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Wencke Bagger

FASTEW: Die Wärmewende braucht mehr Physik und weniger politischen Debatten

Ein Beitrag von Wencke Bagger

Solarthermie zur erneuerbaren Wärmenutzung
[Bild: Sutter]

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um eine Neuausrichtung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) im Zuge des geplanten Gebäudeenergie-Modernisierungsgesetzes (GMG) hat sich der Fachausschuss Solarthermie – Erneuerbare Wärme (FASTEW) der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS) mit einem ersten Kommentar positioniert. Eine ausführliche Stellungnahme ist in Vorbereitung.

Physik als Grundlage der Wärmewende

„Die Natur kennt kein Parteibuch, keine Ideologie – nur Physik“, so der bekannte Leitsatz von Prof. Harald Lesch, den der Fachausschuss bewusst voranstellt. Denn aus naturwissenschaftlicher Sicht ist die Ausgangslage eindeutig: CO₂ ist der zentrale Treiber des menschengemachten Klimawandels. Entscheidend ist daher die konsequente und verlässliche Reduktion der Emissionen.

Energiepolitische Weichenstellung

Aus Sicht des FASTEW steht die aktuelle Debatte damit exemplarisch für eine grundlegende energiepolitische Weichenstellung: Wird die Wärmewende konsequent in Richtung klimaneutraler, heimischer Energiesysteme weiterentwickelt – oder drohen durch regulatorische Unschärfen und fossile Übergangslösungen erneut Verzögerungen im Transformationsprozess?

Langfristige Folgen heutiger Fehlentscheidungen

Der Fachausschuss warnt insbesondere vor langfristigen Lock-in-Effekten. Investitionsentscheidungen im Gebäudesektor wirken über Jahrzehnte: Heizsysteme und Infrastrukturen werden typischerweise 20 bis 30 Jahre betrieben. Wer heute fossile Übergangstechnologien installiert, legt damit die Emissionsstruktur der kommenden Jahrzehnte fest.

„Ein Rückschritt in fossile Strukturen wäre ökologisch widersinnig und ökonomisch riskant – gerade angesichts geopolitischer Krisen und volatiler Energiepreise“, betont Andreas Wöll, Vorsitzender des FASTEW.

Erneuerbare Wärmesysteme konsequent stärken

Stattdessen plädiert der Fachausschuss für eine konsequente Fortführung der Energie- und Wärmewende auf Basis der bereits zur Verfügung stehenden Technologien der Erneuerbaren. Dazu gehören der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien, eine stärkere Nutzung von Solarthermie, Investitionen in Wärme- und Stromspeicher sowie eine intelligent dezentralisierte Energieversorgung.

Solarthermie als die unterschätzte Schlüsseltechnologie

Solarthermie spielt dabei aus Sicht des FASTEW eine bislang unterschätzte Rolle: Als direkte, saisonal speicherbare und preisstabile Wärmequelle kann sie sowohl im Gebäudebereich als auch in Wärmenetzen einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.

„Die Transformation ist kein parteipolitisches Projekt, sondern eine naturwissenschaftliche Notwendigkeit. Dafür braucht es jetzt verlässliche politische Rahmenbedingungen für erneuerbare Wärme und Energiesysteme“, ergänzt Martin Schnauss, stellvertretender Vorsitzender des FASTEW.

Zentrale Forderungen des FASTEW

Die vollständige Stellungnahme des Fachausschusses wird in Kürze veröffentlicht. Zentrale Forderungen sind unter anderem:

  • Klare und verbindliche CO₂-Zielpfade statt unbestimmter Formulierungen
  • Vermeidung fossiler Lock-in-Effekte durch langfristige Investitionsentscheidungen
  • Konsequente Ausrichtung auf erneuerbare Wärmesysteme
  • Stärkere Integration und Anerkennung der Solarthermie als tragende Heiztechnologie
  • Verlässliche, langfristige und planbare Förderbedingungen
  • Verbesserte Rahmenbedingungen für solare Nah- und Fernwärmenetze

DGS Fachausschüsse

In verschiedenen DGS-Fachausschüssen (FA) arbeiten Experten und Expertinnen an aktuellen Fragen zu wissenschaftlichen und technischen Herausforderungen in den jeweiligen Themenbereichen. Auch Nichtmitglieder können in den Fachausschüssen mitwirken. Sprechen Sie einfach die Vorsitzenden der Fachausschüsse an, Infos und Kontaktdaten finden sich hier.