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Klaus Oberzig

Erneuerbare im Verbund auf kalifornisch: Tesla und Solarcity

In den vergangenen Wochen war der amerikanische Hersteller von Elektroautos, Tesla Motors, meist mit negativen Schlagzeilen in den deutschen Medien aufgetaucht. Ende Juni hatte ein Tesla-Pkw mit Autopilot einen Laster gerammt, der Fahrer kam ums Leben. Bei den Meldungen über diesen Unfall wurde die Firma immer wieder als Vertreter des autonomen Fahrens charakterisiert, ein Thema, das bei Technologie-Pionier Elon Musk, dem Mehrheitsaktionär des kalifornischen Elektroautobauers, nicht im Focus steht. Denn Musk beschäftigt sich neben der Elektromobilität auch mit der Produktion von Photovoltaik und dem Bau und der Entwicklung von Elektrospeichern. Er denkt sektorübergreifend. So ist er neben Tesla auch mehrheitlich am  US Photovoltaik-Unternehmen Solarcity beteiligt.

Seit längerem ist bekannt, dass Musk beide Unternehmen zusammenführen und mit seinem dritten Standbein,  einer Gigawatt-Fabrik für Speicher, „saubere Energielösungen aus einer Hand“ anbieten will. Tesla hat am Dienstag offiziell seine neue Batteriefabrik in Nevada eröffnet. Bis 2018 will der Konzern dort bis zu 5 Milliarden Dollar investieren, gemeinsam mit dem Kooperationspartner Panasonic. Und auch die Übernahme von Solarcity unter das Dach von Tesla scheint kurz vor dem Abschluss, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Danach werde Tesla für Solarcity rund 2,8  Milliarden US-Dollar bezahlen. Nach letzten Äußerungen von Musk könnten dann voraussichtlich Anfang 2017 die Lithium-Ionen-Batterien, die Tesla für sein zukünftiges Mittelklasseauto „Model 3“ braucht, in großen Stückzahlen produziert werden. Bereits 2018 wolle Tesla rund 500.000 Elektrofahrzeuge ausliefern, so die Planung von Musk.

Mit der Übernahme von Solarcity realisiert Musk den zweiten Teil seines Masterplans, einen „One-Stop-Shop“ für erneuerbare Energie zu schaffen. Tesla bietet den Verbrauchern  Photovoltaik-Anlagen, Speicher und Elektroautos aus einer Hand und unter einer Marke. Dies sei nur möglich, wenn Tesla und Solarcity nicht mehr verschiedene Firmen seien, sagte Musk dazu. Er realisiert damit eine Vision, die in Deutschland bislang wenige Anhänger hat, nämlich die der erneuerbaren Verbundlösungen. Um in der Energiewende voranzukommen, müssen erneuerbare Technologien kombiniert werden, um die damit verbundenen Synergieeffekte nutzen zu können. Auch wenn die Entwicklung der erneuerbaren Technologien von Deutschland ausging und hier sehr weit vorangetrieben wurden, lässt sich feststellen, dass deren kombinierte Anwendungen hierzulande noch zu wenig gedacht und realisiert wird. Zu stark ist die Orientierung, etwa beim Bau von Wind- oder Solarparks, an den Regeln des EEG, welches eine Förderung von Verbundlösungen gar nicht kennt.

Auch im Wärmebereich wird unter Kombi- oder Hybridlösungen die Verbindung von fossilen mit erneuerbaren Technologiekomponenten verstanden. Die Tatsache, dass dies nicht nur technologisch zu eingleisig gedacht und zu wenig anspruchsvoll ist, wird zudem von der Politik der Bundesregierung nicht aufgelöst, sondern noch verstärkt. Anstatt beim Aufbau der Elektromobilität in Deutschland einen Weg zu Verbundlösungen zu suchen, also Elektroautos, die Ökostrom fahren, zu fördern, wird die singuläre Anschaffung eines E-Mobils mit 4.000 Euro „belohnt“. Die bei Tesla integrierte Batterielösung mit PV, die sektorübergreifend auch für die Haustechnik, bis hin zum Wärmebereich einsetzbar ist, wird gar nicht erst versucht. Stattdessen „reicht es“, wenn die Elektromobilität den Kohleverstromern neue Kunden zutreibt. Die gleiche Förderphilosophie findet sich übrigens auch bei der Bafa-Förderung für den Wärmebereich. Gefördert werden rein quantitativ  Solarkollektoren, Wärmepumpen etc. aber keine erneuerbaren Verbundlösungen. Qualitative Maßstäbe gibt es nicht. Es wird spannend sein, ob und wie sich die Idee der EE-Verbundlösungen, oder des „One-Stop-Shop“, um bei der Terminologie des Tesla Geschäftsmodells zu bleiben, hier im Mutterland der Energiewende entwickeln wird.

Klaus Oberzig