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Jörg Sutter

Das Stromjahr 2025

Eine Betrachtung von Jörg Sutter

PV-Anlage im Schnee
[Bild: Jörg Sutter]

Das Jahr 2025 ist Geschichte und es liegen die ersten Auswertungen aus dem Energie- und Strombereich vor. Demnach gab es im letzten Jahr Licht und Schatten beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland.

Schon öfters hatten wir an dieser Stelle die Energycharts des Fraunhofer ISE genannt, von dem dort tätigen Dr. Bruno Burger und seinem Team stammt eine aktuelle Auswertung des Strombereiches („Stromerzegung in Deutschland im Jahr 2025“), aus der sich einige Entwicklungen erkennen lassen. Das Originaldokument ist am Ende dieses Textes verlinkt.

Die erneuerbaren Energien haben danach im vergangenen Jahr in Deutschland 278 TWh Strom erzeugt, das sind 278.000 GWh oder 278.000.000 MWh. Davon wurden 256 TWh in das öffentliche Stromnetz eingespeist, 22 TWh wurden (vor allem mit Solarstrom) als Eigenverbrauch direkt am Ort der Erzeugung genutzt. Der Anteil der Erneuerbaren ist damit gegenüber 2024 fast konstant geblieben, die Erhöhung beträgt nur 6 TWh. Als Hauptgrund nennen die Autoren den zu schwachen Ausbau bei der Windenergie.

Der Anteil der Erneuerbaren am Strommix der öffentlichen Versorgung lag damit wie im Vorjahr bei 55,9 Prozent.

Zuwachs bei der Photovoltaik

Die PV hat im vergangenen Jahr kräftig zugelegt: Mit 116,8 GW installierter Modulleistung wurden 2025 rund 87 GWh Strom erzeugt, die Photovoltaik war nach der Windenergie damit der zweitgrößte Stromerzeuger noch vor dem Kohlestrom. Die Stromerzeugung aus PV hat sich auch europaweit laut Energychats damit in den vergangenen 10 Jahren verdreifacht.

Als Zubau für 2025 wird von Energycharts ein Wert von 16,2 GW genannt, der Bundesverband Solarwirtschaft spricht aktuell von rund 17,5 GW. Hintergrund der unterschiedlichen Werte sind die Abschätzungen der Anmeldungen, denn auch im Januar 2026 können noch errichtete Anlagen, die im Dezember 2025 ans Netz gegangen sind, angemeldet werden. Die exakten Werte stehen daher erst in einigen Wochen zur Verfügung. Und was heißt exakt: Nachdem sicherlich noch immer einige Steckersolargeräte nicht angemeldet werden, verbleibt trotzdem eine Unschärfe, der Zubau ist real sicher leicht größer als die gemeldeten Zahlen.

Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung in Deutschland
[Bild: Energycharts / Fraunhofer ISE]

Rückzug der fossilen Energien

Ein Blick auf die Stromerzeugung aus fossilen Quellen zeigt: Der Rückzug ist in vollem Gange, auch wenn die Werte im direkten Vergleich zum Vorjahr wieder leicht gestiegen sind. Die Erzeugung aus Stein- und Braunkohle ging weiter zurück, bei der Steinkohle liegen die 26,7 GWh auf dem Niveau von 1952 (!). Ersetzt wurde das zum Teil durch die Stromgewinnung aus Erdgas, die auch den Stromimport leicht absenkte.

Deutschland hat im vergangenen Jahr bei den Importen größtenteils „sauberen“ Strom eingeführt: Die größte Importmenge mit 12,4 TWh kam aus Dänemark (v.a. Wind) vor Frankreich mit 11,2 TWh (v.a. AKW und Wind) und den Niederlanden mit 8,4 TWh (v.a. Wind).

Entwicklung der CO2-Emissionen über die Jahre
[Bild: Energycharts / Fraunhofer ISE]

Strompreise

Der Börsenpreis für Strom ist im vergangenen Jahr leicht angestiegen und lag (bei Day-ahead, volumengewichtet) bei 8,65 Cent pro kWh (2024: 7,8 Cent/kWh). Die Zahl der negativen Strompreise nahm 2025 zu: 575 waren es 2025 gegenüber 459 im Jahr zuvor.

