
Letzte Woche hatten wir im Newsletter über den irritierenden Sprachgebrauch der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) geschrieben. Der Text wurde offensichtlich viel gelesen, jedoch teilweise auch falsch interpretiert. Die Ironie der durchaus bewusst provozierenden Überschrift „Rohstoffe: Es ist noch genug von allem da!“ wurde bisweilen nicht erkannt. Wer die Nachricht selbst gelesen hat, konnte dies jedoch sicher schnell herausfinden.
Ein Leser stimmte hier deutlich bei, in dem er unter anderem schrieb:
„Beim Lesen des Textes über die Stellungnahme des BGR zur Nutzung der Ressourcen in der Arktis ist mir wieder etwas eingefallen: Seit langer Zeit pflegt das BGR einen Sprachgebrauch über „Reserven“ und „Ressourcen“, der ziemlich obskur ist. Ich erinnere mich an einen Fachartikel in dem von einem der leitenden Köpfe aus dem BGR die wichtige Unterscheidung von Reserven und Ressourcen erläutert wurde und gleichzeitig, sehr zu meinem damaligen und auch heutigen Ärgernis, Untertöne und zwischen den Zeilen stehend eine Sprache aufgebaut wird, die auf eine vermeintlich freie Verfügbarkeit von Geo-Ressourcen für die Parteien hinausläuft, welche diese Ressourcen eben gerade dringend zu benötigen meinen. Andere Stellungnahmen des BGR, insbesondere zum ganzen Komplex Endlagerung von radioaktivem Abfall aus der Atomenergiewirtschaft, laufen ähnlich. Dort ist es die nachzuzeichnende, bemühte Verwässerung des an sich sauberen Begriffs des Risikos von Strahlenschäden.“
In der Recherche zu dem Text möchten wir deshalb auf eine Meldung hinweisen, der bislang wenig Beachtung geschenkt wurde und die in diesem Zusammenhang durchaus erwähnenswert ist. Hans-Josef Fell schrieb Anfang Juli 2016 unter dem Titel „BGR unter Korruptionsverdacht“:
Wer da geglaubt hat, nur in den USA würden Firmen der alten fossilen Wirtschaft Wissenschaft und Politik schmieren, damit sie deren Interesse vertreten, sollte auch nach Deutschland schauen, wo sich ähnliches ereignet. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), eine der wichtigsten Beratungs- und Forschungsdienste der Bundesregierung, steht unter Korruptionsverdacht. Eine der bekanntesten Studien dieser Organisation erschien 1995 und kam zu dem Schluss, dass nicht der Mensch durch Verbrennung fossiler Energieträger den Klimawandel verursacht, sondern Wasserstoff und die Aktivität der Sonne. Ein gefundenes Fressen für Klimaskeptiker. Und seinerzeit von der Industrie bezahlt.
Die „Hans-Joachim-Martini-Stiftung“ fördert angewandte Geowissenschaften. Im Stiftungsrat sitzen auch BMWi und BGR. Die Gelder aber kommen zu einem überwiegenden Teil von der Industrie, die viel Geld mit klimaschädlichen Geschäften verdienen, darunter auch Bayer und RWE. Schon 2012 kritisierte das Bundeswirtschaftsministerium die Vergabepraxis von Preisgeldern für BGR Wissenschaftler. Sie seinen als Geschenke und nicht als Prämie zu werten. Also ein finanzieller Anreiz für die „Forscher“ der BGR zu Ergebnissen zu gelangen, die der Industrie zuträglich sind. Wie beispielsweise, dass nicht der anthropogene CO2-Ausstroß das Klima zerstöre.
Wenn man aber genauer hinsieht, überrascht es nicht, dass die BGR zu Schlüssen kommt, die zum Nutzen der alten fossilen Industrie sind. Prof. Hans-Joachim Kümpel, Präsident der BGR, erklärt beispielsweise immer wieder öffentlich, dass die Skepsis gegenüber Fracking unbegründet sei: Die Injektion von Fracking Fluiden verändere nicht die Qualität des Grundwassers und die Sorge wegen chemischer Additive sei nicht berechtigt. Gleichzeitig wird aber nach einer „grünen Alternative“ gesucht, die Fracking umweltfreundlich machen soll. Der Widerspruch ist deutlich. Fracking wird insbesondere auch von der BGR immer wieder als Chance gesehen, sich von ausländischen Gasimporten, vor allem aus Russland, unabhängig zu machen. Das Problem ist aber eben nicht nur die Abhängigkeit von ausländischen Gasimporten, sondern die Abhängigkeit vom Rohstoff Erdgas selbst. Auch wenn Erdgas immer wieder als umweltfreundliche Alternative angepriesen wird, darf nicht übersehen werden, dass auch Erdgas ein Klimatreiber ist und dies umso mehr, je mehr es aus gefrackten Gasfeldern kommt.“
Fazit
Wie wichtig Sprache ist, hat die Wahl in den USA durchaus wieder einmal deutlich gemacht. Von einem unsauberen Sprachgebrauch ist es oft nicht weit hin zur Manipiulation, die Übergänge sind fließend. Schnell wird daraus eine postfaktische Schwarz-Weiß-Malerei die mit verkürzten Darstellungen Wesentliches unter den Tisch kehrt. Auch mit Worten muss sorgsam umgegangen werden. Einfache Lösungen für komplexe Probleme gibt es nicht. Auch wenn es bequem wäre, um den Diskurs und einer kritischen Auseinandersetzung unseres Handeln können wir uns nicht drücken. Es stellt sich somit durchaus die Frage ob wir gegenwärtig unter einer schlechte Regierungsführung (engl. bad governance) leiden, oder ob vielmehr bereits Strategen am Ruder sitzen, die alles andere als unfähig sind. Ist Politik lediglich inkompetent, so erkennt sie die Problematik entweder nicht oder denkt womöglich, diese epochalen Entscheidungen für kurzfristige parlamentarische Mehrheitsverhältnisse ausnützen zu können. Beides hat dramatische Folgen.
