Ein Überblick von Götz Warnke

[Foto: Götz Warnke]
2026 könnte das Jahr des endgültigen Durchbruchs für die E-Mobilität in Deutschland werden! War schon 2025 ein gutes Jahr für den E-Auto-Markt – sowohl hinsichtlich der absoluten Verkaufszahlen als auch des prozentualen Anteils der E-Autos (19,1 Prozent) an den gesamten Neuwagenverkäufen – , so kommt in 2026 eine staatliche Förderung hinzu: Seit dem 1. Januar 2026 gibt es für Neuwagen mit elektrischem Antrieb eine Prämie, die bis zu 6.000 Euro betragen kann. Sie wird aber wohl erst ab kommenden Mai beantragbar sein. Zwar hat diese staatliche Förderkulisse durchaus ihre Schwachstellen – so werden gebrauchte E-Autos, E-Leichtfahrzeuge und die Umrüstung von Verbrennern auf E-Mobilität nicht gefördert, klimafeindliche Plugin-Hybride und Fahrzeuge mit fossilem Range-Extender aber schon. Doch andererseits werden auch manche Dinge richtig gemacht: So wird es eine soziale Staffelung der Förderung geben, die einkommensschwächere Haushalte bevorzugt. Das ist zweifellos sinnvoll. Denn bisher haben 81 Prozent der E-Autos ihren „Heimathafen“ in Eigenheimen, eine Verkehrswende zur E-Mobilität muss aber alle gesellschaftlichen Schichten erreichen. Gut ist es, dass es bereits eine Menge von elektrischen Kleinwagen gibt, und dass dieses Jahr noch mehr dazu kommen.
Dazu kommt, dass derzeit fast alle Hersteller eigene, mit der staatlichen Förderung kombinierbare Prämien ausloben, um Kunden für ihre E-Autos zu gewinnen. Hintergrund ist: Gemäß der EU dürfen die Autohersteller ihre in 2025 meist nicht erreichten CO2-Emissionsziele mit denen der Jahre 2026 und 2027 straflos zusammenfassen. Das bedeutet aber, dass die Hersteller die Emissionsziele in 2026 und 2027 übererfüllen müssen, um das Versagen in 2025 auszugleichen. Und das geht nur mit deutlich höheren E-Auto-Absatzzahlen.
Hier ein Überblick über die wichtigsten und interessantesten reinen E-Autos des Jahres 2026:
Alpine: Die Renault-Tochter trumpft endlich mit dem bereits im vergangenen Jahr vorgestellten Crossover A390 auf – ein Fünfsitzer mit großem 89-kWh-Akku, 345-kW-E-Motor und zu Preisen ab 67.500 € bzw. einer Leasingrate von ca. 499 € / Monat.
Audi: Die Ingolstädter scheinen sich in diesem Jahr eher zurückhalten zu wollen: Der neue A 2 E-tron könnte zwar noch Ende des Jahres vorgestellt werden, dürfte aber erst im kommenden Jahr bestellbar sein. Noch später dürfte das größere Brot-und-Butter-Modell A4 E-Tron folgen.
BMW: Die Münchner schicken ihre „Neue Klasse“ mit 800-Volt-Architektur dieses Jahr zu den Händlern, zuerst das SUV BMW iX3, später im Jahr die Limousine BMW i3.
Changan: Auch wenn der chinesische Konzern uns sein interessantestes Auto – eine Limousine mit Natrium-Ionen-Akkus – in diesem Jahr vorenthält, so möchte er doch mit dem Deepal S07 auf dem hiesigen Markt Fuß fassen: der Mittelklasse-SUV verfügt über einen 160-kW-Motor und einen 80-kWh-Akku. Die ersten Autos davon sind schon da, ebenso wie vom kleineren Schwestermodell Deepal S05.
