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Matthias Hüttmann

Erneuerbare Technologieoffenheit

Ein Veranstaltungseinblick von Matthias Hüttmann

Das Symposium Zukunft Wärme 2026 in Marburg
[Foto: Matthias Hüttmann]

Nachdem das erste Symposium Zukunft Wärme im letzten Jahr noch in den Gemäuern des Kloster Banz stattfand, wurde nun, neben der inhaltlichen und namensgebenden Änderung, auch der räumlicher Umzug vollzogen. Mit dem neuen Veranstaltungsort, dem Lokschuppen in Marburg hat der Veranstalter Conexio eine sehr gute Wahl getroffen. Schließlich wurde auch dieser, 1830 als Knotenpunkt für Lokomotiven zwischen Kassel und Frankfurt erbaut, in die heutige Zeit transformiert. Auf der Website ist zu lesen, dass „dieser historische Ort in einen Raum verwandelt wurde, der seine industrielle Vergangenheit mit einem außergewöhnlichen Stand der Technik und Innovation verbindet“. Die Transformation der traditionellen Veranstaltung unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Klaus Vajen und Peter Kuscher ist damit rundum gelungen.

Dieser Beitrag möchte einen kleinen Blick auf das Symposium werfen, das gerade noch läuft, während der Text bereits eingereicht wurde. In der Ausgabe 3|26 der SONNENENERGIE ist daher ein ausführlicherer Bericht des Symposiums geplant.

Wärme ohne und mit Solarthermie

Es gab nur noch wenige Beiträge, die sich ausschließlich mit der Solarwärmenutzung beschäftigen, auch wenn die Wurzeln der Veranstaltung, das betonte Klaus Vajen bei der Eröffnung leicht melancholisch, in der Solarthermie liegen. Diese, so seine Bitte, sollten auch nicht komplett abgetrennt werden. Darüber sind sich auch alle Teilnehmende wie auch der Tagungsbeirat einig. Andererseits war der Umzug auch nötig, da das Symposium in Staffelstein, egal wie sehr es inhaltlich, oder auch vom Titel angepasst wurde, stets das Solarthermie-Symposium geblieben war.

So öffnete sich das Symposium inhaltlich immer mehr, wurde in seinen Schwerpunkten breiter und damit für immer mehr Anwendende, wie etwa Energieberatende, interessanter. Und es gibt sie nach wie vor, die Vorträge mit hoher technischer Tiefe, die Einblicke in Forschung und Entwicklung, praxisnahe Erfahrungsberichte und nicht zuletzt auch so manchen Ausflug über den Tellerrand hinaus. Das Potpourri ist so vielfältig wie die Wärme selbst. Und zum Glück wird hier noch nicht all-electric gedacht, wenngleich die Wärmepumpe in allen ihren Variationen deutlich im Zentrum steht. Die Wärmebereitstellung der Zukunft, ein immer wieder geäußertes Credo funktioniert nur gemeinsam, ein Gegeneinander bringt uns nicht voran. Um es mal so auszudrücken: Wir brauchen regenerative Technologieoffenheit.

Ist es also problematisch, dass Solarthermie hier nur noch einen kleinen Raum einnimmt? Für uns, den historisch bedingten Anhängern dieser Technologie ist es sicher schmerzhaft, da ein Fundament wegzubrechen droht. Mit dem Blick auf das große Ganze, den Umbau der fossilen Energieversorgung, wäre das jedoch zu nostalgisch gedacht. Nicht desto trotz wäre es zweifelsohne fahrlässig die Wärmewende ohne Kollektoren zu denken. Wie genau die Rolle der aktiven Solarenergienutzung aussieht, wird sich zeigen, sie gedanklich abzuhaken schlichtweg dumm. Denn, das übersieht man schnell, wenn man sich zu sehr auf die elektrische Seite fokussiert: Solare Wärme, wie auch andere nicht strombasierte Wärme, ist durchaus netzdienlich. Passt somit hervorragend zum aktuellen Narrativ der Erneuerbaren Branche.

