Eine Betrachtung von Berit Müller

[Foto: Berit Müller]
Nach dem Beitrag im letzten Newsletter zur internationalen Tätigkeit eines DGS-Mitglieds in Tansania, berichtet der DGS Landesverband Berlin-Brandenburg diesmal aus Namibia. Dort wurde gerade vom 16. bis 20. März ein Coaching für das Solar Centre Windhoek (SCW) durchgeführt. Der Landesverband hat seit 2018 das Solarzentrum Berlin aufgebaut und betreibt es seitdem kontinuierlich, wodurch die Zusammenarbeit mit dem Projekt in Windhoek zustande kam.
Namibia verfügt über sehr gute Voraussetzungen für die Nutzung von Solarenergie: Die solare Einstrahlung gehört zu den höchsten weltweit. Gleichzeitig ist der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bislang begrenzt, ein großer Teil der Energie wird importiert.
In Windhoek, der Hauptstadt mit rund 450.000 Einwohner:innen, lebt ein erheblicher Teil der Bevölkerung in, teilweise informellen, Siedlungen (Communities). Gerade dort ist der Zugang zu verlässlicher Energieversorgung oft eingeschränkt oder mit hohen Kosten verbunden. Vor diesem Hintergrund kommt dezentralen Solarlösungen eine besondere Bedeutung zu.
Das Solar Centre Windhoek soll die Nutzung von Solarenergie deutlich voranbringen. Die Eröffnung ist für Ende April geplant. Das Projekt wurde im Rahmen der seit 25 Jahren bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Windhoek initiiert; die Projektleitung liegt bei der Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (BGZ). Bereits im November waren Vertreter der Energieversorgung Windhoek, die für Aufbau und Betrieb des Solar Centre Windhoeks verantwortlich sind, für zehn Tage in Berlin zu Gast, um die Arbeitsweise des Solarzentrums Berlin kennenzulernen und erste Ansätze für die Übertragung auf Windhoek zu entwickeln.
Im Mittelpunkt des Coachings stand die praktische Frage, wie ein Solarzentrum im Alltag arbeitet. Als vorbereitende Maßnahme zielte es darauf ab, Strukturen, Arbeitsweisen und Kooperationen frühzeitig zu entwickeln. Dabei ging es darum zu klären, welche Rollen notwendig sind, wie die Zusammenarbeit mit den Communities organisiert werden kann und wie Inhalte so vermittelt werden, dass sie auch ankommen.
Neben dem Kernteam, das ab April im Solarzentrum starten wird, wurden gezielt weitere Akteure einbezogen, darunter Expertinnen und Experten, Auszubildende aus den Trainingszentren des Energieversorgers sowie zukünftige Multiplikator:innen aus den Communities – von dem Solar Centre Team werden sie liebevoll „Solar Champions“ genannt. Dadurch konnte das Solarzentrum bereits in der Aufbauphase vernetzt werden, unterschiedliche Perspektiven wurden frühzeitig in die Entwicklung integriert und mögliche Trainer:innen für die Zukunft identifiziert.
Zwei World-Cafés als Arbeits- und Lernformat

[Fotos: Berit Müller]
Ein zentraler Bestandteil des Coachings waren zwei World-Café-Workshops, einer mit Akteuren/Expert:innen der Solarenergie aus Windhoek und einer mit den Solar Champions. Ein World-Café besteht aus verschiedenen Thementischen, an denen in kleinen Gruppen unterschiedliche Themen diskutiert werden. Jeder kann an verschiedenen Tischen mitdiskutieren.
In beiden Formaten wurden konkrete Fragestellungen bearbeitet, etwa zu den Erwartungen an das SCW, möglichen Beiträgen und dazu, wie die Zusammenarbeit sinnvoll organisiert werden kann. Gleichzeitig diente das Format dazu, die Methode kennenzulernen und ihre Anwendung praktisch zu erproben.
Die Ergebnisse wurden strukturiert dokumentiert und bilden eine Grundlage für die weitere Arbeit des Solar Centre Windhoek.
Technischer Trainingstag

[Foto: Berit Müller]
Ein weiterer Bestandteil der Woche war ein Techniktag, an dem die Grundlagen der Solarenergie behandelt wurden. Dabei wurden verschiedene Anwendungsbereiche besprochen, darunter die verschiedenen Systeme der solaren Wärmeerzeugung, inklusive eines kleinen Abstechers zu Solarkochern sowie netzgekoppelte PV-Anlagen und Off-Grid-Systeme.
Ziel war es, ein gemeinsames technisches Grundverständnis zu schaffen, das später in der Arbeit mit den Communities weitergegeben werden kann.
Rolle der Solar Champions

[Foto: Berit Müller]
Im Coaching wurde auch die Rolle der Solar Champions konkret ausgearbeitet. Sie übernehmen die Arbeit in den Communities und sind zentrale Akteure für die Umsetzung vor Ort.
Ihre Aufgaben bestehen darin, Wissen verständlich zu vermitteln, Aktivitäten und Demonstrationen durchzuführen, bestehende Treffpunkte und Veranstaltungen zu nutzen und Erfahrungen sowie Bedarfe an das Solar Centre Windhoek zurückzumelden.
Das Solar Centre unterstützt die Champions durch Trainings, Materialien und eine organisatorische Struktur, die die Zusammenarbeit erleichtert.
Konkrete Ansätze für die Umsetzung

[Foto: Berit Müller]
Die im Coaching erarbeiteten Ergebnisse zeigen, wie die Arbeit in den Communities konkret gestaltet werden kann. Informationen sollten über bestehende Strukturen verbreitet werden, etwa über Community Meetings, Märkte, Kirchen oder digitale Kanäle wie WhatsApp.
Für die interne Organisation wurden regelmäßige Treffen, klare Zuständigkeiten und kontinuierliche Weiterbildung als zentrale Elemente identifiziert. Diese Ansätze wurden gemeinsam mit den beteiligten Akteuren entwickelt und sind direkt anschlussfähig für die praktische Arbeit des Solar Centre Windhoek.
Einordnung in die internationale Arbeit

[Foto: Berit Müller]
Der DGS Landesverband Berlin-Brandenburg hat bereits in verschiedenen Ländern den Aufbau von Solarschulen begleitet. Mit dem Solar Centre Windhoek wird nun erstmals ein Solarzentrum in diesem Umfang gecoacht.
Ein wichtiger Unterschied ist dabei die Einbindung in die Stadtstruktur: Das Solar Centre Windhoek ist im Department für Energie der Stadt Windhoek verankert. Wir halten das für eine gute Voraussetzung, um Themen wie Beratung, Schulung, thematische Diskussionen und Vernetzung langfristig zu etablieren.
Die Strukturen sind jetzt angelegt. Wie sie sich im Alltag bewähren, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
