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Andreas Horn

Der Jahresmarktwert Solar 2025

Eine Marktbeobachtung von Andreas Horn

Die Jahresmarktwerte von Sonne, Wind und Börsenpreis im zeitlichen Verlauf.
[Grafik: Dr. Andreas Horn; Datenquelle: www.netztransparenz.de & www.energy-charts.info.]

Das Jahr 2025 ist abgeschlossen: die Übertragungsnetzbetreiber haben im Januar unter Netztransparenz.de nicht nur den Monatsmarktwert Solar bekannt gegeben, sondern auch den Jahresmarktwert. Die wichtigsten Erkenntnisse vorweg:

  • Strom ist an der Börse teurer geworden (von 7,946 Ct/kWh auf 8,932 Ct/kWh), aber
  • der Marktwert von Solarstrom ist leicht gesunken (von 4,624 Ct/kWh auf 4,508 Ct/kWh),
  • trotzdem erhalten Ü20-Anlagen eine höhere Vergütung (von 2,816 Ct/kWh auf 3,793 Ct/kWh);
  • es gibt mehr Stunden mit negativen Strompreisen, aber diese sind weniger negativ

Klingt etwas widersprüchlich? Lässt sich aber bei genauem Hinsehen gut erklären…

Monatsmarktwerte im Dezember 2025

Doch beginnen wir wie üblich mit den Monatsmarktwerten: der Monatsmarktwert Solar war im Dezember mit 9,373 Ct/kWh fast genau gleich teuer wie der Spotmarktpreis. Der Monatsmittelwert der Stundenkontrakte EPEX Spot lag bei 9,347 Ct/kWh. Strom aus Windkraft erzielte einen Marktwert von 8,349 Ct/kWh für Onshore-Windstrom, und 8,608 Ct/kWh für Offshore Windstrom.

Gegenüber dem Vormonat waren die Preise somit kaum verändert. Der Jahresvergleich ist etwas uneinheitlich: Spotmarkt- und Solarpreis sind gegenüber 2024 um etwa 1,5 Ct/kWh gesunken, während Strom aus Windkraft um rund 1 Ct/kWh gestiegen ist. Alles in allem war der Dezember bei den Monatsmarktwerten also unauffällig. Dies bestätigt sich auch bei der Auswertung relativer Werte und den weiteren Darstellungsvarianten, die in der letzten Monatsauswertung für November 2025 erläutert wurden. Die Grafiken der weiteren Auswertungen sind wieder als pdf-Sammelmappe verfügbar.

Betrachten wir die Jahreswerte im Titelbild: für den Zeitraum von 2012 bis 2019 sind wenige Daten verfügbar. Der Spotmarktpreis ist eine wichtige Referenzgröße (schwarze Linie) und gibt Auskunft darüber, zu welchen Preisen Strom zu früheren „normalen“ Zeiten – also vor Corona und dem Ukrainekrieg – gehandelt wurde. Aus dieser Zeit ist bei www.netztransparenz.de nur der „tatsächliche Jahresmittelwert Solar nach §33 EEG 2012“ bekannt. Dieser Wert wurde etwas anders definiert als der Jahresmarktwert, der seit 2020 veröffentlicht wird und bei dem auch Strommengen bei der Berechnung berücksichtigt werden. Zu beachten ist, dass die Preise nicht inflationsbereinigt sind. Unter Berücksichtigung der Inflationsrate wären die damaligen Preise aus heutiger Sicht ca. 1 Ct/kWh mehr wert (gestrichelte Linien). Man erkennt gut: der Jahresmittelwert Solar war bis 2019 fast identisch zum Spotmarkt-Jahreswert. Das ist verständlich, denn die Solarstromerzeugung war damals noch zu gering, um Einfluss auf die Börsenpreise zu haben. So lagen Börsenpreis und Solar-Jahresmittelwert ziemlich konstant im Bereich von rund drei bis vier Cent pro Kilowattstunde – bzw. inflationsbereinigt bei ca. 4 bis 6 Cent pro Kilowattstunde.

