Eine Betrachtung von Jörg Sutter

[Bild: Sutter]
Die Bundesnetzagentur hat Informationen über das Netzengpass-Management im 3. Quartal des letzten Jahres veröffentlicht. Demnach verzeichnen die Maßnahmen und Kosten jeweils einen weiteren Anstieg.
Der Netzausbau ist langsam und kommt in Gegenden, in denen die erneuerbaren Energien dynamisch ausgebaut werden, diesem Ausbau nicht hinterher. Aus Gründen der Stabilität der Stromversorgung darf das Stromnetz aber nicht überlastet werden. Deshalb haben die Netzbetreiber ein Bündel von Möglichkeiten an der Hand, diese Überlastungen zu verhindern. Eine davon ist das Netzengpass-Management.
Dabei erstellt der betroffene Netzbetreiber eine Simulation, wie seine Netze voraussichtlich ausgelastet sein werden. Damit werden mögliche Engpässe an einzelnen Stellen im Netz bestimmt. Anschließend werden Kraftwerke auf beiden Seiten dieser Engstelle geregelt: Auf der einen Seite der Engstelle wird die Stromerzeugung gedrosselt, auf der anderen Seite des Engpasses wird die Stromerzeugung erhöht.
Diese Engpass-Regelungen sind im vergangenen Jahr weiter angestiegen: das 3. Quartal zeigt im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 7 Prozent. Die Kosten dieser Maßnahmen sind sogar um rund 10 Prozent gestiegen.
Prozentual wenig Abregelung
Neben den Steigerungswerten nennt die Bundesnetzagentur aber auch die positive Seite der Statistik: Die Maßnahmen funktionieren und sorgen für ein stabiles Stromnetz. Nur 4 Prozent des Angebots an erneuerbaren Kilowattstunden musste abgeregelt werden, 96 Prozent dieses Stroms erreichte die Steckdose beim Endkunden. Die Absolutzahl ist trotzdem beeindruckend: 3.296 GWh aus erneuerbaren Quellen mussten im 3. Quartal 2025 abgeregelt werden. Fast die Hälfte der Redispatch-Maßnahmen betraf dabei Photovoltaik-Anlagen, was die Bundesnetzagentur aber auch den extremen Sonnenstunden im August 2025 zurechnet. Ein Sturmtief Mitte September in Norddeutschland hat zu einer ähnlichen Steigerung bei der Abregelung von Windanlagen geführt.

[Bild: Bundesnetzagentur]
Weitere Trends
Eine weitere Entwicklung hat die Bundesnetzagentur identifiziert: Die Maßnahmen zur Sicherung der Netzstabilität müssen immer häufiger in den niederen Netzebenen vollzogen werden und weniger in den Übertragungsnetzen.
Und: Von den Gesamtkosten dieser Maßnahmen, die für das 3. Quartal mit insgesamt 667 Mio. Euro angegeben sind, geht nur ein Bruchteil (127 Mio. Euro) als Entschädigung an die Anlagenbetreiber der abgeregelten Anlagen, dieser Betrag ist gegenüber dem Vorjahr sogar stabil geblieben. Der Grund hierfür waren die höheren Marktpreise am Strommarkt, die zu geringeren Ausgleichzahlungen geführt haben. Die Kosten für die Reservekraftwerke lagen bei 317 Mio. Euro.
Anmerkung des Autors
Nachdem von der Bundesnetzagentur diese Bestandsaufnahme (ohne weitere Interpretation) vorgenommen wurde, muss noch erwähnt werden: Die Installation von immer mehr großen Batteriespeichern wird zukünftig den Anstieg der Abregelungen dämpfen kann diese teils vermeiden. Durch Batterien kann der Strom dann zwischengespeichert statt abgeregelt werden. Es bleibt daher zu hoffen, dass neben dem Netzausbau auch der Aufbau der Stromspeicher zügig vorangeht.
