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Götz Warnke

Energiekosten-Explosion? Selber schuld!

Ein Meinungsbeitrag von Götz Warnke

Wie auch immer der Anschluss aussieht – die Zukunft der Mobilität ist elektrisch
[Foto: Götz Warnke]

Was die Auswahl der Energieform für das eigene Kraftfahrzeug anbelangt, so herrscht in Deutschland absolute Technologieoffenheit: ob Benzin oder Diesel, ob Auto-, Bio- oder Erdgas, ob mit Wasserstoff oder batterieelektrisch, ob klimafeindlich oder klimafreundlich – es ist alles möglich und legal. Ähnlich, aber nicht identisch, sieht es beim Heizen von Gebäuden aus: Zwar haben Eigentümer von Appartements oder Mieter in Mehrfamilienhäusern nur in Ausnahmefällen Einfluss auf ihre Heizform. Aber für die Eigentümer von Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern im Bestand herrscht weitgehende Technologieoffenheit beim Einbau neuer Heizungen: ob Pellets oder Hackschnitzel, Biogas oder Solarthermie, ob Fern- oder Nahwärme, ob Infrarot- oder Wärmepumpen-Heizungen – es ist alles möglich und legal. Wohlgemerkt: auch nach dem ach so bösen Habeckschen Gebäudeenergiegesetz (GEG), im Volksmund auch Heizungsgesetz genannt. Allein der Neueinbau von Gas-, Kohle- und Öl-Heizungen ist verboten, wie übrigens auch in anderen Ländern wie Dänemark, Frankreich etc. – so viel zur führenden Technologienation Deutschland!

Wer so viel Entscheidungsfreiheit hat, trägt auch – ob als Autokäufer oder als Hauseigentümer – die Verantwortung für die eigene Entscheidung bzw. ihre Folgen. In vielen Bereichen wird das auch eingesehen, weil es juristisch klar geregelt ist: wem beispielsweise sein neuer, gemäß der technischen Beschreibung gelieferter SUV nicht in seine alte Betongarage passt, der kann dafür weder den SUV- noch den Garagenhersteller in Regress nehmen. So weit, so klar. Bei Entscheidungen, die mit einer gewissen Erwartungshaltung an das Fortbestehen von – für einen selbst günstigen – äußeren Bedingungen verknüpft sind, sieht das etwas anders aus: Wer im Vertrauen auf gleichbleibend günstige Energiepreise einen Verbrenner gekauft oder selbst nach dem Ende der russischen Gaslieferungen 2022 noch schnell eine neue Gasheizung eingebaut hat, steht nun vor einer Kostenexplosion.

Eigenverschulden wird verleugnet

Selbst lebenserfahrene Menschen machen überraschte Gesichter wie ein plötzlich aus dem Nest gefallenes Küken, um anschließend – nein, nicht nach der Mutter, sondern nach Vater Staat zu rufen: Der möge sie doch vor den negativen Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen mittels Tankrabatt, Steuersenkungen und Energiekosten-Bremse schützen. Frei nach dem gutmenschlichen bzw. linken Narrativ: Es – was auch immer – „muss bezahlbar bleiben“. Spoiler: In den 1980ern und 1990ern hieß es in gesellschaftlich fortschrittlichen Kreisen noch: „Die Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen“, und damit war keineswegs nur das Klimaproblem gemeint.

Die Klagen über die Energiekosten-Explosion und die damit verbundenen Forderungen stoßen dabei insbesondere bei Populisten – linken wie rechten, ganz rechten (AfD) – und Konservativen auf offene Ohren. Es sind zum Teil dieselben Kreise, die eine Energiewende in Deutschland sabotiert bzw. verzögert haben, und so die derzeitigen Probleme in Deutschland durch die gestiegenen Energiekosten mitverantworten. Dabei waren und sind sich diese Kreise auch für miese Propaganda und offensichtliche Unwahrheiten nicht zu schade: von geistfreier Rhetorik wie „Kein Diesel ist illegal“ (ja, ein Dummkopf auch nicht) über den angeblichen Zwang zur Wärmepumpe und ihrem angeblichen Nichtfunktionieren im Altbau bis zum faktenfreien Narrativ von den ach so häufig brennenden E-Autos – nein, hingegen machen die Verbrenner ihrem Namen alle Ehre. Die ganze Verunsicherung wird verschlimmert durch die fossil-verliebten Regierungsparteien CDU und CSU sowie eine wankelmütige EU, die das „Verbrenner-Aus“ aufweichen will und die CO2-Vorgaben für LKWs lockert.

Benzin-Subventionen kontraproduktiv

Immerhin sind sich zumindest die Wirtschaftsfachleute erstaunlich einig, dass Preissubventionen nicht sinnvoll sind, und dass man dadurch nur die fossilen Energiekonzerne noch reicher macht, die sich derzeit besonders in Deutschland recht ungeniert bedienen. Denn die in Deutschland und Europa landenden Energieströme sind direkt fast gar nicht vom Krieg im mittleren Osten betroffen: Deutschlands Rohölimporte kommen in erster Linie aus Norwegen, den USA, Kasachstan sowie Libyen – und nicht vom Persischen Golf. Deutschlands Gasimporte kommen überwiegend aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien; LNG wurde im vergangenen Jahr gar keines aus Katar importiert; selbst die EU insgesamt importierte gerade einmal acht Prozent ihres LNGs aus Katar. Doch der Markt für fossile Energien ist weltumspannend: Gibt es irgendwo einen Energie-Engpass, dann nutzen die fossilen Konzerne das für Preiserhöhungen bzw. leiten die Energieströme dorthin um, wo man die höchsten Gewinne erzielen kann.

Das könnten, ja müssten auch die Käufer neuer Autos und Heizungen wissen. Ebenso ist längst bekannt, dass ein großer Teil der weltweiten Erdöl-Förderung aus konfliktbehafteten Regionen und Staaten stammt: Neben den Anrainern des Persischen Golfs betrifft das u.a. Russland, Nigeria, Algerien, Angola, Libyen, Venezuela, sowie die Anrainer des Südchinesischen Meeres. Hier ausbrechende Konflikte können für Preisaufschläge an den Energiemärkten herhalten.

Diese immer wieder teuer zu stehen kommende Energie-Importabhängigkeit lässt sich beim Autofahren – aber auch beim Heizen – durch einen Umstieg auf elektrische Energie vermeiden. Denn Strom kann man mittels Erneuerbarer Energien – Sonnenenergie, Windenergie und Wasserkraft – auch im Inland erzeugen, ja z.T. als Bürgerenergie-Genossenschaft oder mit PV auf dem eigenen Hausdach sogar selbst bereitstellen. Das dient nicht nur der eigenen Energiesicherheit und finanziellen Planbarkeit, sondern auch der Energiesouveränität unseres Landes.

Wer hingegen sein Geld ins „fossile Spielkasino“ trägt, sollte anderen auch nicht in den Ohren liegen, wenn er Geld verloren hat.