Das Jahr 2025 endete in den letzten Monaten ohne Zeiten negativer Strompreise, was nicht verwundert, denn in den Wintermonaten bleibt die PV-Erzeugung tagsüber gering, damit auch das Risiko einer massiven „Zuviel“-Erzeugung, die die Preise in den Keller treibt. Ein zweiter Effekt könnte in diesem Jahr auch zur Beruhigung der Berg- und Talfahrten der Strompreise helfen: Die wachsende Zahl von Batteriespeichern, die auf eben diese Preissignale reagieren und den Preisspitzen in beide Richtungen entgegenwirken. Das sind vor allem die Großspeicher, die im Jahr 2025 deutlich zugelegt haben: Zu Jahresbeginn 2025 waren 2,3 GWh Speicherkapazität verfügbar, zum Jahresende waren es mit 3,7 GWh rund 60 Prozent mehr. Und insgesamt 11,5 GWh kommende Speicher wurden bei der Bundesnetzagentur bereits mit einem geplanten Inbetriebnahmedatum angemeldet.

Über den Strom hinaus

Ist also alles auf dem richtigen Weg im Bereich der Energiewende? Wenn man den Strombereich anschaut, könnte man ein „ist OK“ interpretieren, jedoch wechselt das zu einem „wir sind zu langsam“, wenn man auch die anderen Energieträger und die CO2-Emissionen insgesamt ansieht.

Das zeigt das Bild 3. Wir haben zwar eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 56 % gegenüber 1990 erreicht, doch zwischen 2024 und 2025 traten wir praktisch auf der Stelle, die Absenkung lag bei der Stromerzeugung laut Energycharts bei 0 Prozent.

Agora Energiewende hat dazu eine detaillierte Auswertung vorgelegt, die nicht nur den Stromsektor, sondern alle Emissionsbereiche umfasst. Agora warnt, dass der Klimaschutz auf dem Rückzug sei, denn insgesamt betrachtet liegt eine Absenkung um nur 1,5 % gegenüber 2024 vor, im Gebäude- und Verkehrssektor sind die CO2-Ausstöße in 2025 sogar weiter angestiegen.

Ausblick auf 2026

Die Auswertung von Agora Energiewende gibt auch einen Ausblick auf 2026, betrachten wir dabei vor allem den PV-Ausbau. Bei diesem deutet sich politisch schon an, dass das bisherige Ausbauziel von 22 GWp pro Jahr nach EEG abgesenkt wird, denn die Prognosen des BWME prognostizieren einen schwächeren Stromverbrauch als vor einigen Jahren noch erwartet, damit sinkt auch die notwendige Solarstrommenge.

Der Bundesverband Solarwirtschaft spricht in einer aktuellen Meldung von rund 20 GWp Jahresausbau, der notwendig ist, um das Ziel der 215 GWp im Jahr 2030 zu erreichen. Nach einer Grafik in der Auswertung der Agora Energiewende werden rund 19 GWp an neuen Anlagen pro Jahr benötigt.

Ein weiteren spannender Hinweis liefern die Energycharts: Dadurch, dass immer mehr PV-Anlagen heute eigenverbrauchsoptimiert aufgebaut werden, erreichen diese Anlagen nicht mehr die kWh/kWp-Werte der Neuanlagen aus früheren Jahren. Fazit: Um die gleiche Strommenge aus den Anlagen zu gewinnen, muss zukünftig (z.B. bei einer Ost-West-Ausrichtung der Module) noch mehr kWp-Leistung aufgebaut werden als früher.

Zentral wird hier die kommende Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG), die für dieses Jahr angekündigt ist und zu dem wir bald Eckpunkte aus dem zuständigen Ministerium erwarten.

Quellen:

Auswertung von Energycharts
Auswertung von Agora Energiewende