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Jörg Sutter

Die PV-Anlage als Einstieg in die Energiewende

Eine Studiendurchsicht von Jörg Sutter

Deckblatt Studie [Bild: Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND)]

Nachdem bis heute noch immer kein offizieller Referentenentwurf des EEG 2027 vorliegt, können wir uns an dieser Stelle mit der Bedeutung der PV-Anlagen, vor allem im kleinen Anlagensegment, beschäftigen. Gemäß dem Leak des EEG-Entwurfes sollen ja nach Wunsch des BMWE neue PV-Anlagen bis 25 kWp ab dem kommenden Jahr keinerlei Einspeisevergütung mehr bekommen. Die DGS und andere Verbände fürchten hier ein Einbrechen der Energiewende im Eigenheim. Dass dies nicht nur ein Problem der Photovoltaik ist sondern sich auch auf andere Bereiche der Energiewende auswirkt, zeigt ein Blick in die Studie „Monitoring Energiewende im Eigenheim“, die von der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) im vergangenen Oktober erstellt wurde.

PV-Anlage als Start der persönlichen Energiewende

Darin wird zuerst einmal analysiert, welcher Gebäudebestand überhaupt an Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland vorhanden ist, über welches Einkommen die Bewohnenden verfügen und in welchen Baujahren die Gebäude errichtet wurden. Dabei zeigt sich: Die Energiewende ist im Bereich der Eigenheime zu einem ganz großen Anteil bereits angekommen. Gemäß einer Allensbach-Umfrage, die für die Studie durchgeführt wurde, wollen 82 % der Eigenheimbesitzenden bis 2030 mindestens eine emissionsmindernde Technologie in ihren Gebäuden nutzen. Nach der Technologie aufgeschlüsselt steht die Photovoltaikanlage sowohl bei der schon heute bestehenden Nutzung als auch bei der möglichen Anschaffung in den kommenden Jahren bis 2030 auf Platz 1. Erst weiter hinten folgen Batteriespeicher, Elektroauto, Wärmepumpe und Solarthermie.

In einem weiteren Schritt untersucht die Studie die Anschaffungswünsche weiterer Technik abhängig davon, ob eine PV-Anlage schon vorhanden/geplant ist oder nicht. Und hier zeigt sich ein gravierender Unterschied: Ohne vorhandene oder geplante PV-Anlage nennen nur 4 % der Haushalte einen Batteriespeicher als zukünftige Anschaffung. Ist eine PV-Anlage vorhanden oder geplant, steigt dieser Anteil auf 80 %. Die Wärmepumpe nennen 17 % der Befragten als mögliche Anschaffung, wenn keine PV-Anlage vorhanden ist. Der Anteil steigt auf 54 %, wenn über eine PV-Anlage nachgedacht wird oder bereits eine installiert wurde. Analoges gilt für die Wallbox (Anstieg von 15 auf 56 %) und auch für die Solarthermie (Anstieg von 13 % auf 43 %). Letzteres ist besonders erstaunlich, da hier ja keinerlei technologischer Zusammenhang besteht.

Fazit: Die eigene PV-Anlage löst direkt oder indirekt viele weitere Investitionen in die Energiewende im Eigenheim aus.

Die Investitionsbereitschaft

Im zweiten Teil der Studie wurde die Investitionsbereitschaft auch abhängig vom Haushaltseinkommen abgefragt, die Befragten sollten hier auch bewerten, wie wichtig eine Förderung für ihre Investition ist. Die Ergebnisse dieser Befragung sind abhängig vom Einkommen, das war zu erwarten. Bei kleinen Einkommen unter 2.500 € pro Monat wird die staatliche Förderung von 73 % der Befragten als notwendig bezeichnet. In der Einkommensgruppe zwischen 2.500 und 5.000 € pro Monat liegt der Anteil aber immer noch bei hohen 56 %. Erst in der Einkommensklasse über 5.000 € sinkt er auf 37 %.

Fazit: Im Einkommensbereich von bis zu 5.000 € pro Monat als Netto-Haushaltseinkommen bezeichnen über 50 % der Befragten den Bedarf nach einer staatlichen Förderung für Ihre Investition als gegeben.