Marktberichte der Verbände: v.l.n.r.: Prof. Dr. Klaus Vajen (Moderation, Uni Kassel), Dr. Lothar Breidenbach (BDH), Charlotte Brauns (BSW Solar), Peter Kuscher (BWP). [Foto: Matthias Hüttmann]

Themenspektrum

In Marburg gab es einen bisweilen faszinierenden Einblick in die Zukunft der Wärme. Etwa tolle Projekte wie die Mannheimer Flusswasserwärmepumpe in der Dimension eines großem Gebäudes, die noch um zwei weitere Aggregate ergänzt werden wird. Passend dazu eine Studie über die Potentiale einer solchen Anwendung für Hessen, inklusive möglicher Restriktionen. Denn bei den nutzbaren Quellen und Speichermöglichkeiten sind die Möglichkeiten schier unbegrenzt, ob nun Abwasser, thermisch aktivierte Bauteile, Duschwasser oder einfach PVT, aber auch kreative Projekte in der Sanierung, es gab viel zu entdecken. Übrigens: Im neuen Symposiumskonzept findet sich der Themenblock Solararchitektur nicht mehr.

Der traditionelle Marktbericht der Verbände BSW, BDH und BWP warf einen Blick auf die schwierige Marktlage. Der Zubau an Wärmeerzeugern ist nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau, der Investitionsstau und die Kaufzurückhaltung spiegeln die Verunsicherung auf Seiten der Nutzenden und Anbietenden wieder, der kurze Boom, vor der Novellierung des GEG von Rot-Grün-Gelb, war nur ein Strohfeuer. Jedoch ist die Wärmepumpe, Ziel der politisch motivierten Kampagnen, letztendlich die einzige Technologie, die nahezu unbeschadet die müßigen Diskussionen der letzten Zeit überstanden hat. Kleines Detail am Rande: Die kumulierte Kollektorfläche in Deutschland nimmt erstmals ab. Das ist jedoch eine rein rechnerische Statistik, bei der Sonnenkollektoren nach 30 Jahren aus der Statistik fliegen.

GModG

Nicht zuletzt wurde sehr intensiv über das kommende Gebäudemodernisierunggesetz (GModD), gerne auch als GMurksG bezeichnet, gesprochen. Klaus Lamprecht gab dem Auditorium einen sehr guten Einblick in die geplanten Änderungen. Lamprecht, dessen Büro das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit berät, gab neben den praktischen Richtlinien auch einen Einblick in die Gründe, die letztendlich zu den Unzulänglichkeiten dieser Gesetzgebung geführt haben. Denn die politische Agenda, welche versprochen hatte ein Gesetz abzuschaffen, dass es nie gab (Heizungsgesetz) und einen Zwang zurückzunehmen (Einbau von Wärmepumpen), der nie existiert hatte, führte letztendlich zu dem Kollateralschaden, bei dem man selbst in der Klima-Union glaubt, dass Verfassungsklagen erfolgreich sein würden. Denn das bundesdeutsche Klimagesetz sieht eine Klimaneutralität bis 2045 vor, die Aufhebung des einst beschlossenen Verbots des Einbaus für fossile Heizungen ab 2040 ist ein elementarer Verstoß. Werden, wie wohl die Tage im Bundestag beschlossen wird, auch nach 2045 noch Gas- und Ölheizungen eingebaut werden dürfen, dann kann Deutschland zu dem Zeitpunkt unmöglich klimaneutral sein.

Interessanterweise könnte Solarthermie dennoch ein kleiner Profiteur der Novelle sein. Die geplante Novelle fordert für fossile Heizungen ab 2029 einen regenerativen Anteil von 10 % (2030: 15 %, später 30 %), auch Bio-Treppe genannt. Dort ist Solarwärme eine legitime „Erfüllungsoption“. Die zuvor angestrebten 65 % wären nur bedingt solarthermisch erreichbar gewesen. Kleiner Aspekt am Rande: Diese Optionen gelten erstmals, wenn diese Regierung nicht mehr im Amt sein wird, da die Wahl zum kommenden, dem 22. Deutschen Bundestag, spätestens am 25. März 2029 stattfindet. Eines ist jetzt schon sicher: Planungssicherheit, Verbraucherschutz und so manches mehr wurde aus kurzfristigen populistischen Motiven geopfert.