Eine Lesetipp von Matthias Hüttmann

Wolfgang Sachs, der ehemalige Forschungsleiter am Wuppertal-Institut und Autor beim Weltklimarat, hat in der Tageszeitung (taz) einen lesenswerten Beitrag zum Thema Suffizienz verfasst. Der mit „Schneller, weiter, stopp“ betitelte Text beschäftigt sich mit der Thematik der Genügsamkeit, nach der das Anthropozän nach Ansicht von Sachs verlangt. Mein Lieblingssatz daraus ist „ein Elektro-SUV ist so widersinnig, wie Butter mit einer Kreissäge zu schneiden.“
Sachs räumt in seinem Artikel unter anderem auch mit dem Mythos auf, dass die Erneuerbaren uns allein retten könnten und plädiert vielmehr für einen Vorrang der Kunst des Unterlassens in der Politik. So müssten etwa die Grenzen des Strombedarfs auch angesichts der Kosten für Material, Fläche und Landschaft diskutiert werden.
Wir haben uns an dieser Stelle bekanntlich schön öfter mit der Thematik beschäftigt. Im dem Kommentar „Suffizienz: Grau ist alle (Energie-) Theorie“ geht es etwa darum, dass trotz steigendem Wohnflächenbedarf nicht in dem Maße neu gebaut werden müsste, wie häufig kolportiert wird, sondern durchaus verwertbare Bauubstanz vorhanden ist. Ein Sanieren statt Abreissen mit anschließendem Neubau wäre eine wesentlich bessere Strategie. Die Prämisse der Suffizienz und das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch müssten deutlicher in den Vordergrund gerückt werden. Denn das Ziel eines klimaneutralen Wohnungsbestands im Jahr 2050 sei nur durch den Erhalt von Bausubstanz zu erreichen.
Ein weiterer Kommentar, betitelt mit „Gefangen in der Effizienz-Schleife“, beschäftigt sich mit den Begrifflichkeiten der Effizienz und Effektivität. Denn wir sind, sinnbildlich gesprochen, quasi in einer Endlosschleife gefangen, in der wir fest daran glauben, dass eine immer weiter verbesserbare Effizienz die Lösung unseres maßlosen Verbrauchs an Ressourcen ist. Jedoch benötigen wir – neben dem Prinzip der Suffizienz – vielmehr eine Effektivitätsoffensive, da wir die Dinge nur richtig (effizient) tun können, wenn wir (effektiv) die richtigen Dinge tun.
Dr. Lars-Arvid Brischke vom ifeu-Institut Heidelberg hat in der SONNENENERGIE einen sehr guten Artikel zum Thema „Energiesuffizienz im Gebäudebereich“ verfasst. Darin stellt er unter anderem die These auf, dass im Wohngebäudebereich ohne Suffizienz keine Effizienz möglich ist. Denn trotz der kontinuierlichen Verschärfungen der Energiestandards und der Förderung der energetischen Gebäudesanierung kam es bislang kaum zu einer absoluten Reduktion des Energieverbrauchs für Raumwärme ist. Die Effizienzsteigerung wurde schlicht durch die Zunahme der Wohnfläche überkompensiert. Das Ziel von Suffizienzstrategien ist es daher, persönliche Bedürfnisse, Bedarfe und Wünsche mit persönlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Grenzen in Einklang zu bringen. Suffizienz setzt somit bei einer Veränderung der Nachfrage an. Sie hat das Ziel, den absoluten Ressourcenaufwand und die Umweltauswirkungen zu reduzieren.
Denn das ist wichtig. Zur Verdeutlichung die einleitenden Sätze einer Radioreportage zu dem Philosophen Hans Jonas: „Künftige Generationen werden die Zeit, in der wir heute leben, möglicherweise als Schnittstelle eines epochalen Bewusstseinswandels ansehen – hoffentlich, könnte man sagen. Denn wenn dieser Bewusstseinswandel nicht erfolgt oder zu spät kommt, dann könnte es sein, dass es diese künftigen Generationen gar nicht mehr gibt.“
Zu dem Artikel „Erderwärmung und Degrowth: Schneller, weiter, stopp“