Eigenheim mit PV- und Solarthermieanlage [Foto: Jörg Sutter]

Die Hemmnisse

Weiterhin wurde gefragt, welche Hinderungsgründe vorliegen, wenn keine PV-Anlage geplant ist: Platz 1 der Hinderungsgründe waren die hohen Investitionskosten. Platz 2: die Aussage, eine PV-Anlage sei finanziell nicht lohnenswert. Nur ein Drittel der Befragten antwortete mit der Begründung, dass ihr Gebäude für eine PV-Anlage nicht geeignet sei.

Das Fazit der Studie

Die Studie zeigt auf, dass ein Großteil der angegebenen Investitionsvorhaben bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden könnte. Dann hätten knapp 11 Millionen Haushalte mindestens eine emissionssparende Technologie, gerade in den beiden kritischen Sektoren Gebäude und Verkehr, in denen die in den vergangenen Jahren beim CO2-Sparen nicht oder nur kaum vorangekommen sind. Damit wäre auch eine hohe Durchdringung der Eigenheime erreicht, denn die Gesamtzahl wird in der Studie mit 13,5 Millionen abgeschätzt. 11,1 von 13,5 ist damit ein großer Anteil an der Gesamtzahl.

Und das Wichtigste: „Wer in PV investiert, zieht mit hoher Wahrscheinlichkeit mit weiteren Technologien nach“, so die Studie. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Fazit auch bei der Politik in Berlin ankommt und Berücksichtigung findet.

Carolin Friedemann, Gründerin und Geschäftsführerin der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) [Foto: vogelwild und andres]

Drei Fragen zur Studie

Die Fragen beantwortete Carolin Friedemann, Gründerin und Geschäftsführerin der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND).

Frage: Hatten Sie im Vorfeld damit gerechnet, dass der „PV-Faktor“ so groß ist, also dass eine PV-Anlage so deutlich zu weiteren Investitionen führen wird?

Als wir die Studie konzipiert haben, haben wir vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen Solaranlagen und der Anschaffung weiterer Technologien gibt. Dass die Verbindung jedoch so stark ist, das hat uns überrascht. Aber im positiven Sinne. Zeigt es doch, dass zahlreiche Menschen schon den Verbrauch des selbst erzeugten Stroms mitdenken.

Frage: Was sollte die Bundespolitik aus Sicht der Studienergebnisse nun machen? Die Streichung der Förderung scheint ja ein wichtiger Baustein zu sein?

Unsere Zahlen zeigen, dass Photovoltaik ein Türöffner für weitere emissionssparende Technologien ist. Gleichzeitig ist die PV nun mal eine ausgereifte Technologie, die seit Beginn des EEG sehr viel günstiger geworden ist. Aus unserer Sicht kommt es beim Auslaufen der Einspeisevergütung auf 3 Dinge an: 1. In der Kommunikation ist es unabdingbar, den Vorteil von Eigenverbrauch zu kommunizieren. Viele Eigenheimbesitzer befürchten nämlich, dass sich eine Solaranlage nicht lohnt. 2. Netzdienliches Verhalten auch von Kleinerzeugern wird von verschiedenen Seiten gefordert, auch vom Energieministerium. Dann muss dies aber auch ermöglicht werden und ein schneller, flächendeckender Einsatz von Smart Metern gehört unbedingt dazu. Hier sind die Verteilnetzbetreiber in die Pflicht zu nehmen. Und schließlich wäre 3. zu überlegen, ob es eine kurze Übergangsfrist geben könnte statt eines harten Schnittes. Wie sehen immer wieder bei plötzlichen Förderstopps, dass bei einer Ankündigung Attentismus einsetzt und dann noch ein Einbruch kommt.

Frage: Wird dieses Monitoring in den kommenden Jahren von Ihnen fortgesetzt?

Gern möchten wir die Studie auch zukünftig durchführen, um einen ganzheitlichen Blick auf die Fortschritte bei der Elektrifizierung im Eigenheim zu werfen und Indikatoren für die politischen Rahmenbedingungen herauszuarbeiten. Da wir eine gemeinnützige Organisation sind, sind wir für die Durchführung solcher Studien auf Zuwendungen angewiesen – damit steht und fällt, ob es auch eine nächste und weitere Ausgaben geben wird.

Vielen Dank für Ihre Antworten.

Die Studie „Monitoring Energiewende im Eigenheim“ steht hier kostenfrei zum Download bereit.