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Berit Müller

Energiewende im globalen Süden: Solarenergie in Tansania im Aufwind

Ein Situationsbericht von Berit Müller

Vor Ort auf Pemba 2025: Harry Rauch CEO ESR (rechts) mit Suleiman Hamad Omar, Ehrenamtsmitglied für das Tansanische Ministerium für Eigentum, Energie und Mineralien (links) und Amour Khalid vom staatlichen Energieversorger ZECO (Mitte)
[Foto: Harry Rauch]

Während in Deutschland aktuell über den weiteren Ausbau der Solarenergie diskutiert wird, nimmt er Einsatz dieser Technologie in anderen Teilen der Welt deutlich an Fahrt auf. Besonders im südlichen Afrika zeigt sich: Klimawandel und zunehmende Dürren setzen die traditionelle Stromversorgung aus Wasserkraft unter Druck. Fast logisch rückt damit die Solarenergie in den Fokus.

In den DGS-News werden sehr oft die positiven Beispiele herausgestellt. Diesmal sind wir in Tansania. Dort berät die DGS-Mitgliedsfirma ESR aus Grimma bei Leipzig seit 2020 die Regierung beim Ausbau der Solarenergie – und nun realisiert sie ein konkretes Großprojekt.

Tansania wächst – und damit auch der Energiebedarf

Tansania gehört zu den dynamisch wachsenden Volkswirtschaften Ostafrikas. Der Strombedarf steigt jährlich um etwa 5–10 %, während gleichzeitig nur ein Teil der Bevölkerung zuverlässig an das Stromnetz angeschlossen ist. Besonders in ländlichen Regionen bleibt der Zugang zu Elektrizität eine Herausforderung. Gleichzeitig ist die bestehende Stromversorgung stark von Wasserkraft abhängig – ein System, das zunehmend unter Druck gerät. In den letzten Jahren haben ausbleibende Regenfälle immer wieder zu Engpässen geführt. Vor diesem Hintergrund gewinnen solare Energielösungen zunehmend an Bedeutung.

In Tansania existieren bereits zahlreiche Mini-Grids; auch werden Solar-Home-Systeme breit genutzt. Diese Systeme ermöglichen eine flexible und vergleichsweise schnelle Elektrifizierung, insbesondere in Regionen, die kurzfristig nicht an das zentrale Netz angeschlossen werden können. Parallel dazu wächst auch im urbanen Raum das Interesse an Eigenversorgungslösungen – nicht zuletzt aufgrund steigender Energiepreise und einer teilweise unzuverlässigen Netzinfrastruktur.

Ideale solare Voraussetzungen für ein 30-MW-PV-Kraftwerk

Die Voraussetzungen sind dabei ideal: Mit einer solaren Einstrahlung von bis zu über 2.000 kWh pro Quadratmeter und Jahr gehört Tansania zu den sonnenreichsten Regionen der Welt. Dennoch steht der Ausbau größerer netzgekoppelter Photovoltaikanlagen noch am Anfang. Während der Off-Grid-Markt bereits weit entwickelt ist, beginnt sich der Fokus zunehmend auch auf größere Projekte zu verschieben.

Einstrahlung Tansania
[Quelle: globalsolaratlas.info, CC BY -4.0]

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist ein aktuelles Solarprojekt auf der Insel Pemba, Teil des Sansibar-Archipels. Hier entsteht derzeit eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 30 MWp. Die Anlage soll künftig einen wesentlichen Beitrag zur Stromversorgung der Insel leisten und insbesondere die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren.

Die DGS-Mitgliedsfirma ESR GmbH ist bereits seit mehreren Jahren in Tansania aktiv und berät die Regierung im Bereich der Solarenergie. 2023 konnte sie die Ausschreibung für die Errichtung und den Betrieb der 30 MWp Solarenergieversorgung der Insel Pemba für sich gewinnen.

Ein Bodengutachten ist unbedingt notwendig. Zur Erstellung genutzt: Handwagen mit mobiler Energieversorgung 200 W PV und 2 kWh Batterie
[Fotos Harry Rauch]

Kurz vor der Verwirklichung – Beteiligung möglich

Das Projekt befindet sich aktuell in der Umsetzungsphase. Planung, Genehmigungen und Projektvorbereitung sind abgeschlossen. Damit steht nun ein wichtiger Schritt bevor: die Realisierung einer Anlage. Denn die soll nicht nur zur Stabilisierung der Energieversorgung beitragen, sondern auch ein Signal für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien in der Region setzen.

Bemerkenswert ist dabei auch die Finanzierungsstruktur des Projekts. Neben klassischen Finanzierungsansätzen besteht die Möglichkeit, sich über Projektanteile zu beteiligen. Damit eröffnet sich für Investoren die Chance, direkt an einem konkreten Solarprojekt mit durchaus attraktiven Zinsen mitzuwirken und an dessen langfristiger Entwicklung teilzuhaben.

Fazit

Tansania zeigt damit exemplarisch, wie sich Energiesysteme im globalen Süden verändern. Zwischen wachsendem Energiebedarf, infrastrukturellen Herausforderungen und großem Potenzial für erneuerbare Energien entsteht ein Markt, der sich dynamisch entwickelt – und in dem Solarenergie eine zunehmend zentrale Rolle einnimmt.

Quellen

AHK/Exportinitiative Energie: Factsheet Tansania – Dezentrale Energieversorgung mit erneuerbaren Energien (2024)

Michael Chuba Okika et al.:In Energy Strategy Reviews (2025): The road map for sustainable development using solar energy in Tanzania, https://doi.org/10.1016/j.esr.2024.101630

ESR GmbH (2026): Projektbeschreibung und Unternehmensprofil; www.esr-se.de; Kontakt: Harry Rauch: hr@esr-se.de (Bei Interesse an Beteiligung hier melden)