Cupra: Die Spanier schicken mit dem Raval den sportlichsten Kleinwagen des Drei-Gestirns des VW-Konzerns (mit Skoda Epiq und der VW ID Polo) auf der Plattform MEB-small im Herbst auf den Markt. Die Launch Edition des Raval kommt mit einer Leistung von 155-166 kW und einer WLTP-Reichweite zwischen 400 und 450 km daher. Auch erste Testvideos gibt es bereits.
Denza: Dieses Tochterunternehmen des chinesischen Autokonzerns BYD möchte sich mit dem Z9GT im sportlichen Luxusklasse-Segment Europas positionieren. Trotz interessanter Technikdetails wird das sicher nicht einfach. Denn zum einen fehlt das auch im Luxussegment übliche Händlernetz samt persönlicher Betreuung, zum anderen hat ein E-Auto in China andere Anforderungen als in Europa: Wer sich durch den Stop-and-Go-Verkehr chinesischer Megastädte quält, für den sind Autonomes Fahren und ein opulentes Medienpaket wichtiger als für einen Europäer, der seine Sport-Limousine über kurvige Landstraßen und die Autobahn jagen will.
Ferrari: Italiens Sportwagen-Schmiede Nummer 1 stellt mit dem Luce seinen ersten Elektrosportwagen mit umgerechnet 1.000 PS im kommenden Mai vor. Auch wenn wir als Nicht-Multimillionäre uns diesen Wagen nie werden leisten können, so ist er doch wichtig: Er macht allen Fossil-Fahrzeug-Freaks deutlich, dass die Elektromobilität inzwischen selbst bei traditionsreichen 12-Zylinder-Herstellern angekommen ist.
Hyundai: Der Ioniq 3 hat seine Weltpremiere im April, und dürfte dann erst in der späteren 2. Jahreshälfte zu uns kommen. Der Kompaktwagen rundet die Ioniq-Familie nach unten ab und dürfte in der Größe zwischen dem kleineren Hyundai Inster und dem größeren Hyndai Kona positioniert sein.
Jeep: Die Offroad-Marke des Stellantis-Konzerns macht hinsichtlich der Fahrzeug-Elektrifizierung dieses Jahr einen großen Sprung nach vorn: Zum einen kommt der Compass Elektro mit 157-kW-Maschine und 74-kWh-Akku. Dazu stoßen könnte dieses Jahr noch der große Wagoneer S, der gerade seine Österreich-Premiere gehabt hat. Ob es dann auch der Recon dieses Jahr noch nach Deutschland schafft, ist aber mehr als fraglich.
KIA: Der EV2 ist, anders als der Ioniq3 des Schwesterunternehmens Hyundai und anders als es die KIA-interne Nomenklatur (gerade Zahlen für E-Limousinen, ungerade Zahlen für E-SUVs), ein kompakter SUV, der Mitte des Jahres zu uns kommt. Auch wenn KIA selbst wohl aus rechtlichen Gründen mit technischen Daten sparsam umgeht, so weiß der ADAC schon mehr.
Land Rover: Die BMW-Tochter bringt dieses Jahr mit dem Range Rover Electric nun endlich ihren Luxus-E-SUV. Auch wenn man auf der Website den Eindruck gewinnen kann, sie würde lieber einen Plugin-Hybrid verkaufen.
Mazda: Nachdem die Mittelklasse-Limousine Mazda 6e schon im vergangenen Jahr vorgestellt, ausgeliefert und nun auch ausführlich getestet wurde, folgt dieses Jahr die E-Crossover-Version Mazda CX-6e, die inzwischen ebenfalls bestellbar ist. Beide Fahrzeuge sind preislich relativ günstig.
Allerdings muss man bei beiden die für E-Auto untypisch großen Kühlergrill-Imitate mögen: Für manche dürften die Fahrzeuge von hinten eleganter wirken als von vorn.
