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Jörg Sutter

„The Länd“ im Wahlkampf

Darstellung von Jörg Sutter

Die Spitzenkandidaten Özdemir (rechts) und Hagel (links)
[Bild: Sutter]

Am 8. März wird im Südwesten gewählt. Präsent im Wahlkampf sind vor allem die beiden Spitzenkandidaten (siehe Bild), die Ministerpräsident werden wollen. Dabei gibt es einen großen Unterschied der beiden Kandidaten: Nach der Beliebtheit des Spitzenkandidaten hat Cem Özdemir die Nase deutlich vorne, er ist schon lange in der Politik und hat auch im Ländle eine große Bekanntheit als früherer Bundesminister erreicht. Weil der langjährige und allseits beliebte und geschätzte Landesvater Wilfried Kretschmann mit seinen inzwischen 77 Jahren nicht mehr antritt, bot sich die Chance für Özdemir, als Spitzenkandidat anzutreten. Seit 2011 hat Wilfried Kretschmann als einziger grüner Ministerpräsident ein Bundesland regiert, er ist seit Januar 2026 auch der dienstälteste amtierende Regierungschef in Deutschland.

Der Mitbewerber von Özdemir heißt Manuel Hagel, ist 37 Jahre alt und seit 2021 Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag von Baden-Württemberg, er ist trotz seines Amtes teilweise noch nicht wirklich im Land bekannt. Seit Vorteil ist die Bekanntheit und Beliebtheit der CDU, die aktuell gemeinsam mit den Grünen in Regierungsverantwortung stehen. Doch dank einiger Äußerungen hat sich die CDU aktuell den Widerstand mancher Bürger auf sich gezogen – zum Beispiel wegen der Diskussionen zu Sozialleistungen oder der Teilzeit-Bewertung. Das führte in den vergangenen Wochen zu verschlechterten Umfragewerten von Hagel und der CDU.

Welche der beiden Parteien schlussendlich die Nase vorne haben und welcher Spitzenkandidat gewinnen wird – an der großen politischen Linie wird sich wohl nicht viel ändern, da beide Parteien bisher recht geräuschlos gemeinsam pragmatische Politik machen. Ob das zukünftig als grün-schwarz oder schwarz-grün fortgesetzt wird, wird nur im Detail einen Unterschied machen.

Wahlplakat der Liberalen – unter einer Faschingseinladung
[Bild: Sutter]

Haben die anderen Parteien Chancen für eine Regierungsbeteiligung? Eher nicht. Mit der AFD möchte niemand koalieren, die SPD kommt in einer aktuellen Umfrage nur auf 10, die Linke auf 7 Prozent. Die FDP träumt zwar davon, die Grünen aus der Regierung zu werfen, das kann aber mit aktuell 5 % Umfragezustimmung nicht gelingen (die Grünen sind bei 21 Prozent), hier droht eher der Rauswurf aus dem Landtag. Fast schon sinnbildlich hängt in Bild 2 das entsprechende Wahlplakat unter der Einladung zu einer Faschingsveranstaltung.

Das Energiethema im Wahlkampf

Wenig überraschend kommt das Thema Energieversorgung nur am Rande in der Plakatierung vor: Sichtbar sind vor allem die Spitzenkandidaten und einige Forderungen oder Slogans rund um Sozialleistungen, Verantwortung oder Sicherheit – zumindest bei den etablierten Parteien. Überraschend: Cem Özdemir betreibt einen reinen Personenwahlkampf, bei dem sogar auf das Parteilogo auf den Wahlplakaten verzichtet wurde. Und eine weitere Aufmerksamkeit ist ihm gewiss: Er hat angekündigt, am morgigen Samstag zu heiraten und die standesamtliche Trauung von Boris Palmer, seinem ehemaligen Parteifreund und Oberbürgermeister von Tübingen vornehmen zu lassen.
Doch zurück zur Energie: Das BSW plakatierte den Slogan „Jobmotor statt Verbrenner-Aus“ und fordert unverhohlen den Import billiger fossilen Energien, die AFD möchte die Energiepreise senken und dafür die Klimaschutzmittel des Landes streichen, die basisdemokratische Kleinpartei „die Basis“ meldet „Ohne Strom nix los“. Beim Blick in die Wahlprogramme sind alle drei genannten Forderungen ohne belastbaren Hintergrund versehen, aber deutlicher Gegenwind gegenüber Erneuerbaren Energien und Klimaschutzbemühungen ist in den drei Programmen zu lesen.

Spitzenkandidat Hagel von der CDU spricht sich auch klar gegen das „Verbennerverbot“ aus: „Das Verbrennerverbot muss weg. Wie ein Auto angetrieben wird, ist mir völlig gleichgültig. Hauptsache, es ist in Baden-Württemberg gebaut“, so Hagel in einem aktuellen Interview. Cem Ozdemir besuchte dagegen demonstrativ Ende Januar eine große Solaranlage und versprach, die Energiewende noch weiter zu beschleunigen zu wollen.

Auch kleine Parteien haben das Energiethema in ihren Wahlprogrammen enthalten: So hat beispielsweise die Partei des Fortschritts detaillierte Vorschläge zu Förderungen und Ausbau von Fernwärme und Wasserstoffnutzung im Programm, die Partei der Humanisten fordert „Die Reduzierung der Ursachen und Folgen des menschengemachten Klimawandels sollte daher die höchste Priorität in der Politik haben“.

Die Auswahl ist groß

Stimmzettel
[Bild: Sutter]

Die politische Auswahl ist groß im „Ländle“: Insgesamt 21 Parteien sind auf dem Stimmzettel vertreten, darunter neben den bekannten Namen auch einige Exoten wie die Partei für Verjüngungsforschung und die bereits genannte Partei der Humanisten, die es allesamt wohl nicht in den Landtag schaffen werden.

Wie so oft wird nun für den Wahltag (oder die Briefwahl vorher) wichtig, dass die Wahlbeteiligung möglichst hoch ist. Wer sich zur Auswahl noch unsicher ist, kann auch bei dieser Wahl den Wahl-O-Mat befragen, um die Parteien mit den eigenen Ansichten zusammenzuführen und gut entscheiden zu können.