Nach dem dramatischen Spitzenwert des Strompreises im Jahr 2022 ist der Strompreis wieder gefallen, aber mit ca. 8 bis 9 Ct/kWh (inflationsbereinigt) fast doppelt so teuer wie in den 2010er Jahren. Es ist verständlich, dass dieser Strompreisanstieg für Verbraucher – insbesondere industrielle Großverbraucher – problematisch ist! Doch was ist die Ursache für die höheren Strompreise? Etwa der PV-Zubau? Nein: wie die Energy-Charts zeigen, kann der Börsenpreis sehr gut durch die Kombination des zweifachen des Gaspreises zuzüglich das 0,4-fache des CO2-Zertifikatepreises angenähert werden. In der Titelgrafik wurden als „best fit“ die Faktoren 1,67 für den Gaspreis und 0,39 für den CO2-Zertifikatepreis verwendet: die gestapelten Säulen von Gas- und Zertifikatepreis führen in Summe fast exakt zum beobachteten Spotmarktpreis! Und nun erkennt man, was die Ursachen für die gestiegenen Strompreise sind: die Gaspreise haben sich von rund 3 Ct/kWh auf 6 Ct/kWh verdoppelt, und die CO2-Zertifikatekosten von weniger als 1 Ct/kWh auf rund 3 Ct/kWh sogar verdreifacht. Aufgrund des Merit-Order-Prinzips bei der Preisfindung an der Strombörse sind Gaskraftwerke mit deren höchsten Stromgestehungskosten preissetzend. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass der Strompreis sehr gut durch den Gas- und CO2-Preis beschrieben wird.

Dass Solarstrom trotz steigendem Spotmarktpreis weniger wert war liegt prinzipiell an der Gleichzeitigkeit der Stromproduktion der PV-Anlagen in den Tagesstunden. Die relativen Darstellungen in Abb. 2 und 3 der pdf-Sammelmappe verdeutlichen dies. Da der Abzugsbetrag der Netzbetreiber für die Vermarktungskosten jedoch in 2025 deutlich zurückgegangen ist, steigt die Vergütung für Solarstrom aus Ü20-Anlagen trotzdem um etwa einen Cent pro Kilowattstunde.

Sehr interessant ist die geordnete Jahresdauerlinie der Börsenpreise:

Wenn man die Börsenpreise aller (Viertel-) Stunden eines Jahres nach deren Höhe sortiert, so erhält man eine „geordnete Jahresdauerlinie der Börsenpreise“. Um Effekte schwankender Gas- und CO2-Zertifikatepreise zu eliminieren wurden die Werte auf den jeweiligen Jahresmittelwert normiert. Dargestellt werden nur die Werte in jeweils ca. 18 Wochen mit den höchsten und niedrigsten Börsenpreisen.

Im rechten Teil der Grafik ist zu erkennen, dass mit steigendem PV-Ausbau zunehmend mehr Stunden mit Strompreisen um Null auftreten. In der Legende sind für die jeweiligen Jahre die Anzahl der negativen Stunden, der niedrigste Strompreis, sowie die „Fläche“ (bezeichnet als P*dt) unterhalb der Nulllinie ausgewiesen. Obwohl also die Anzahl der Stunden mit negativen Strompreisen zugenommen hat, so sind diese doch immer „weniger negativ“. Die Ursache negativer Strompreise sind Kraftwerke mit „Dampfkessel“, die aus technischen Gründen unter Dampf bleiben müssen – koste es, was es wolle. Je weniger Dampfkessel für die Stromproduktion gebraucht werden, und je mehr Batterie-Speicher um billigen Ladestrom konkurrieren, desto mehr werden negative Strompreise in wenigen Jahren verschwinden.

Während wir uns also um „negative Strompreise“ wenig Sorgen machen müssen, so bleiben doch die hohen Preise im linken Bereich der Grafik unvorhersehbar. In diesen wenigen Stunden von Dunkelflauten werden „Knappheitspreise“ aufgerufen, die den Verbrauchern teuer zu stehen kommen können. Wer in den insgesamt rund 250 Stunden pro Jahr, in denen Preise von mehr als dem doppelten der Jahresdurchschnittswerte erreicht wurden, auf Stromverbrauch verzichten kann oder gar gesicherte Leistung (z. B. aus BHKW) anbieten kann, ist König! Denn in der restlichen Zeit des Jahres wird Strom immer billiger und geht für zunehmend mehr Wochen gegen Null.

Es ist wenig plausibel, dass Gaskraftwerke Strom in Zukunft billiger machen werden. Mit steuerfinanzierten Gaskraftwerken können lediglich Stromkosten als Steuern versteckt werden. Um Stromkosten zu senken, ist ein weiterer Ausbau Erneuerbarer Energien hilfreich: mit dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien sinkt die CO2-Intensität der Stromproduktion und somit auch der CO2-Zertifikateanteil am Strompreis. EE-Erzeugungsanlagen und Batterien verdrängen zunehmend fossile Kraftwerke und helfen weiterhin die Strompreise zu senken. Besonderes Augenmerk muss auf kluge Lösungen für die seltenen Dunkelflauten gelegt werden, damit Versorgungssicherheit nicht unbezahlbar wird.

Es bleibt noch viel zu tun – packen wir es an!