Ein Bericht von Heinz Wraneschitz

[Foto: Heinz Wraneschitz]
Unter dem Motto „Stopp die Heizungsideologie“ machte Bayerns Energieminister Hubert Aiwanger in der Vergangenheit Stimmung gegen die von der Ampel-Koalition (und bis heute) massiv geförderte Umstellung der Gebäudewärmeproduktion auf Wärmepumpen (WP). Das bringt seit damals die gerade in Bayern starke Hersteller-Industrie dieser umgedrehten Kühlschrank-Technologie auf die Palme. Doch inzwischen versuchen Produzenten und Handwerk gemeinsam, den Freiwählerchef zu umschmeicheln.
Klingt im ersten Moment fast wie die Arschkriecherei von Nato-Verantwortlichen, Medien, Kultur oder Staatenlenkern gegenüber dem Möchtegern-„König von Amerika“ Trump. Scheint aber eher nachhaltig-wirtschaftliches Kalkül zu sein. Das jedenfalls blieb als Erkenntnis einer Pressegespräch des Bundesverbands Wärmepumpen (BWP) vom Mittwoch, 21. Januar 2026 hängen.
Wer vermutet, das Ganze wäre ein rein regionalwirtschaftlicher Termin gewesen, irrt gewaltig: „Mit Blick auf die in Berlin anstehenden Entscheidungen rund um das Gebäudeenergiegesetz forderten sie die bayerische Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für einen verlässlichen Rahmen einzusetzen“, nennt der BWP dafür als Hauptgrund. Bekanntlich will die Klein-Koalition aus CDSU und SPD das als „Heizungsgesetz“ verballhornte Gebäude-Energiegesetz (GEG) abschaffen – auch wenn nach aktuellem Stand nur der Name gewechselt wird, der Inhalt sich aber wohl nicht wesentlich ändern dürfte. Und Bayerns Staatsregierung hat im Bundesrat sechs wichtige Stimmen bei Berliner Gesetzesvorhaben. Denn nach aktuellem Beratungsstand werden sich die Koalitionär:innen wohl an den altbekannten Spruch halten: „Aus Raider wird Twix, sonst ändert sich nix“ – oder zumindest nicht viel.
Gleichzeitig ist der Freistaat auch ein wichtiger Puzzlestein in der Absatzstrategie der bundesdeutschen WP-Wirtschaft. So stammten 2025 fast zwanzig Prozent der Anträge auf GEG-Heizungsförderung aus Bayern. Die Herstellerbranche ist ebenfalls in Bayern stark vertreten: AlphaInnotec, Glen Dimplex, Kermi, Viessmann oder Wolf sind nur ein paar der bekannten dort ansässigen Produzenten-Namen. Allein die beschäftigen 5.000 Mitarbeitende und stehen für eine Mrd. Euro Jahresumsatz, war beim Pressegespräch zu erfahren. In ganz Deutschland sind in der Wärmepumpen-Branche gar bereits rund 70.000 Menschen beschäftigt und zuständig für einen Jahresumsatz von etwa 3,5 Mrd. Euro. Dabei sind hier die Installationsmitarbeiter:innen nicht eingerechnet: Allein in Bayern sind für die 7.500 SHK-Betriebe 65.000 Angestellte tätig.
Wärmepumpe „beliebtestes Heizsystem“
Im vergangenen Jahr wurden zwar bei mehr als der Hälfte aller neuen Heizungssysteme in Deutschland Wärmepumpen eingesetzt, fast 300.000 waren das, zu 80 Prozent wurden dabei Bestandsheizungen ersetzt. „WP sind also das beliebteste Heizungssystem“, so BWP-Geschäftsführer Martin Sahel, „doch der Markt ist geprägt von großer Unsicherheit.“
„Deshalb haben wir uns die Frage gestellt: Wie wollen wir uns eigentlich positionieren als Wirtschaftsstandort Deutschland?“, fragte deshalb Sahel rhetorisch und antwortete gleich selbst: „Wir können in Zukunft 100.000e neue Arbeitsplätze schaffen mit WP. Darüber müssen wir stärker reden – sonst fließt das Investorenkapital woanders hin“, also nicht nach Deutschland. Nicht zu vergessen: „Deutschland überweist jedes Jahr etwa 80 Milliarden Euro für den Import von Öl und Gas ins Ausland.“
Sprich: Die Branche will deutlicher sichtbar werden. „Doch wie kommuniziert man, dass WP weltweit auf dem Vormarsch sind, dass auch Bayern Wärmepumpenland ist, dass die Politik das Thema stärker besetzt?“ Zumal laut Sahel „jeder Fördereuro fast das Vierfache an Investitionen auslöst – wovon wieder 19 Prozent Mehrwertsteuer an den Staat zurückfließen“.
„Offener Austausch“ – mit welcher Wirkung?
Glaubt man Kerstin Wolff, der Geschäftsführerin von Glen Dimplex aus Kulmbach, dann war dieses erste Branchengespräch mit Minister Aiwanger „ein sehr offener Austausch. Darin ging es nicht nur um die rein sachliche Ebene“. Man habe auch über die „für Endverbraucher suboptimale Kommunikation für Wärmepumpe und Heizungsgesetz seitens der Politik gesprochen“, über die oft negative Berichterstattung in vielen Medien über WP, und wie man dem entgegenwirken könne. „Herr Aiwanger will dazu etwas beitragen, aber nicht dogmatisch“, so Wolff. „Wir reden von einer Zukunftstechnologie. Nun müssen wir versuchen, mit dem Minister eine gemeinsame Basis zu finden.“
Bekanntlich hat Hubert Aiwanger in der Vergangenheit eher auf Holz-Pellets oder (nicht vorhandenen) Wasserstoff gesetzt und Elektro-Wärmepumpen abgelehnt. Nun aber habe er „versprochen: Wir müssen den Zug ins Rollen bringen“, verlautete der Münchner SHK-Innungs-Obermeister Olaf Zimmermann. Dieser hat unter anderem neben Hersteller-Vertreter:innen oder Repräsentant:innen der Energiebranche an dem Erstgespräch teilgenommen.
Nicht das letzte Treffen…
Und das werde auch nicht das letzte sein, versprach Sahel. Denn Bastian Gierull vom Stromanbieter Octopus Energy ist überzeugt: „WP können viel effektiver sein, als irgend etwas zu verbrennen. Die WP-Branche ist bereit, in Konkurrenz zu anderen Technologien zu treten. Es ist ein Riesenpotenzial in Konkurrenz zu anderen Technologien wie Pellets vorhanden.“
Innungsmann Zimmermann bremste die Euphorie etwas: „Auf die Frage, wie Bayern den Plan zu den Energiezielen erfüllen will, ist vom Minister keine Antwort gekommen. Aber wir halten an dem Ziel 2045 fest. Die Grundlast soll dabei die WP sein: wir müssen ja was für die nächsten Generationen tun. Ich hoffe, das ist bei Herrn Aiwanger angekommen.“
In der Pressekonferenz kündigte die Branche passend dazu bereits eine Art Streitgespräch „Was ist die beste Heiztechnologie?“ unter Teilnahme von Minister Aiwanger an; ein Termin wurde nicht genannt. Aber: „Wir freuen uns drauf.“