Mercedes: Der Konzern hat zwar einen erheblichen Gewinneinbruch zu verkraften, geht aber hinsichtlich E-Mobilität in die Offensive: Da sind der neue CLA Shooting Brake mit 800-Volt-Technologie, Leistungen von 200-260 kW und Akkugrößen von 85 kWh. Dazu kommt mit ähnlichen technischen Spezifikationen das SUV Mercedes GLB sowie das etwas größere SUV Mercedes GLC mit einer Motorleistung von 360 kW und einem nutzbaren Akku von 94 kWh.
Nissan: Nachdem die Japaner im Herbst vergangenen Jahres die 3. Generation ihres Leaf auf der Renault-E-Plattform präsentiert hatten, kommt dieses Jahr der Micra ebenfalls auf einer Renault-Plattform, und zwar der AmpR-Small-Plattform z.B. des Renault R5.
Porsche: Die Stuttgarter werfen ihren ebenfalls im letzten Herbst vorgestellten Cayenne Electric ins Rennen um die Gunst der – wohlhabenden – Käufer. Das Auto mit 800-Volt-Technik setzt auf der neuen, gemeinsam mit Audi entwickelten „Premium Platform Electric“ (PPE) auf. Leistungen zwischen 325 kW und 850 kW – letzteres beim Cayenne Turbo Electric, was umgerechnet 1.156 PS entspricht.
Polestar: Dieses Jahr nun wirklich: Die zum chinesischen Geely-Konzern gehörende Marke stellt mit dem Polestar 5 eine Oberklassen-Sportlimousine mit 800-Volt-Technik und einer Leistung von bis zu 650 kW vor.
Renault: Die Franzosen setzen ihre elektrische Neuinterpretation von beliebten Traditionsmodellen mit dem Kleinwagen Twingo E-Tech fort: Der rangiert unterhalb von R4 und R5 rangiert und hat in seiner einfachsten Version eine 27,5-kWh-Batterie.
Skoda: Die Tschechen aus dem VW-Konzern bringen den Epiq, einen kleinen Kompakt-SUV mit der gleichen technischen Basis wie die kommenden Cupra Raval und ID Polo. Auch wenn der Epiq bei der Markteinführung wohl dem ID Polo den Vortritt lassen muss – erste Testvideos im Tarnkleid gibt es bereits.
Toyota: Die Japaner bringen mit dem C-HR+ ein reines, hybridfreies E-Auto unterhalb des bekannten, größeren bZ4X, mit Batteriegrößen bis zu 77 kWh und Motoren zwischen 123 und 252 kW.
Volvo: Der neue SUV EX60 füllt die Lücke zwischen dem kleineren EX40 und dem „Dickschiff“ EX90. Die Akku-Größen reichen von 83 bis 117 kWh, die Motoren-Leistungen von 275 bis 500 kW.
VW: Die Wolfsburger haben dieses Jahr einiges vor. Aus dem Arbeitstitel ID.2 des Konzern-Kleinwagen-Dreigestirns mit dem sportlichen Cupra Raval und dem SUVigen Skoda Epiq wird der ID Polo. Mit ihm kehrt die VW-E-Mobilität auch zum traditionellen Frontantrieb zurück – die gesamte Antriebseinheit ist kompakt unter der Kühlerhaube verbaut, so dass vorn kein Platz für einen „Frunk“, also einen kleinen Stauraum bleibt, hinten aber der Kofferraum wächst.
Als elektrischer Nachfolger des T-Cross kommt der ID Cross auf die Straßen.
Und der ID.4 erhält ein Facelift, um dann anschließend ID Tiguan zu heißen.
Z wie „Zudem …“: Neben den oben aufgeführten Fahrzeugen wird sicherlich noch das eine oder andere Modell aus den USA oder China 2026 nach Europa kommen. Dass diese Fahrzeuge dann auch in Deutschland landen und hier relevante Absatzzahlen erreichen, ist damit noch lange nicht gesagt. Auch wenn der Markt 2026 durch die Förderung agiler werden wird, so tun sich selbst etablierte nichteuropäische Marken hier immer wieder schwer.
