Ein Kommentar von Heinz Wraneschitz

[Quelle: Naturstrom AG/Geodatarankings]
Glaubt man dem Handelsblatt, dann will die CSU einen zweiten Wackersdorf-Konflikt: „Deutschland soll Pionier bei der Wiederaufbereitung werden“, schreibt das Wirtschaftsmagazin. Dabei bezieht es sich auf ein Positionspapier, welches die Landesgruppe der weißblauen Provinz- und bundesdeutschen Regierungspartei bei ihrer Jahresstart-Klausur in dieser Woche beschlossen hat.
Womöglich denken die CSU-Granden um Deutschlands womöglich best-staatlich-bezahlten Foodblogger, die Menschen hätten „Wackersdorf“ vergessen. Doch da haben sie sich sicher geschnitten: Nein! Die Radikalität, mit welcher der von Markus Söder per Kinderzimmer-Poster verehrte Franz-Josef Strauß damals die bayerische Ordnungsmacht gegen meist friedliche Demonstranten hat vorgehen lassen, die kann und wird man nicht vergessen!
Und deshalb ist – unabhängig vom (Un-)Sinn einer Wiederaufbereitung der Atombrennstäbe hierzulande – die zweite CSU-Pionier-Idee, die erste übrigens mit Baubeginn fast genau vor 40 Jahren, für mich von vornherein zum neuerlichen Scheitern verurteilt.
Am Abend so – am nächsten Morgen das Gegenteil?
Doch wozu überhaupt Wiederaufbereitung? Weil Söder und Co. wieder einmal Atomkraft auferstehen lassen wollen hierzulande. Dabei hatte „Maggus S.“ vor knapp 15 Jahren mit Rücktritt gedroht, falls die Abschaltung aller Atommeiler in Deutschland länger dauern würde, als die damalige echte Groko oder die später mitregierenden, vom ihm gehassliebten Grünen es organisieren konnten. Jetzt aber will der Drehhofer-Imitator also „zurück zur Atomkraft“. Jedenfalls nach Medienberichten. Dass es Mini-AKW sein sollen, die nach Söders Behauptung ja in Kanada schon laufen – naja, darüber kann selbst die Redaktion von ingenieur.de nur schmunzeln. Aber Bayerns Regierungschef will inzwischen sogar eine atomare Recyclingwirtschaft für den Müll von AKW, welcher Art auch immer.
Nur wenige „Schneller Brüter, schneller Töter“
Das wiederum klingt nach Wiederaufbereitung in Verbindung mit Schnellen Brütern. In Deutschland wurde ein Groß-Brüter gebaut – der in Kalkar/NRW. Der durfte nach einer verfassungsgerichtlichen Entscheidung aber nie betrieben werden. Der Autor dieses Beitrags kann ein persönliches Mitarbeiterlied davon singen. Warum er wegen Kalkar seit 1984 absoluter Regenerativ-Fan ist: Gerne mehr auf Anfrage.
Weltweit in Betrieb sind bis heute nur wenige Brutreaktoren. Die von CSU-Jublern kommunizierte Transmutation ist bislang gar nur reine Theorie: Das gibt selbst das BASE offen zu, das Bundesamt für die Sicherheit der Nationalen Entsorgung. Die von der CSU-Gruppe formulierten Forderungen sind also nichts weiter als Wetten auf eine sicherlich ferne Zukunft.
Ablenkungsversuche allüberall
Was also wollen Söder und Co damit genau mit ihren Atomkraft-Forderungen erreichen? Wahrscheinlich wollen sie ablenken von ihren eigenen energiepolitischen Fehlern der letzten Jahrzehnte. Angefangen von FJ-Straußens Atomeuphorie der 1950er Jahre. Die hat zur noch Jahrzehnte notwendigen Zwischenlagerung von Atomcontainern geführt, weil ein Endlager bis heute in weiter Ferne liegt. Das zwischenzeitliche Hoch (oder Tief) der Fehler war die unselige „10-H“-Anti-Windkraftregel, von der Bayerns Staatsregierung inzwischen lieber nichts mehr wissen will.
Dass im CSU-Papier auch wieder einmal die „Grundlastfähigkeit der Atomkraft“ hervorgehoben wird, zeigt mehr als deutlich: Die Verursacher dieses Schriftstücks haben es bis heute nichts begriffen oder dazugelernt. Denn als Ergänzung zu den schwankenden Solar- und Windstromerzeugungen ist Ausgleichs-Spitzenlast statt Grundlast das A und O. Sprich: Biogas-Kraftwerke, die auf Bedarf anspringen, oder große und kleine Stromspeicher sind nötig. Kaum regelbare, träge Atomkraftwerke sind schlichtweg überflüssig.
Alldieweil lässt sich selbst im Weißblau-Freistaat nicht mehr verleugnen geschweige denn verhindern, was auch das Titelbild dieses Beitrags zeigt: Die Erneuerbaren sind (zumindest beim Strom) sogar hierzulande auf dem massiven Vormarsch. Weltweit ohnehin und noch schneller – man blicke nur auf China. Dort steht zwar immer noch Kohle vorne. Doch die Erneuerbaren haben mit 20 Prozent bereits fünf Mal so viel Anteil an der Stromerzeugung als die Kernenergie.
Fossillobby-Kotau oder Angst vor Enthüllung?
Deshalb kann auch nur ein Ablenkungsmanöver dahinterstecken, wenn der wie ein Beinah-König agierende US-Potus Donald Trump den venezolanischen Diktator-Präsidenten kidnappen lässt. Auch wenn Trump hinterher klarmachte, dass es bei diesem nach Fachleute-Meinung klar völkerrechtswidrigen Überfall vor allem um den Zugang zu den mittelamerikanischen Ölfeldern gegangen sei: Es ist vor allem der Versuch, von den Fakten abzulenken.
Doch Trumps Öl-Sucht ist auch ein klarer Beweis: Er ist einer jener „Männer, die die Welt verbrennen“, die Christian Stöcker in seinem sprichwörtlich brandaktuellen Buch so trefflich beschrieben hat. Denn die Erneuerbaren bekämpft der Potus, wo er nur kann.
Aber selbst Trump; Söder; unsere zögerliche Bundesregierung mit ihrer wirren Forderung nach „Technologieoffenheit“; die beim Green Deal rückwärtshüpfende EU-Kommission oder andere so genannte Konservative in Regierungsverantwortung weltweit werden eines nicht schaffen: Die regenerative Energierevolution können sie nicht aufhalten. Genauso wenig werden das die geldgepimpten Fossil(ien)-Lobbyisten weltweit schaffen. Denn die Erneuerbaren Energien sind die günstigste Versorgungsform. Schon heute, nicht nur beim Strom. Und immer mehr.
Außer, ein paar Verrückte an den Schalthebeln der Macht sprengen die Erde vorher in die Luft – atomar, wie sonst – bin ich sicher: Die von Hermann Scheer vorausgesagte, erneuerbare „Energieautonomie“ wird kommen.
PS: Bis Redaktionsschluss hat die Pressestelle der CSU-Landesgruppe im Bundestag unsere Bitte nach Übermittlung des mehrfach erwähnten Positionspapiers nicht erfüllt. Kein Wunder bei der Aktualität der aktuellen CSU-Pressearbeit.
