
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) veröffentlicht immer wieder sehr interessante Studien, wie erst kürzlich jene zu mineralischen Rohstoffen für die Energiewende (wir berichteten Anfang September darüber).
Die Tage wurde ein weiterer Bericht publiziert: „Der arktische Ozean aus rohstoffwirtschaftlicher und völkerrechtlicher Sicht“. Dort gibt es die frohe Botschaft zu vermelden: „Bisher kommt das Erdgas aus der Arktis nahezu ausschließlich aus Lagerstätten an Land. Mit dem weiteren Rückgang des Meereises und der Entwicklung moderner Technologien wird sich die Förderung von Rohstoffen künftig aber auch auf die arktischen Meeresgebiete ausdehnen.“
Das ist zwar leider nichts Neues, liest man den aktuellen Newsletter der BGR, stößt man jedoch auf einen weiteren, irritierenden Satz. In der Ankündigung des Kurzberichts „Die Energiestudie der BGR: Fakten zu Energierohstoffen seit 40 Jahren“ findet sich folgende Formulierung: „Aus rohstoffgeologischer Sicht können die bekannten Energierohstoffvorräte auch langfristig einen steigenden Bedarf bei Erdgas, Kohle und Kernbrennstoffen decken und so den Wechsel in ein kohlenstoffarmes Energiesystem auf Basis der Erneuerbaren Energien gewährleisten“. Was genau darunter zu verstehen ist bleibt unklar. Benötigen wir fossile Energien in großen Mengen um auf Erneuerbare Energien umzusteigen?
Die Bundesanstalt ist neutraler Dienstleister, es ist deshalb nicht angebracht an Ihrer Unabhängigkeit zu zweifeln. In der BGR setzt man sich vielmehr für die nachhaltige Nutzung von natürlichen Rohstoffen und die Sicherung menschlichen Lebensraums ein. Betrachtet man die jüngsten Interventionen des Wirtschaftsministeriums beim Klimaschutzplan 2050, oder etwa die drohende Beseitigung des EE-Einspeisevorrangs, ist es aber vielleicht nicht mehr ganz so abwegig zu vermuten, dass hier andere Schwerpunkte gesetzt werden sollen. Schließlich ist die BGR eine technisch-wissenschaftliche Oberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).
Bislang waren die Veröffentlichungen stets wissenschaftlich fundiert und nicht politisch beeinflusst. Im Fazit der Studie zum arktischen Ozean steht auch zu lesen: Den rohstoffwirtschaftlichen Chancen stehen die ökologischen Risiken der Nutzung arktischer Ressourcen gegenüber. Man kann deshalb hoffen, dass gerade von politisch-wirtschaftlicher Seite diese Risiken ernst genommen werden und nicht kurzfristig gehandelt wird. Die mit der Industrialisierung einhergehende Politik der Ausbeutung von Rohstoffen und Natur hat bekanntlich Auswirkungen, die wir heute noch gar nicht abschätzen können, deren zunehmende Auswirkungen auf das Klima wir aber zunehmend spüren. Es ist zwar ermutigend zu wissen, dass mit dem Rossmeer vor der Antarktis das größte Meeresschutzgebiet und der Erde entstehen wird. Das heißt aber noch lange nicht, dass der überwiegende Rest der noch nahzu unberührten nördlichsten Erdregion ausgebeutet werden sollte.
