwas wert sein? Bei diesem ausführlichen „Plädoyer für mehr Verkehrsgerechtigkeit“ sage ich ganz klar: ja! Und das beileibe nicht nur, weil die Beiträge darin von einer exquisiten Reihe von Fachleuten aus dem Wuppertal-Institut und dessen Umfeld geschrieben worden sind. Im Kapitel „Ein »Weiter so« ist unmöglich: Die Verkehrs- und Emissionstrends“ beispielweise wird akribisch aufgezeigt, wo genau der Verkehr zunimmt und welche fatalen Auswirkungen das hat. Das sei „mit weltweitem Klimaschutz und einem Leitbild »Nachhaltige Mobilität für alle« vollkommen unvereinbar“. Doch auch wenn „die weltweiten Beharrungskräfte“ durch eine „Zementierung der Autopfadabhängigkeit“ dagegen arbeiten: Die Autor:innen jammern nicht, sie zeigen konkret auf, wie wir es schaffen können: „Jeder energische Schritt in Richtung nachhaltigere Mobilität kann eine Beschleunigungsdynamik von heute noch nicht vorstellbarer Intensität und Geschwindigkeit in Gang setzen.“ So wie die Coronapandemie beim Online-Wesen. 4,5 Sterne, Besprechung von Heinz Wraneschitz.

Nachruf auf mich selbst (Harald Welzer)

Ein äußerst lesenswertes Buch. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht zu den Kernthemen der SONNENENERGIE gehört, erzählt es dennoch die Geschichte über den Ursprung all dessen, was uns letztendlich in die unaufhaltsame Klimakatastrophe treibt. Der Text ist wohl aus seiner persönlichen Lebenssituation entsprungen, in der Welzer dem Tod nur knapp entkommen war. Nach Rückblicken und Exkursen über die Abwesenheit des Todes in unserem Alltag formuliert er eine Kultur des Aufhörens. Denn wenn wir selbst immer nur weiter machen wollen um Anerkennung zu erhalten und Sinn zu erlangen, werden wir den allgemein vorherrschenden Wachstumskapitalismus nicht ernsthaft hinterfragen können. Ganz im Sinne der FuturZwei-Stiftung, die fragt „wie wollen wir gelebt haben“, zielt das Buch darauf ab, dass jeder noch zu seinen Lebzeiten einen Nachruf über sich selbst verfassen sollte, um sich genau das zu beantworten. Beispiel: „Ich möchte, dass in meinem Nachruf steht: Er hatte gelernt, das Optimieren zu lassen.“ 5 Sterne, Besprechung von Matthias Hüttmann.

Rezensierte Bücher „benoten“ wir nach 10 Kriterien und vergeben dabei jeweils bis zu 5 Punkte. Alle Kriterien werden einfach gewichtet. Lediglich das „subjektive Urteil“ kommt doppelt in die Wertung. Aus dem Durchschnitt ergibt sich schließlich die Gesamtbewertung für die Vergabe der bis zu 5 Sterne. Nach folgenden Kriterien bewerten wir: Thema, Idee | Aktualität | Relevanz | Sprachqualität | Glaubwürdigkeit | Tiefgründigkeit | Aufmachung, Layout | Verständlichkeit (Inhalt) | Preisgestaltung | Subjektives Urteil.