Ein Bericht von Götz Warnke

[Foto: Götz Warnke]
Jedes Energiesystem und die meisten der genutzten Energieformen benötigen Speicher. Der von Anhängern des fossilen Energiesystems gegen die Erneuerbaren Energien erhobene Vorwurf, sie seien fluktuierende Energien (Hans-Werner Sinns „Zappelenergien“), und deshalb müsse man immer noch extra für teuer Geld Speicher hinzu bauen, ist unwahre Propaganda und dient nur der Diskreditierung der Erneuerbaren Energien.
Denn die Fossil-Energien sind ebenso auf Speicher angewiesen: was wäre ein Kohlekraftwerk ohne einen großen Kohlebunker, was eine Ölheizung ohne die Tanks im Keller, was die Industrie ohne das Gasnetz? Niemand würde sich hier auf Energielieferungen „just in time“ verlassen.
Natürlich brauchen auch die Erneuerbaren ihre Speicher; das gilt im Großen wie im Kleinen. Und wenn im Kleinen die Energiewender ihre Energiegewinnungsanlagen für den Hausgebrauch in Form von Solarkollektoren, Wind- oder Wasserrädern selbst installieren oder sogar selbst bauen, so trifft das auch auf den Speicherbereich mit seinen verschiedenen Formen zu.
Biogas-Speicher
Große Biogasspeicher mit ihren pilzförmigen Hüllen sind ja mittlerweile landschaftsprägend. Weniger sichtbar und durchaus seltener sind hingegen die kleinen Speicher in den Gärten. Die organischen Materialien, aus deren Zersetzung das Biogas entsteht, sind Garten- und Küchenabfälle sowie bisweilen auch Schwarzwasser.
Neue häusliche Biogasspeicher entstehen überwiegend im Zusammenhang mit dem Bau einer Biogas-Anlage für das Kochen oder Grillen mit Gas. Für umfänglichere Nutzungsformen wie das Aufheizen des Duschwassers oder gar das Heizen eines Hauses ist die Menge des im häuslichen Umfeld – also jenseits landwirtschaftlicher oder Lebensmittel verarbeitender Betriebe – einfach zu gering.
Für häusliche Biogasspeicher gibt es grundsätzlich zwei Quellen: den Kauf oder den Selbstbau des gewünschten Speichers. Käuflich erwerben kann man kleine Gartenspeicher bei der israelischen Firma HomeBiogas Ltd., die haushaltsgerechte Biogasanlagen vertreibt. Dabei werden Küchenabfälle von oben in einen Behälter geschüttet, der von einer schwarzen, gasdichten Hülle umschlossen ist. Das entstehende Gas kann dann zum Grillen verwendet werden.
Eine Art Biogas-Rucksack liefert die Firma (B)energy der Unternehmerin und Innovatorin Katrin Pütz.
Auf der anderen Seite bietet das Internet jede Menge Selbstbauanleitungen für unterschiedliche heimische Bedürfnisse – ganz gleich, ob in gedruckter Form oder als Video –, die sich mit Suchbegriffen wie „Speicher Biogas DIY“ oder ähnlichen leicht finden lassen. Als Gasspeicher dienen dabei meist Fässer und Container aus Kunststoff.
Wärmespeicher
Für die eigene Installation oder den Selbstbau von Wärmespeichern kommen als Speichermedien im häuslichen Umfeld vor allem Wasser und Sand in Frage.
Wie auch immer geheizt wird – Wasserspeicher sind in Form von Heizungswasserspeichern in den meisten Haushalten vorhanden. Kombispeicher, die warmes Wasser zum Baden, Duschen, Heizen und Spülen – eventuell mit Warmwasseranschluss sogar für Waschmaschine und Geschirrspüler – bevorraten, haben je nach Bedarf des Haushalts eine Größe von 200 bis 1.000 Litern und werden überwiegend im Keller aufgestellt. Noch größer sind die saisonalen oder Langzeit-Wärmespeicher für große Solaranlagen auf dem privaten Hausdach – hier kommt man auf 3.000 bis 10.000 Liter. Diese lassen sich nur während der Bauphase in ein Privathaus integrieren und sonst nur im Außenbereich platzieren. Bis auf kleinere Speicher im Keller sind große Wasserwärmespeicher nur etwas für Fachleute.
Aber es geht auch einfacher: mit den günstigen Steckersolargeräten („Balkonkraftwerke“) kam die Idee auf, überschüssigen PV-Strom zum Aufheizen des Warmwasserboilers bzw. des Wand- oder Tischspeichers zu verwenden, die als Wasserspeicher in Wohnungen meist Größen von unter 100 Litern haben. Ein Nachteil bei den Boilern ist ihre zumeist schlechte Isolierung. Während es bei den meisten Warmwasserspeichern allenfalls um das Installieren geht, gibt es zumindest bei den Warmwasserboilern für Wohnmobile auch eine Selbstbau-Szene. Häufig werden diese Boiler bisher jedoch mit der Wärme des Verbrennungsmotors und nicht mit PV oder ST beheizt.
Neben den Wasserspeichern gewinnen Sandspeicher heute immer mehr an Aufmerksamkeit. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie nicht von Leckagen betroffen sind, sich deutlich über 100°C aufheizen lassen, und daher auf kleinem Raum mehr Energie speichern können. Dort gibt es neben professionellen Systemen eine kreative Selbstbau-Szene, wie sich hier oder hier zeigt.
Stromspeicher
Unter den verschiedenen Formen von Stromspeichern wie Druckluftspeichern oder Schwungrädern sind aus verschiedenen Gründen nur die Akkus für den Selbstbau geeignet. Bei richtiger Handhabung ist zwar die Gefahr von Bränden sehr gering, aber grundsätzlich nicht auszuschließen. Bei völlig falscher Handhabung kann es natürlich brandgefährlich werden, etwa wenn man eine Primärzelle in ein Akkuladegerät einlegt. Bei allen Anleitungen gilt: Der Akku-Bastler baut seinen Akku auf eigene Gefahr! Insofern ist eine Kenntnis der elektrischen Grundlagen zwingend erforderlich.
Die erste Entscheidung beim Selbstbau ist, ob man auf Neu-Akkus oder auf Second-Use-Akkus setzt. Dann kommt die Auswahl der gewünschten Zellchemie, woran sich die Frage nach Qualität und Preis anschließt. Bei Second-Use-Akkus ist die Entscheidung zu treffen, ob man auf Laptop-, E-Zigaretten- oder E-Bike-Akkus setzt. Bei allen, aber insbesondere bei letzteren ist darauf zu achten, dass sie nicht beschädigt sind.
Anleitungen/Beispiele gibt es sowohl in Form von Papern als auch in Form von Videos. Was dem Selbstbauer niemand abnehmen kann, ist die eigenverantwortlich-kritische Auswahl der einzelnen Kanäle für das eigene Projekt; das ist schlicht Vertrauenssache. Ein gewisses Zutrauen gibt es, wenn die „Ratgeber“ Physiker, Chemiker oder Techniker sind.
Die nächsten Jahre werden spannend werden, wenn deutlich wird, was künftig den Markt der Heimwerker und Selbstbauer bestimmt: Neue, günstige Fabrik-Akkus z.B. auf Basis der Natrium-Ionen-Techhnologie oder billige Second-Use-Akkus, die nach der ab 2027 verstärkt geltenden EU-Batterieverordnung vermehrt auf den Markt kommen werden.
